|
buechernachlese.de
|
Das Reich von Ascarlia wird seit Langem unangefochten von den Schwesterköniginnen Weisheit, Silber und Eisen regiert. Doch jetzt verbreiten sich Gerüchte, dass sich ihm Langschiffe mit tätowierten Kriegern unter den Bannern eines mörderischen Kultes annähern, der lange als ausgestorben galt.
Thera Schwarzspeer wird von der Schwesternkönigin Weisheit beauftragt, diesen Gerüchten nachzugehen. Während sie nach Norden segelt, hat die Reise ihres Bruders Felnir zum Ziel, die Gunst der Königinnen auf Kosten seiner Schwester zu sichern. Und so beginnen die beiden Geschwister neben einer jungen Steuereintreiberin namens Elvine sowie einem Fischer namens Rhulin entscheidende Rollen in der heraufziehenden Zeit des Zorns zu spielen …
Von Anthony Ryan wird mit „Flut aus schwarzem Stahl“ der erste von im Original derzeit zwei erschienenen Bänden der Fantasy-Roman-Reihe „Zeit des Zorns“ in der Übersetzung von Sara Riffel vorgelegt.
In der Reihenfolge Ruhlin, Thera, Felnir und Elvine wird jeweils aus der Perspektive der genannten Protagonist:innen die Handlung vorangetrieben – wobei das für einen ersten Band naturgemäß erstmal nur den Ausgangspunkt und das Umfeld des Geschehens meint, was sich zum Ende hin dann allerdings in einen das Geschehen rasant entfaltetem Cliffhanger zuspitzt.
Schon bald wird auch die Verbindung dieser neuen Reihe zu Ryans vorangegangener Trilogie „Der stählerne Bund“ deutlich, die im Klappentext unverständlicherweise verschwiegen wird. Denn ohne hier weiter spoilern zu wollen, sei zumindest „verraten“, dass sich das Insel- und Küstenreich von Ascarlia offenbar in derselben Welt wie die vom Bund der Märtyrer dominierten Herzogtümer von Albermaine ausbreitet. Besagter Bund wie auch die so geniale wie am Ende geächtete Feldherrin Evadine sind in Ascarlia genauso bekannt, wie auch Alwyn Scribe, von dem zudem ein Kind im Reich von Ascarlia aufgewachsen ist und in der jetzigen Handlung ebenfalls eine evidente Rolle zu spielen hat …
Im Gegensatz zu Albermaine gleichen jedoch die Lebensverhältnisse auf den (Halb-)Inseln von Ascarlia in der gesellschaftlichen wie spirituellen Anmutung eher den Wikingern. Rhulin z.B. kann sich, entsprechend getriggert, verwandeln und dann übermenschliche Kräfte gegen einen Gegner einsetzen. Thera vermag sich mit ihrem stummen Schützling Lynnea telepathisch auszutauschen, die wiederum mit jedwedem Tier in nonverbale Verbindung treten und es z.B. auch um einen Gefallen bitten kann.
Unter den genannten Vorzeichen geht es denn auch in diesem Roman, wie in der Trilogie davor, um Möglichkeiten und Begrenzungen bzw. um den permanenten Kampf zwischen Macht und Ohnmacht, der einmal mehr nicht platt schwarz-weiß bebildert, sondern als facettenreiche Grauzone des allzu Menschlichen ausgelotet wird. Und zwischendrin die bereits vorgestellten Handlungsträger:innen, die sich anhand ihrer Erlebnisse und Erfahrungen weiterentwickeln und dann z.T. auch unerwartete Entscheidungen treffen.
Insgesamt also wieder ein gelungener Auftakt, der eine in sich plausible Welt mit eigener Geschichte, eigenen Mythen und Religionsvorstellungen verspricht, angereichert um interessante Protagonist:innen, von deren Schicksalen man gern noch mehr erfahren will.
Weitere Besprechungen zu Werken von Anthony Ryan siehe:
Anthony Ryan: Das Lied des Blutes - Rabenschatten, Bd. 1/3 (2014)
Anthony Ryan: Ein Fluss so rot und schwarz (2023)
Anthony Ryan: Der Paria - Der Stählerne Bund, Bd. 1/3 (2023)
Anthony Ryan: Der Märtyrer - Der Stählerne Bund, Bd. 2/3 (Kurzhinweis 2024)
Anthony Ryan: Der Verräter - Der Stählerne Bund, Bd. 3/3 (Kurzhinweis 2025)
Anthony Ryan: Flut aus schwarzem Stahl – Zeit des Zorns, Bd. 1/3 (2026)