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Zwei Brüder unterhalten sich ganz leise am Frühstückstisch. Der größere hat eine Schachtel mit einem Geheimnis, das für ihn das größte Geheimnis der Welt ist. Ob er es dem kleineren zeigen soll? Vielleicht hat er ja Angst.
„Doch! Ich kuck auch nur mit ein Auge hin.“
Und dann zeigt ihm der größere die Schachtel mit Kulla, einer Hummel, die er bewegungslos auf einer alten Bank beim Spielplatz gefunden hat ...
„Eine Schachtel voll Geheimnis“ ist in mehrfacher Hinsicht eine trotz des Themas frohgemut Erkenntnis stiftende Einladung an Kinder und den ihnen aus diesem Bilderbuch vorlesenden Erwachsenen.
Es beginnt gleich wortwörtlich mit einer Einladung der bereits u.a. mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichneten Autorin Dita Zipfel, worin sie auf die bewusst von ihr eingefangene und deshalb nicht immer orthographisch korrekte Kindersprache hinweist. Ein kleiner Kniff, der uns ohne Umweg mitnimmt in kleine Köpfe mit großen Gedanken – und auch den Vorlesenden die Freiheit und das damit verbundene Bewusstsein lässt, ihre Sprache mal so oder anders klingen zu lassen.
So beginnen die beiden über das Geheimnis der leblosen Hummel zum Angsthaben vor Dunkelheit oder auch nur vor „klitzikleinen“ Hunden oder vor dem Sterben zu mäandern.
„Oder ich sterb vielleicht nie, wegen: Habich mir mal gewünscht. Mit einer Wimper.“ „Aber wenn man nie stirbt, is man vielleicht irgendwann allein auf der Welt.“ „Das is doof.“ „Wünsche gehen eh nich in Erfüllung, wenn man sie verrät.“
Dann geht es um das Wünschen von einer Überraschung und wer von ihnen beiden als erster stirbt. („Du! Wegen: Du hast auch erster Geburtstag.“) Um schließlich bei der Frage anzukommen, ob man nach dem Sterben zur Mumie oder begraben wird, um dann festzustellen:
„Oma ist im Himmel.“ „Wie im Himmel?“ „Na, auf einer Wolke. Kuckt auf uns runter.“
Bis hin zu der Einsicht:
„Aber runterkucken kann man gar nich, wenn man tot is. Wenn man tot is, is man weg.“ „Aber auf einer Wolke sein, is ja weg.“ „Stimmt.“
Und nach dem Errichten einer wunderbaren Begräbnisstätte für die Hummel folgt noch ein „Wir machen: Wer erster stirbt, sagt dem andern, wies is.“ Und zuletzt: „Morgen kucken wir, ob Kulla immer noch tot is, ja?“
Zusammen mit dem Text sind es Doppelseite für Doppelseite auch die Illustrationen von der ebenfalls mehrfach ausgezeichneten Bea Davies, die die köstlichen Dialoge im prägnanten Comicstil untermalen und zu darüber hinausgehenden Betrachtungen der jeweils für eine Szene gewählten Bildelemente einladen. In ihrer Farbigkeit wie den für die Details äußerst gekonnt und pointiert gesetzten Strichen versteht sie es, dem Wesentlichen des Textes noch mehr Deutungsraum und Tiefe zu geben. So agieren auch parallel zur Interaktion der Geschwister stumm daneben oder im Hintergrund deren Eltern, was zu weiteren gemeinsamen Überlegungen einlädt.
In Wort und Text ein durch und durch gelungenes Bilderbuch, das gewiss nicht nur einmal zur Hand genommen und durchgeblättert wird! Das verdient den Eintrag in die Büchernachlese-Bestenliste und sicher noch so manch andere Auszeichnung ...