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Büchernachlese | Kurzhinweise 2026


Neben den nachfolgenden des aktuellen Erscheinungsjahrs können auch noch siehe Links oben insgesamt 664 Kurzhinweise zu den Jahren 2003 bis 2025 abgerufen werden:

Sortiert nach Genre und dem Alphabet der Autorennamen führen die verlinkten Genrebezeichnungen zum jeweils ersten Kurzhinweis.
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  • Belletristik: Tana French, Sven Regener
  • Krimis / Thriller: Natalie Chandler, M.W. Craven, Ingar Johnsrud, Thomas Knüwer, Val McDermid, Douglas Preston & Lincoln Child, Toni Rivera, Arno Strobel, Gordon Tyrie, Andreas Winkelmann
  • SF / Fantasy / Horror / Mystery: Chelsea Abdullah, Markus Heitz, Delemhach Emilie Nikota
  • Kinder- & Jugendliteratur (Bilderbücher): Sabine Bohlmann & Emilia Dziubak, Jenni Desmond, Julia Donaldson & Axel Scheffler, Brian Floca & Sydney Smith, Pe Grigo, Birk Grüling & Lena Hesse, Nina Hultsch, Jan Kaiser & Ina Hattenhauer, Daniela Kulot, Susannah Lloyd & Kate Hindley, Kai Oppermann, Fred Paronuzzi & Mariana Ruiz Johnson, Klara Persson & Charlotte Ramel (Ue: Friederike Buchinger), Johanna Schaible, Sibylle Schumann & Sophie Mertes sowie Annalisa & Marina Durante, Johanna Thydell & Sara Gimbergsson
  • Sachbuch: Kat Menschik



  • Belletristik

    Rachel Holohan ist kurz vor ihrer Hochzeit mit Eugene Moynihan verschwunden und das ganze Dorf Ardnakelty hilft bei der Suche nach ihr - darunter auch der Ex-Cop Cal Hooper.
    Doch Rachels Verschwinden und die Suche nach ihr bilden nur den Anfang einer gruppendynamischen Kettenreaktion, die Cals Verlobte Lena und seine Ziehtochter Trey als Einheimische des irischen Ardnakelty keineswegs zum ersten Mal erleben. Und die sie deshalb, wo es nur geht, zu vermeiden suchten. Doch Cal meint seinen neugewonnenen Freunden im Dorf Loyalität zu schulden - noch dazu, weil er auch als Neueinwohner von Ardnakelty längst weiß, dass hinter den meisten Konflikten in dem Dorf der Vater von Eugene, nämlich Tommy Moynihan zu stecken pflegte, der dann daraus einen wie auch immer gearteten Gewinn zog ...
    Mit Wie ein Fluss in der Nacht erscheint von Tana French nach Der Sucher und Feuerjagd der dritte Roman um den Ex-Cop Cal Hooper - endlich!
    Denn wie Tana French es versteht, ihre Charaktere wie auch die Atmosphäre eines irischen Dorfes treffsicher zu zeichnen, sucht seinesgleichen. So wird hier ohne Zeigefinger oder gar pädagogischen Impetus im Kleinen das "Große" durchdekliniert, wie Abhängigkeiten nicht einfach entstehen, sondern geschickt inszeniert oder auch nur behauptet werden, um ein ganze Gemeinschaft in Haftung zu nehmen. Und dem setzt sie mit viel Empathie und Verständnis für das Allzumenschliche ein zuweilen an Schwejk gemahnendes Gegenüber von zwei Figuren, die sich dieser Abhängigkeit mit viel Geduld und Resilienz schließlich erfolgreich widersetzen.
    Inwieweit dieses "Kleine" dann auch im "Großen" gegen reale Figuren wie Trump & Co. Wirkung zeigen könnte oder dann doch nur eine wunderbare Fiktion ist, sei dahingestellt. In jedem Fall lohnt die Lektüre wie die der Vorgängerbände, weil sie spannungsgeladen und mit viel Witz von der ersten bis zur letzten Seite große Unterhaltung bietet. Ulrich Karger
    (Tana French: Wie ein Fluss in der Nacht. Roman. Aus dem Englischen von Henning Ahrens. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2026. 558 Seiten. 26,00 Euro. ISBN: 978-3-7587-0027-9)
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    Es war von Anfang an nicht leicht, auf jedes überwundene Hindernis folgte das nächste: Frank hatte seinem Bruder Freddie vulgo Manni versprochen, ihn am 23. Dezember 1980 aus einem Kudamm-Hotel abzuholen. Freddie hatte dort als Proband an sich Psychopharmaka auf Nebenwirkungen zu testen gehabt. Und da er nach diesem Pillenprojekt seelisch und auch sonst noch ziemlich wacklig drauf war, sollte Frank seinen Bruder mit dem von Freddie an Frank geschenkten Opel Kadett abholen. Nur, es hat geschneit, es war bitterkalt und die Autobatterie leer ...
    Mit Frankie und Freddie als fünftem Prequel vor dem Roman Herr Lehmann schließt Sven Regener zumindest schon mal das Jahr 1980 ab. Das erste Prequel Neue Vahr Süd behandelt ja den Zeitraum vom 30. Juni bis Anfang/Mitte November, im Anschluss daran Der kleine Bruder die Tage vom 12. bis 14. November und die folgenden beiden Romane Wiener Straße und Glitterschnitter etwa den Restmonat November bis zum 22. Dezember 1980.
    Glitterschnitter wurde hier seinerzeit als Tiefpunkt vermerkt mit dem Hinweis "Aber wer sich schon mit den drei Vorgänger-Prequels und den beiden Anschluss-Sequels wohlgefühlt hat, wird sich auch mit Glitterschnitter wohlfühlen wollen, egal, wie ausgetreten die Wege von Regeners Helden inzwischen sind." Abgerundet durch ein "... da macht es auch nichts, wenn sich nach einem vergleichsweise noch subtilen H. R. Ledigt der Wortwitz des Autors, Jahrgang 1961, u.a. mit sprechenden Namen wie P. Immel endgültig ins nicht mehr besprechenswert Unterirdische verabschiedet hat."
    Nun denn und wohlan, tatsächlich hebt sich Frankie und Freddie derart in bemerkenswertem Maße von dem Vorgängerband ab, das man ihn ohne Vorbehalt empfehlen kann.
    Denn neben Regeners Talent zu Slapstick-Dialogen und -Handlungsabläufen wie auch auch zu treffenderen, dramaturgisch gekonnt aufgebauten Wortwitzen, unterzieht der Autor diesen Roman und seine postpubertären Handlungsträger:innen nun auch mit einer überraschend, aber keineswegs aus der Rolle fallenden, tieferschürfenden Ebene. So kommen hier Verletzungen und Triggerpunkte zur Sprache, die bislang immer nur sehr schnell weggelacht wurden, jetzt aber zumindest vom anderen wahrgenommen werden. Und auch das noch sehr lose wirkende Liebesband zwischen Frankie und Chrissie zeigt eine überzeugend zarte Note, ohne jeden Schnulz.
    Einzige Mäklei: Eine im Text öfter wiederholte Formel wie "voll aggro" wurde 1980 noch nirgends im deutschen Sprachraum genutzt.
    Und einziger Nachgedanke: Klar heißt es, never change a running system, und der Erfolg mit dieser Art der Rückschau in Büchern ist ein sehr starkes Argument - aber wie der Autor wohl (s)eine Geschichte mit erwachsen gewordenen Held:innen anlegen würde, träfe womöglich auch auf große Neugier. Ulrich Karger
    (Sven Regener: Frankie und Freddie. Roman. Galiani Berlin Verlag, Köln 2026. 279 Seiten. 24,00 Euro. ISBN: 978-3-86971-319-9)
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    Krimis / Thriller

    Seit einem Autounfall leidet die auch als Gutachterin gefragte Psychiaterin Tamsin Shaw an einem Syndrom reaktionsloser Wachheit, oft auch als Wachkoma bezeichnet. An den Unfall selbst und die Tage davor kann sie sich nicht erinnern, ansonsten ist sie bei vollem Bewusstsein. Doch das weiß keiner, denn sie kann weder sprechen noch auch nur einen Finger bewegen, geschweige denn die Augen öffnen. Berufsbedingt ahnt sie, dass dieses Syndrom vor allem psychisch bedingt sein kann und sie vor einer besonders traumatischen Erinnerung schützen soll. Und als zum dritten Jahrestag des Unfalls noch immer keine Besserung ihres Zustands abzusehen ist, beschließt ihr Ehemann Jamie, ihn durch das Abschalten ihrer medizinischen Versorgung beenden zu lassen ...
    Voices - Ich kann euch hören ist nach zwei bereits international erfolgreichen Thrillern von Natalie Chandler ihr dritter und zugleich der erste, der nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.
    Zurecht, denn die Autorin versteht es hier, die intelligent gedankenreiche wie auch aufgewühlt gefühlsbeladene Innenwelt der nach außen stummen Heldin sehr eingängig zu vermitteln und sie neben die kaum minder verwickelte Außenwelt ihres Ehemannes Jamie zu stellen. Dazu setzt sie sehr geschickt auch nach und nach weiter zurückreichende Rückblenden ein, die diese Welten zudem um weitere wichtige Handlungsträger:innen bereichern - was alles zusammen den Sog eines Pageturners entwickelt, bei dem alsbald jeder Widerstand zwecklos ist.
    Einzig zu bemäkeln ist der Schluss, der zwar in sich plausibel (und z.T. auch erwartbar) den Roman zufriedenstellend abschließt, aber im Vergleich zu dem ausführlichem Davor dann doch in ein ziemlich kurzatmiges Holterdiepolter mündet.
    Dennoch insgesamt ein empfehlenswerter Roman, der als Psychothriller gut zu unterhalten weiß ... Ulrich Karger
    (Natalie Chandler: Voices - Ich kann euch hören. Thriller. Aus dem Englischen von Alice Jakubeit. Knaur Verlag, München 2026. 345 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-56932-0)
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    Eigentlich ist die SCAS-Abteilung ja für Serienmorde zuständig und deshalb ist DS Washington Poe erstmal einigermaßen irritiert, dass er wegen eines Mordes zu einem Hinterhof-Bordell in Carlisle gerufen wird. Dann allerdings fällt ihm auf, dass offenbar jemand aus dem Ermittlerteam eine Keramikfigur entwendet haben muss, die auf einem Foto der Spurensicherung noch zu sehen ist. Bei der Figur handelte sich um eine Ratte - und Poes Teamkollegin Tilly Bradshaw erinnert sich alsbald an einen ungeklärten und etliche Jahre zurückliegenden Banküberfall, bei dem nichts entwendet wurde, stattdessen aber eine Ratten-Keramikfigur vor dem Tresor zurückgelassen wurde ...
    Nach Der Zögling , Der Gourmet, Der Kurator wurde mit Die Witwe nun auch der vierte Band der 2018 begonnenen Krimireihe von M. W. Craven in deutscher Übersetzung vorgelegt. Endlich.
    Je tiefer DS Washington Poe und seine geniale Analystin Tilly Bradshaw in die Ermittlungen eintauchen, umso verzwickter wird der Fall. Und neben der FBI-Agentin Melody Lee, die ihnen schon im letzten Fall sehr hilfreich zur Seite stand, will nun auch noch der MI5 mitmischen.
    Tatsächlich braucht es dann auch die Mitwirkung aller Beteiligten, um von langer Hand geplante Verbrechen jemandem konkret zuordnen zu können.
    Ausgezeichnet als bester Thriller des Jahres mit dem CWA Ian Fleming Steel Dagger setzt auch dieser Band mit Washington Poe und Tilly Bradshaw im Mittelpunkt wieder ganz andere und neue Akzente, als die zuvor erschienenen Romane dieser Reihe. Abgesehen von den beiden Serienhelden bleibt aber eines gleich: auch dieser Kriminalroman lässt einen von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr los - und kaum hat man sie gelesen, will man die Lektüre des fünften Bandes beginnen können, der paradoxerweise ja als erste Übersetzung dieser Reihe unter dem Titel Der Botaniker seit bereits seit 2023 vorliegt. Und laut Verlag soll schon im November 2026 auch der sechste Band "Die Prediger" erscheinen …
    Wohl denen, die den ersten Band noch nicht kennen, denn die können und sollten(!) auch noch alle weiteren Vorgängerbände lesen, da nicht zuletzt die Hintergrundgeschichten der Held:innen Poe und Tilla chronologisch fortgeschrieben werden. Ulrich Karger
    (M.W. Craven: Die Witwe. Washington Poe und Tilly Bradshaw ermitteln, Band 4. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger. Droemer Verlag, München 2026. 508 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-28460-5)
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    Der norwegische Nationalfeiertag stellt in Oslo für die Sicherheitsleute des PST eine große Herausforderung dar - neben der Politprominenz sind auch Umzüge für und mit Kindern zu sichern. Liselott Benjamin ist vor Ort als ein Mann sich verdächtig verhält. Sie verfolgt ihn bis in eine Tiefgarage - wo er aus einem unbekannten Fahrzeug heraus erschossen wird ...
    Nahezu zeitgleich starteten auf dem militärischen Teil des Osloer Flughafens mehr als gut ausgerüstete ukrainische Spezialkräfte, überquerten alsbald Schweden, um über dem offenen Meer einen Fallschirmabsprung zu üben. Doch dann wird über Funk gemeldet, dass sich ihnen eine der russischen MIG-Patrouillen nähert - und der Funkkontakt bricht komplett ab ...
    Mit Blendfeuer legt Ingar Johnsrud nach Echokammer den 2. Teil seiner Triller-Trilogie um Liselott Benjamin und Martin Tong vom Polizeilichen Sicherheitsdienst vor.
    Behandelte der erste Band einen komplexen, aber in sich abgeschlossenen Fall, den die beiden Sicherheitsbeamten zu lösen hatten, eröffnet der zweite Band einen neuen Fall, der aber erst mit dem letzten Band seine endgültige Auflösung findet. Dabei spielen die meisten, bereits im ersten Band eingeführten Handlungsträger:innen aus Politik und Polizeidiensten erneut eine Rolle, allerdings unter zum Teil neuen bzw. geänderten Vorzeichen.
    Dazu zählt u.a. auch Jens Meidell, der sich ja als Shootingstar der Arbeiterpartei für größere Aufgaben in Stellung bringt und zugleich an seine pubertierende Tochter Liv zu denken hat.
    Ohne zu spoilern, soviel schon mal vorweg: Dieser Fall bzw. die beiden s.o. angedeuteten Fälle reichen weit über Norwegen als Nation hinaus und werden erneut zum Brennpunkt hochaktueller politischer Fragestellungen, die diesmal nicht zuletzt auch die ganze EU betreffen ...
    Erneut gelingt es dem Autor in eingängigem Sprachfluss die Spannungsschraube in seinen Erzählsträngen immer mehr anzuziehen, so dass man sich schon bald nicht mehr von dem Text lösen will - wiederein echter "Pageturner" also, der bereits Bestsellerstatus erlangt hat und diesen redlich verdient.
    Angesichts des raffiniert eingefädelten Cliffhangers bleibt unsereinem dann nur noch übrig, auf ein möglichst schnelles Erscheinen des finalen, dritten Bandes zu hoffen! Ulrich Karger
    (Ingar Johnsrud: Blendfeuer. Thriller. Aus dem Norwegischen von Daniela Stilzebach. Droemer Verlag, München 2026. 416 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-56270-3)
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    Charu, Joran und Edda treffen zufällig an einer abgelegenen, verfallenen Tankstelle aufeinander. Charu und Joran sind beide etwa Mitte Zwanzig, Edda hingegen ist erst zehn Jahre alt. Während Charu als Urbexerin auf Lost Places spezialisiert ist und samt ihrer selbstgebastelten Glitzerkatze als immer wiederkehrendes Erkennungszeichen lediglich ein weiteres Foto- bzw. Videomotiv für ihre Instagram- und TikTok-Follower gesucht hat, haben Joran und Edda weitaus existentiellere Gründe für ihren Besuch dort.
    Joran war nach dem Überfall eben dieser Tankstelle sieben Jahre im Gefängnis und sucht dort nach seiner versteckten Beute - und findet stattdessen die Leiche seines ehemaligen Freundes und Komplizen Aras vor. Für Joran ist sofort klar, dass nur der dritte im Bunde ihres Überfalls der Mörder sein konnte. Doch was hat die kleine Edda im Schlafanzug an der Tankstelle zu suchen?
    Thomas Knüwer legt mit Giftiger Grund seinen zweiten Roman vor, der erneut als Kriminalroman eingeführt wird, wiewohl er abgesehen von durchaus nicht wenigen Spannungsmomenten und zutage tretender krimineller Energie das Genre komplett unterläuft. Wer sich also auf das Übliche mit Kommissar:innen, Polizeiarbeit samt Forensik und der Suche nach und dem Finden von Täter:innen versteift, wird enttäuscht.
    Doch was für ein Genre bedient der Roman dann? Wohl am ehesten so etwas wie hochdramatische Jugendliteratur mit Thriller-Effekten.
    Denn allen drei Handlungsträger:innen, aus deren Perspektive jeweils im Wechsel erzählt wird, ist gemeinsam, dass ihre Eltern entweder absent, tot oder wie Jorans Vater absolut abweisend sind. Somit sind alle drei letztlich auf sich allein gestellt, ohne schon genügend Souveränität geschweige denn ausreichend Geld für ihre dringendsten Bedürfnisse vorweisen zu können. Noch schlimmer: Alle drei leiden unter mindestens einem weiteren strukturellen Problem. Joran muss als Exknacki an jeder Arbeitsstelle auch ungerechtfertigten hohen Druck oder sogar Erpressungsversuche eines Soziopathen aushalten, Charu wird in der Wohnung ihrer älteren Schwester bestenfalls geduldet und muss zugleich die übergriffige Anmache des Freundes der Schwester abwehren und Edda wird von ihrer weit älteren, aus unerklärlichen Gründen zum Vormund bestellten Schwester gequält und bei Ugehorsam buchstäblich mit dem Messer geritzt.
    Der Plot der Geschichte, der all diese angesichts unserer gesellschaftlichen Prioritäten leider ziemlich realistischen Vorgaben zusammenbringt, ist zuweilen schwerer zu ertragen, als ein brutal überzeichneter Mafiathriller, da jede der drei Perspektiven für sich durchaus glaubhaft und überzeugend vorgestellt und entfaltet wird.
    Das Finale bietet denn auch Überraschendes, aber nicht für alle drei Versöhnliches ... Ulrich Karger
    (Thomas Knüwer: Giftiger Grund. Kriminalroman. Droemer Verlag, München 2026. 331 Seiten. 18,00 Euro. ISBN: 978-3-426-56846-0)
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    Heftige Regengüsse entreißen in Schottland einem Stück Autobahn ein lang gehegtes Geheimnis, in dem sie ein menschliches Skelett freilegen. Dabei handelt es sich um die Überreste des einstigen Enthüllungsjournalisten Sam Nimmo, der elf Jahre zuvor spurlos verschwunden war. Und kurz vor seinem Verschwinden stand er unter den dringenden Tatverdacht, seine schwangere Verlobte brutal ermordet zu haben.
    Mit Die Straße der Knochen legt Val McDermid u.a. nach Das Grab im Moor, Ein Bild der Niedertracht und Die Gabe der Lüge endlich den 8. "Cold Case" für DCI Karen Pirie und ihre beiden Kolleg:innen Jason Murray alias "Minzdrops" und Daisy Mortimer vor.
    Mit ihren sehr unterschiedlichen und sich zuweilen durchaus kongenial ergänzenden Kompetenzen stehen sie bald vor einer ganzen Reihe von Rätseln, wie z.B. vor einem Literaturclub, der offenbar mit allem Möglichen, nur nichts mit Literatur am Hut hat - "logischerweise" kann man diesem Club zudem nur auf Empfehlung eines bereits aufgenommenen Clubmitglieds beitreten. Und es stellt sich bald heraus, dass es da eine brisante Verbindung seitens Sam Nimmo zu diesem Club gab …
    Insgesamt laufen die Untersuchungen des Teams zur Begleitmusik von Stichworten wie Klassendünkel, Gier und Korruption - auch weil es sich gleichermaßen dagegen zu wehren bzw. einige der Eigenschaften bei einigen Vorgesetzten zu unterlaufen hat.
    Neben der Spannung schlägt das auch nicht wenige Funken des berühmten britischen bzw. schottischen schwarzen Humors.
    Und wieder einmal hat Val McDermid all das in bewährter Manier sehr überzeugend ineinandergefügt und zu einem empfehlenswert spannenden Ganzen entwickelt, das bis zur letzten Seite für spannende Unterhaltung sorgt! Ulrich Karger
    (Val McDermid: Die Straße der Knochen. Ein Fall für Karen Pirie. Aus dem Englischen von Karin Diemerling. Droemer Verlag, München 2026. 477 Seiten. 18,00 Euro. ISBN: 978-3-426-56566-7)
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    In den Badlands von New Mexiko wird das Skelett einer Frau gefunden. Sie hatte sich offenbar auf ihrem Weg in diesen Teil der Wüste nach und nach vollkommen entkleidet und ist dann qualvoll verdurstet. Ihre Hände umschließen jedoch noch immer zwei seltene Steine, die von den alten Chaco-Völkern wegen ihres Blitzens zur Götterbeschwörung verwendet wurden ...
    Ein Selbstmord der Frau ist bald auszuschließen - doch weswegen fand sie dann den Tod in der Wüste?
    Preston & Child setzen mit Old Bones - Der Fluch der Wüste als fünftem Band ihrer Thriller-Reihe um die Archäologin Nora Kelly und die frischgebackene FBI-Agentin Corrie Swanson fort.
    Erneut sehr überzeugend und spannungsreich mit der US-amerikanischen Historie verknüpft, wurden besagte Steine von einem im Mittelalter lebenden indigenen Volk benutzt, das als Hexer gefürchtet war und im 13. Jahrhundert ein abruptes Ende fand. Corrie und Nora nehmen alsbald Kontakt zu Wissenschaftlern bzw. Kollegen von Nora auf, um deren Einschätzung dazu zu erlangen - denn schon ist eine weitere Leiche mit solchen Steinen entdeckt worden, die zudem Folterspuren aufwies. Die Beschäftigung mit längst vergessenen Ritualen lässt auf eine uralte, dunkle und bösartige Macht schließen, die einmal erweckt, nichts als Zerstörung verheißt ...
    Bei aller Mystery in dieser Geschichte, die zuletzt aber einigermaßen plausibel aufgelöst wird, bietet auch dieser Band innerhalb seines Genres durchaus gute Unterhaltung. Ulrich Karger
    (Douglas Preston & Lincoln Child: Old Bones - Der Fluch der Wüste. Thriller. Aus dem Englischen von Michael Benthack. Knaur Verlag, München 2026. 395 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-65978-6
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    In Lugano kann beim Auffinden von Toten, wenn nicht Altersschwäche oder Krankheit, eigentlich stets ein Unfall als Ursache für deren Ableben angenommen werden - denn die Zeiten, in denen es im Tessiner Süden ein Tötungsdelikt zu ermitteln gab, liegen lange zurück. Umso ungläubiger reagierte Capitano Rossi, als dessen neue Assistentin Ispettrice Gemma Crivelli gleich innerhalb weniger Stunden zweimal den Polizeicode für "Mord" simst. Doch er muss Crivelli alsbald zustimmen: Diese beiden Todesfälle beruhen offenkundig auf Gewaltverbrechen ...
    Die Familie sehen und sterben ist der erste Band der Krimireihe Capitano Rossi ermittelt im Tessin von Toni Rivera. Wobei "Toni Rivera" wiederum das Pseudonym eines "bekannten deutschsprachigen Autors" sein soll, der "seine Kindheit im Tessin verbracht hat und heute wieder dort lebt."
    Früher verbargen sich Autoren komplett hinter Pseudonymen - warum der genannte Autorenname nun gleich im Klappentext als Pseudonym "geoutet" wird, folgt natürlich einer anderen (Werbe-)Logik als damals. Nun denn, nach Lektüre der ersten 50 Seiten stand zu vermuten, der Autor will seinen echten Namen nicht mit der ungewollten Parodie eines Ermittlers aus den 1950er Jahren in Verbindung bringen.
    Denn dieser offenbar knapp 60-jährige Capitano Enzo Rossi wird als ziemlich fauler, eher mäßig intelligenter, dafür umso mehr frauenverachtender Macho vorgestellt, dessen einziges Plus sein älterer Bruder Fabrizio ist.
    In der Kindheit haben sie beide, er mit 7, Fabrizio mit 9 Jahren, ihren erst 5-jährigen Bruder in dem Hochwasser führenden Fluss in der Nachbarschaft verloren. Kurz darauf legten beide ein Gelübde ab: Enzo wollte Polizist werden, um auf alles und alle besser aufpassen zu können, und Fabrizio wollte reich werden, denn in seinen Augen war die Armut ihrer Familie schuld daran, dass sie seinerzeit keinen angemesseneren Ort zum Spielen als den Fluss gefunden hatten.
    Enzo wurde Polizist - und Fabrizio wurde reich, in dem er als Mafiosi bzw. kraft organisierter Kriminalität Millionen über Millionen z.B. im Baugeschäft anhäufte. Und für Fabrizio blieb und bleibt die Familie das Wichtigste - und so musste Enzo keine finanziellen Probleme fürchten, allerdings zu dem Preis, das wirklich jede und jeder, auch Ispettrice Gemma Crivelli, in Lugano weiß, wer sein Bruder ist und wie er zu seinem Reichtum gekommen ist.
    Und diese sich mit Anflügen von Situationskomik nach und verdeutlichende Familien-Konstellation kulminiert immerhin im letzten Drittel in einen Spannungsbogen, der auf den letzten Seiten durchaus krimigemäße Sogwirkung entfaltet - und am Schluss in einem Cliffhänger endet, der eine Fortsetzung dieser Krimireihe eigentlich unmöglich erscheinen lässt.
    Aber wen das betrüben könnte, sei getröstet, der zweite Band wird bereits im Buchumschlag des ersten für das nächste Frühjahr in 2027 angekündigt ... Ulrich Karger
    (Toni Rivera: Die Familie sehen und sterben. Capitano Rossi ermittelt im Tessin. Roman. Galiani Berlin Verlag, Köln 2026. 280 Seiten. 17,00 Euro. ISBN: 978-3-86971-317-5)
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    Vor ihrer Uni sieht die Medizinstudentin Luisa Menkhoff ein Suchplakat, das eine vermisste Frau zeigt. Luisa erkennt Nicole Klement sofort - seinerzeit war sie die Lebensgefährtin und Komplizin von Dr. Joachim Lichner, der Luisa als Fünfjährige entführt hatte. Und Luisas bereits verstorbener Vater wirkte als Polizist bei der Festnahme Lichners mit.
    Alles Gründe für sie, sich sofort an die Münchner Polizei zu wenden, weil sie zudem wegen ihres eidetischen Gedächtnisses nach wie vor über umfangreiche Detailkenntnisse verfügt, mit denen sich ggf. auch ein Zusammenhang zum jetzigen Verschwinden herstellen ließe. So trifft Luisa auf Hauptkommissar Ramin Brunner, der eigentlich gerade im Begriff ist, eine neue Cold-Case-Einheit aufzubauen - aber sofort von Luisas Fähigkeiten überzeugt ist und deshalb noch ein wenig länger für sein bisheriges Kommissariat tätig sein will ...
    Arno Strobel legt mit Ungelöst - Die erste Zeugin den ersten Band einer neuen Thrillerserie um Hauptkommissar Ramin Brunner und Luisa Menkhoff vor. Und da der Roman bei Amazon bereits zwei Wochen nach Erscheinen mit einem Ranking um die 70 durch die Decke zu gehen scheint und ihm bereits über 230 Kundenrezensionen im Schnitt 4,4 Sterne zuerkennen, scheint der Autor damit ja Erfolg zu haben.
    Der Erfolg sei ihm gegönnt, aber mir ist schleierhaft, worauf er eigentlich beruht ...
    Der Plot wie auch die Anlage der Hauptfiguren sind schlicht an den Haaren herbeigezogen und wenig überzeugend, was sich dann auch noch mit Sentenzen zum Ausdruck gebracht wird, wie: "Er lächelt sie an mit dieser Boshaftigkeit, die sie nie vergessen kann. Ein Lächeln wie das Versprechen des Todes. 'Du hast mich nicht besiegt', sagt er. Seine Stimme klingt wie das Kratzen einer Rasierklinge auf Glas. 'Du kannst mir nicht entkommen. Nie.'"
    Und was der 28-jährige Hauptkommissar ("1,82 m, durchtrainiert, blaue Augen, schwarze Haare") und die 22-jährige Studentin ("1,70 m, schlank, graugrüne Augen, rotblonde Haare") so denken und fühlen, klingt als Gegenüber des zitierten "geheimnisvollen" Täters nicht weniger klischeebeladen - und gleich ab ihrer ersten Begegnung knistert es zwischen den beiden natürlich.
    Da ist es kaum noch erwähnenswert, dass diese Reihe ja eigentlich das Geschehen um besagte, noch zu gründende Cold-Case-Einheit im Zentrum haben sollte, aber stattdessen ist es ein reines Kuddelmuddel, um zu zeigen, dass dieser junge Superkommissar eigentlich alles könnte, z.B. auch eine weit höhere leitende Funktion zu übernehmen oder jedes andere x-beliebige Kommissariat, wenn er nur wollte.
    Nun ja, viele mögen so etwas offenbar ... Ulrich Karger
    (Arno Strobel: Ungelöst - Die erste Zeugin. Thriller. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2026. 379 Seiten. 18,00 Euro. ISBN: 978-3-596-71298-4)
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    Ex-Profikiller Hynch landet mit letzter Kraft auf der Insel South Uist. Kurz davor war er noch Begleiter der Skipperin Chrissa und ihrer "Hammer of Love", die für eine Gruppe schottischer Clanmitglieder namens "Charger" eine von Historie und in Erinnerung an die tragische Schlacht von Culloden aufgeladene Bootstour zur Isle of Eigg geplant hatte. Doch der Ausflug findet ein jähes Ende, nachdem der beliebte Geschichtenerzähler Duncan MacDonald in seiner Kajüte ermordet aufgefunden wurde ...
    Nach Todesströmung, Schottensterben, Schottenkomplott und Schottenschuss legt Thomas Kastura unter seinem Pseudonym Gordon Tyrie mit Rache auf Schottisch den fünften und letzten Roman einer so skurrilen wie liebenswürdigen, aber auch durchaus an Volten reichen Krimi-Reihe vor.
    Denn wie schon auf den vier anderen Hebrideninseln zuvor, muss Hynch auch auf South Uist einmal mehr von dem mit ihm befreundeten Hochlandrind Thin Lizzy gerettet werden. Glücklicherweise hatte er ihr kurz zuvor dort den Job als Leitkuh besorgt, die eine Herde zerstrittener Hochlandrinder versöhnen soll. Und wiewohl sie davon mehr als gedacht in Anspruch genommen wird, führte ihr Instinkt sie zur rechten Zeit an den richtigen Strandabschnitt, um den von einem der Chargers ins Meer gestoßenen und vor Kälte fast schon ohnmächtigen Hynch aus dem Wasser zu helfen. Doch warum erst der Mord an Duncan und dann der Mordversuch an Hynch? Nur gut, dass neben Hynch und Thin Lizzy, auch noch Hynchs Freundin Frances, seine Tochter Elsie und ihre Frau Chrissa mitkombinieren, um diesen Fragen auf die Spur zu kommen - die Zeit drängt nämlich, der nächste Anschlag steht kurz bevor ...
    Wer bereits die vier Vorgängerbände gelesen hat - und das ist zum Verständnis dieses Bandes durchaus eine sehr vergnügliche Voraussetzung -, akzeptiert die dickschädelig hilfreiche Hochlandkuh Thin Lizzie längst wie Hynch als gegebenen Faktor, der nahezu gleichrangig mit den anderen Protagonist:innen die Handlung voranzutreiben weiß. Und das wie immer kombiniert mit sehr viel schwarzem Humor und einem Plot, der durchaus für Spannung sorgt.
    Insgesamt also eine leichte, aber keineswegs seichte, unterhaltsame Urlaubs- und Reiselektüre, die erneut und gern empfohlen werden kann. Ulrich Karger
    (Gordon Tyrie: Rache auf Schottisch. Ein Hebriden-Krimi. Droemer Verlag, München 2026. 316 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-426-56398-4)
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    Kommissarin Malia Gold tritt nach 15-jähriger Abwesenheit in dem Dorf ihrer Kindheit und Jugend ihren Dienst an. Gleich an ihrem ersten Tag wird sie in die Ermittlungen um eine seit zwei Tagen vermisste Zwillingsschwester eingebunden. Die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana wollten im Moor Content für ihren TikTok-Kanal filmen. Doch als es dunkel geworden ist, waren sie noch immer nicht zurückgekehrt. Eine erste Suche verläuft nur halb erfolgreich, nachdem eines der beiden Mädchen mit einer Kopfverletzung einem der Suchenden in die Arme gelaufen ist. Noch nicht wirklich ansprechbar muss sie erst einmal ins Krankenhaus. Aber dann tauchen auch noch Aufnahmen von der Zwillingsschwester auf besagtem TikTok-Kanal auf, die zeigen, dass ihr Leben ernsthaft in Gefahr ist ...
    Andreas Winkelmann legt mit Moorland den ersten Band einer Thrillerserie um die Kommissarin Malia Gold vor.
    Der zweigleisige Plot dreht sich neben der Suche nach den Zwillingsgeschwistern auch noch um die konfliktreiche Beziehung zwischen Malia Gold und ihrer dort nach wie vor ansässigen und dominanten Mutter Ruth, die der Hauptgrund für ihre Abwesenheit war. Darüber hinaus hat im Dorf auch noch der von Ruth heftig bekämpfte Leiter einer evangelikalen Sekte großen Einfluss.
    Wenn auch nicht gerade klischeefrei, vermag der Autor hier immerhin ohne übermäßigen Einsatz von Adjektiven die unterschiedlichen Stimmungen einer Moorlandschaft wie auch die Charaktere der Handlungsträger:innen zu vermitteln, von denen zwei, drei durchaus sogar originelle Züge tragen.
    Und auch wenn Malia Golds wiederholte Ausrufe von wegen "Holy Shit" wie auch einige Äußerungen des Bedauerns oder/und Zweifelns ob einer neuen Nähe zur Mutter oder über das allzu düstere Moor durchaus noch durch ein Lektorat zu reduzieren gewesen wären, entwickelt dieser Thriller im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Genrevertretern dieses Frühjahrs durchaus einigermaßen unterhaltsame Spannung bis zu seinem überraschend aus der Hüfte geschossenen Finale. Und angesichts seines bereits nachweisbaren Echos werden viele sich wohl auch schon auf den Folgeband freuen ... Ulrich Karger
    (Andreas Winkelmann: Moorland. Thriller. Knaur Verlag, München 2026. 426 Seiten. 14,00 Euro. ISBN: 978-3-426-56469-1)
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    SF / Fantasy / Mystery

    Nach ihrem Kampf gegen den übermächtig gewordenen Omar geraten Loulie, Mazen und Rijah in das versunkene Reich der Dschinn - sie finden sich auf einer Insel in einem Ozean aus Sand wieder, die buchstäblich zu zerfallen droht. Und außerdem ist Qadir, Loulies magischer Freund und Beschützer, spurlos verschwunden ...
    Mit Der Aschefeuerkönig legt Chelsea Abdullah nach Der Sternenstaubdieb den zweiten Romanband ihrer Fantasy-Trilogie The Sandsea Chronicles vor, der ohne die Lektüre des sehr gelungenen ersten Bandes nicht nachzuvollziehen ist.
    Erzählt wird vor allem aus den Perspektiven von Loulie und Mazen.
    So muss sich Loulie der Aufgabe stellen, die Magie jenes Dolches zu entschlüsseln, den sie im Band davor von Quadir erhalten hatte - nur mit diesem Dolch kann sie auf eine Wiederbegegnung mit Quadir hoffen, um mit ihm gemeinsam womöglich auch den Untergang des Reichs der Dschinn aufzuhalten.
    Mazen hingegen, der so ganz anders geratene Bruder Omars, sucht immer wieder neue Mittel und Wege, Loulie zu schützen.
    Und aus der zusätzlich dritten Erzählperspektive von Aischa, die sich als ehemalige Räuberin im Auftrag Omars unterdessen damit abfinden muss, ihren Körper mit einer Dschinn zu teilen, wird ihr Aufeinandertreffen in der Wüste mit Hakim geschildert und wie sie gemeinsam ebenfalls einen Plan schmieden, um Qadir aus den Fängen Omars zu befreien ...
    Dieser zweite Band als Scharnier zwischen Eröffnung und Finale dieser Reihe entwickelt leider längst nicht mehr diesen Lese-Sog, wie der erste Band. Er "lebt" viel mehr allein von dem erneut sehr detailliert ausgemalten Ambiente einer märchenhaft-magischen Welt mit noch einigen weiteren, neu eingeführten Protagonisten.
    Was die Handlung und das Fortschreiten im Auflösen der zuerst angesprochenen Konflikte und deren erhoffter Auflösungen angeht, kommt er jedoch nur spiralförmig und deshalb die Geduld strapazierend nur sehr gemächlich dem Ziel näher. Die letzten Seiten ziehen immerhin wieder etwas stärker an, münden allerdings in einen ziemlich abrupt eingeführten Cliffhanger ...
    Nach der Lektüre von bislang insgesamt gut 1400 Seiten werden sich wohl die meisten auch noch den Abschlussband zu Gemüte führen wollen - hoffentlich gewährt der dann wieder ein so durchweg befriedigendes Lesevergnügen, wie der erste Band. Ulrich Karger
    (Chelsea Abdullah: Der Aschefeuerkönig - The Sandsea Chronicles 2. SF-Roman. Aus dem Englischen von Urban Hofstetter. Hobbit Presse (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2026. 640 Seiten. 26,00 Euro. ISBN: 978-3-608-98927-4)
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    Dunkle Mächte, genauer gesagt, menschliche Dämonen wollen die Macht Großbritanniens samt dem Commonwealth brechen. Ihnen steht nur eine kleine Gruppe gegenüber, um sie aufzuhalten. Es sind Töchter von Jack the Ripper, die mit ihren unterschiedlichen, übersinnlichen Fähigkeiten bereits ab Anfang des 20. Jahrhunderts das Erbe bzw. den Kampf ihres Vaters fortführen ...
    Mit Rippers Daughters wird von Markus Heitz eine Gesamtausgabe der zuvor ab 2023 als Hörspiel-Trilogie erschienenen Romane Stimmen der Vergangenheit, Shapata und Wahrhaftigkeit als Buch vorgelegt.
    Die Anfänge dieser Dämonenabwehr, die in den drei Bänden für die Jahre 1904 bis 1916 "dokumentiert" ist, korrespondiert in stetem Wechsel mit der Gegenwart - wobei von deren Handlungsträger:innen insbesondere eine Person schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielt.
    Verbindendes Element über die Zeiten bilden die Ladys eines Herzogtums und deren Schlossbehausung. In der Gegenwart muss sich dann Ella als Nichte besagter Lady von der namensgebenden Rockergang "Rippers Daughters" lösen, um den Kampf nach über einem Jahrhundert nun hoffentlich zu einem befriedigenden Ende zu führen.
    Diese Mischung aus fantastisch Mysteriösem in unterschiedlich historischen Milieus versteht der Autor einmal mehr sehr spannend und mit einiger wagemutiger Binnenplausibilität anzurühren. Und das hält er auch die ersten zwei Bände sehr gut durch, aber im dritten geht's dann doch etwas holterdiepolter und sprunghaft einem Finale entgegen, das allerdings noch ein kleines Hintertürchen für eine Fortsetzung offenlässt ...
    Wer die Werke des Autors bereits schätzt, wird auch an diesem gewiss seinen Spaß haben. Ulrich Karger
    (Markus Heitz: Rippers Daughters. Gesamtausgabe. Knaur Verlag, München 2026. 970 Seiten. 20,00 Euro. ISBN: 978-3-426-57063-0)
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    Als Finlay Ashowan im Reich von Daxaria seine Stelle als königlicher Koch antritt, beginnt er sogleich, Ordnung in die chaotische Schlossküche zu bringen, seine Angestellten vor ungehobelten Rittern zu beschützen und alsbald auch das Vertrauen der königlichen Familie zu gewinnen. Denn Finlay ist weit mehr als ein begnadeter Küchenmeister - er ist eine Haushexe (sic!) und kann mit alter, schützender Magie umgehen. Ein echter Gewinn also für den königlichen Hof, der bislang durch Intrigen geschwächt wird und somit auch Gefahr läuft, die Kriegsbedrohung des Reiches von Daxaria nicht angemessen beantworten zu können ...
    Unter dem Pseudonym Delemhach hat Emilie Nikota den ersten Band ihrer Reihe The House Witch nun auch in deutscher Übersetzung mit dem Untertitel Der Koch des Königs vorgelegt.
    Beworben wird der Band als "herzerwärmende Fantasy" samt aufregender Romantik, höfischen Ränkespielen, magischen Eskapaden und einer Prise Humor.
    Nun ja, die Autorin resp. die Übersetzerinnen verstehen es durchaus, in sich schlüssige Sätze zu formulieren, aber leider liefern diese Sätze bestenfalls Überschriften und lassen einen in der Summe weder an Romantik, noch an Ränkespielen oder magischen Eskapaden nachvollziehbar teilhaben. Entsprechend winzig ist auch nur die eingestreute Prise Humor.
    Denn all das wird hier auf eine salz- und spannungslose Weise entfaltet, die mit ihren so zahllosen wie unnötigen Redundanzen Herzkranke zwar gewiss nicht überfordern wird, aber in jedem Fall jeden literarischen Anspruch unterbietet.
    Und damit ist keineswegs etwas gegen leichte, unterhaltsame Kost gesagt! Denn gerade das Leichte ist ja oft am schwersten zu verfassen - als gelungenes Beispiel sei hier aus dem gleichen Verlag auf den 2024 übersetzten Fantasyroman Ich fürchte, ihr habt Drachen von Peter S. Bagle hingewiesen. Da wird all das, was hier versprochen wird, auch eingehalten.
    Aber wem das zu aufregend ist, mag gern auch sein Vergnügen in dem fortsetzungsreichen Werk von Emilie Nikota suchen und finden - ich jedoch bin daran gescheitert ... Ulrich Karger
    (Delemhach Emilie Nikota: The House Witch - Der Koch des Königs. Roman. Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova und Sabine Reinhardus. Hobbit Presse (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2026. 615 Seiten. 26,00 Euro. ISBN: 978-3-608-96671-8)
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    Kinder- & Jugendliteratur (Bilderbücher)

    Die Maus findet im Wald ein seltsames Ding. Das Opossum weiß gleich, was das ist, nämlich ein Schiff - und damit stechen die beiden dann gleich in See. Doch das Fröschlein meint, das ist ein Flugzeug, ganz klar - also fliegen sie alle zusammen über die Wolken bis zu einem Wolkenschloss. Doch dann kommt der Bär und sagt, das ist ein Haus, in dem sie es sich gemütlich machen können. Aber am nächsten Morgen sagt die Elster, das wird ihr Laden, in dem sie ihre Glitzerdinge verkaufen kann - doch die will dann keiner. Da kommt die Taube und sagt, das stimmt alles nicht, denn das ist ein Karton.
    Ein Kattonk? Ein Kattakatong? Ein Kadong?? Und zu was ist das gut? Nur um etwas zu verschicken und dann wegzuwerfen?
    Sabine Bohlmann hat sich für Was ist denn ein Kattonk? einen wunderbar inspirierenden Text ausgedacht, den Emilia Dziubak mit ebenso wunderbar farbigen Illustrationen samt liebenswürdigen Tierhelden ausgestattet hat.
    Denn die das seltsame Ding korrekt bezeichnende und erläuternde Taube hat auch gleich erkannt, wie traurig die anderen wegen ihrer Erkenntnisse sind. Da fällt ihr ein, dass man mit einem leeren Karton ja auch wunderbar spielen kann ... Ulrich Karger
    (Sabine Bohlmann: Was ist denn ein Kattonk? Bilderbuch. Illustrationen: Emilia Dziubak. Thienemann Verlag, Stuttgart 2026. 24 Seiten. 15,00 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-522-46284-6)
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    Man kann die Stirn runzeln und sich über geschmacklosen Kitsch aufregen, soviel man will - irgendwann muss man sich z.B. als (Groß-)Vater auch solchen Fragen stellen, wie sie Jenni Desmond in ihrem Bilderbuch Das geheime Leben der Einhörner aufwirft.
    Dabei geht Jenni Desmond als Autorin und Illustratorin von der Prämisse aus, dass Einhörner vor langer Zeit aus den Wäldern fliehen mussten, weil sich in ihnen ein unheimlicher, magischer Nebel ausgebreitet hatte, der alle Lebewesen in Unruhe versetzte und die Einhörner zur Flucht veranlasste. Denn den Einhörnern erschwerte der Nebel in Form einer dichten flachen Wolke das Sehen. Und so retteten sich die Einhörner auf die Wolken bis ganz nach oben in den Himmel hinauf und passten sich dort ihrem neuen Lebensraum an.
    Wer schon angesichts dieser hanebüchenen Schlussfolgerungen schluckt, sei gewarnt, es wird nicht besser ...
    Weißes Fell zur Tarnung, besondere Hufe, um auf den Wolken zu laufen, empfindliche Nüstern, den kommenden Regen zu erschnuppern, ein langer Schweif, um Wolken in verschiedene Formen zu bringen sowie ein magisches Horn, das je älter das Einhorn, desto länger wird. Aber wie den Illustrationen davor zu entnehmen, hatten die Einhörner offenbar schon immer ein weißes Fell und (nomen est omen) auch ein Horn. Und wie kamen die Einhörner noch vor der Anpassung ihrer Hufe auf die Wolken?
    Und wenn all das vorher schon für den Aufenthalt auf Wolken angepasst war, wieso lebten sie dann vorher in den Wäldern?
    Jedenfalls leben die Einhörner seither nicht etwa sinn- und zwecklos auf den Wolken, sondern sie springen z.B. auf Nimbostratus-Wolken (sic!), damit aus ihnen Regen oder Schnee fällt. Und wenn die Einhörner es mit ihrem Herumspringen zu bunt treiben, dann erscheinen Regenbögen und - Achtung! - ebenso bunte Regenblasenkugeln, die süß und saftig die Lieblingsspeise aller Einhörner sind und - nochmal Achtung! - Mähne und Zunge der Einhörner je nach Blasenfarbe verfärben. Womit schon mal frühere und künftige Merchandisingaktionen mit bunt-haarigen Plastikeinhörnern nachhaltig begründet seien ...
    Doch das Ärgerlichste an diesem Bilderbuch ist, das es mit seiner geradezu esoterisch wirkenden Ansprache suggeriert, man müsse nur richtig schauen und würde dann gewiss Einhörner sehen können. So auch bei Gewitter, das die Einhörner mit ihren Hufen auslösen, denen in den Illustrationen dann von bunten Blitzfunken angestrahlte Einhörner folgen.
    Bereits in der Einleitung heißt es denn auch: "Für alle, die wissen, dass Einhörner viel mehr sind als ausgedachte Geschichten und die wissen wollen, wo die Einhörner wohnen ..." usw. usf..
    Dass in dem für Kinder ab 4 Jahren gedachten Text, wie bereits angedeutet, völlig unnötig, weil irreführend wissenschaftliche Bezeichnungen für die diversen Wolkenformen eingeführt werden, lässt einen umso mehr den Kopf schütteln.
    Die Illustrationen immerhin werden handwerklich dem Sujet durchaus gerecht und dürften bei entsprechend "vorgebildetem" Publikum gewiss auf Gegenliebe stoßen. Ulrich Karger
    (Jenni Desmond (Bild u. Text): Das geheime Leben der Einhörner. Bilderbuch. Aus dem Englischen von Christiane Schwabbaur. Thienemann Verlag, Stuttgart 2026. 32 Seiten. 15,00 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-522-46270-9)
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    Nach Der Grüffelo (siehe Kurzhinweise von 2014 und 2025) und Das Grüffelokind stellen Julia Donaldson und Axel Scheffler nun auch Die Grüffelo-Oma vor.
    Sie will die beiden erstgenannten besuchen und von ihnen dann auch gut verpflegt werden.
    Doch der Fuchs will nicht zu Fuchsschwanzsuppe verarbeitet werden, sondern empfiehlt stattdessen Eulenpizza, Das lehnt die Eule ab und empfiehlt stattdessen Schlangentorte mit Erdbeersoße und die Schlange wiederum meint, dass Waldgemüse mit frischer Maus ganz köstlich sei. Und so landet die Maus im Käfig vom Grüffelo.
    Doch bevor die Maus im Kochtopf landet, fängt sie eine Geschichte an - will das Ende aber erst am nächsten Tag erzählen. Und ähnlich wie bei Scheherazade fängt die Maus nun jeden Tag eine neue Geschichte an, die sie erst am nächsten Tag beendet, um dann gleich wieder eine neue anzufangen.
    Dieser bewährte Kniff wie auch der erwartbare Twist am Ende dieses Bilderbuches sind wunderbar aufgebaut und in alt-bekannt liebenswerter Manier illustriert. Einzige Abstriche bilden im Vergleich zu den Vorgängerbänden arg holprige Reime bereits im ersten Vers und in einigen weiteren, die zumindest bei der ersten Lektüre den Vorlesefluss stören dürften. Für echte Fans des Grüffelo ist diese Mäkelei aber gewiss vernachlässigbar ... Ulrich Karger
    (Axel Scheffler (Bild), Julia Donaldson (Text): Die Grüffelo-Oma. Aus dem Englischen von Monika Osberghaus. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2026. 38 Seiten. 16,00 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-407-79069-9)
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    Bevor ein angekündigter Sturm losbricht, wollen zwei Geschwister zum Meer laufen, das etwas größere nimmt immerhin das kleinere an die Hand. Immer stärker bläst ihnen der Wind entgegen, Bäume schwanken, Äste schlagen gegeneinander und die Wellen immer heftiger an die Felsen. Die Gischt reicht bereits bis an die Gesichter der Kinder, die all das spüren, aber sich gegenseitig dennoch immer weiter ziehen. Selbst als eine Nachbarin, die mit ihrem Hund draußen ist, mahnt, dass die beiden nun wie sie schleunigst nach Hause eilen sollten ...
    Das Bilderbuch Mit dem Sturm um die Wette rennen mit dem aus dem Englischen übersetzten Text von Brian Floca besticht vor allem durch die Illustrationen des vielfach ausgezeichneten Sydney Smith - wie er hier die Veränderungen und Auswirkungen von Wind und Wetter in Szene setzt, ist einfach so genial wie atemberaubend.
    Atem raubend aus einem ganz anderen Grund ist allerdings der lapidare Ton des Erzählers, der erst ganz am Schluss eine, nicht zuletzt hinsichtlich des mutmaßlichen Alters seiner beiden Protagonisten, angemessene Wendung findet.
    Bis dahin aber würden sich gewiss die meisten Vorlesenden fragen, wieso sich diese beiden Kleinkinder überhaupt allein auf den Weg in ihr Abenteuer machen konnten und erst nach einem gewaltigen "Rumms" endlich im angemessenen Tempo auf den Weg nach Hause begeben. Das mantrahafte "Du ziehst mich, ich ziehe dich und gemeinsam ..." überzeugt schon bald weniger als poetische Kraft- und Mutmachformel, denn als kindlich euphemistisches Pfeifen im Dunkeln, das dann endlich von der auf sie zueilenden Mutter samt "Erleichterung, Umarmungen und Liebe! Geschimpft werden! Um Verzeihung bitten!" aufgelöst wird und durch weitere Seiten, in denen die Kinder dann gemeinsam mit der Mutter am besonnten Meeresstrand unterwegs sind.
    Als Anregung zur Nachahmung kann/sollte dieses Bilderbuch für die angedachte Zielgruppe ab 4 Jahren wohl nicht gedacht sein. Aber wozu dann?
    Ein ambivalentes Leseerlebnis, das eigentlich nur für erwachsene Vorlesende geeignet scheint, damit sie die Lust an Abenteuer und Mutproben von Kindern antizipieren und unter geeigneten Voraussetzungen bei Sturm dann gemeinsam mit den Kindern zumindest vor die Tür gehen ... Ulrich Karger
    (Brian Floca: Mit dem Sturm um die Wette rennen. Bilderbuch. Aus dem Englischen von Bernadette Ott. Illustrationen: Sydney Smith. Aladin Verlag, Stuttgart 2026. 48 Seiten. 18,00 Euro. Ab 4 Jahren. ISBN: 978-3-8489-0334-4)
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    Dackel und Maus gehen einkaufen, sie brauchen grüne und rote Äpfel. Schon bald entdecken sie einen Laden - aber da gibt es keine Äpfel, denn es ist eine Bäckerei. Aber die Maus hat sich versteckt und nun muss dem Dackel bei der Suche nach ihr geholfen werden ...
    Pe Grigo hat mit Tür auf für Dackel und Maus - beim Einkaufen eine nette Geschichte für Kinder ab 2 Jahren als Pappbilderbuch erzählt und mit Illustrationen ausgestattet, das auch bei jedem weiteren Laden, in den die beiden Helden hineingehen, zum Suchen helfen einlädt. So folgen auf die Bäckerei eine Buchhandlung, ein Spielzeugladen und zuletzt endlich ein Obst- und Gemüseladen, in dem eine Krake bedient.
    Die altersgerechte Erzählweise, mit der stets in kleinen Variationen das gleiche Muster bedient wird, findet sein Gegenüber in ansprechend einfach gehaltenen, bunten Illustrationen.
    Warum hier gerade ein Dackel und eine Maus nach Äpfeln Ausschau halten, entbehrt zwar jeder Logik, ist aber für die avisierte Zielgruppe wohl (noch) nicht weiter problematisch. Dafür können Kleinstkinder hier neben Dackel, Maus und Krake auch noch noch Löwin, Elefant und Pferd als Verkäufer:innen kennenlernen. Ulrich Karger
    (Pe Grigo: Tür auf für Dackel und Maus - beim Einkaufen. Mitmachbuch. Pappbilderbuch. Hanser Verlag, München 2026. 18 Seiten. 10,00 Euro. Ab 2 Jahren. ISBN: 978-3-446-28633-7)
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    Emy besucht ihre Mutter, die in einem Naturkundemuseum arbeitet und gerade die Aufbauarbeiten einer neuen Ausstellung mit Dinosauriern beaufsichtigt. Und Emy darf erst mithelfen und sich dann in aller Ruhe die ersten zusammengeschraubten Skelette ansehen. Besonders angetan hat es ihr das Triceratops-Duo aus Mutter und Kind. Und dann passiert etwas Außergewöhnliches: Emy stellt sich eine Frage, es explodieren Forscherfunken und plötzlich wird aus dem kleinen Skelett das Triceratops-Mädchen Trixi ...
    Birk Grüling entwickelt aus dieser Vorgabe in Der Dino, der aus dem Museum verschwand ein echtes Wissensabenteuer, zu dem Lena Hesse sehr anschauliche detaillierte Illustrationen geschaffen hat. Denn: "Wenn neugierige Kinder Fragen stellen, dann entsteht manchmal Magie und sie bekommen einen magischen Freund für all ihre Wissensfragen."
    Nun ja - dieses Bilderbuch lässt diese steile These jedenfalls während der Lektüre durchaus glaubhaft erscheinen. Vor allem, da magische Wissensfreunde für Erwachsene mit ihren vielen vorauseilenden Antworten unsichtbar sind.
    Schließlich nimmt Emy Trixi mit nach Hause, denn beide haben Hunger, zum Glück gibt es beim Abendbrot für die kleine Pflanzenfresserin auch Salat. Und dann haben sie nur noch einen Tag Zeit bis zur Ausstellungseröffnung, um noch einigen wissenswerten Fakten in kindgerechter Sprachregelung auf die Spur zu kommen.
    Für Dino-Fans zwischen 5 und 8 Jahren bestimmt ein Wunschbuch. Ulrich Karger
    (Birk Grüling: Der Dino, der aus dem Museum verschwand - Wissensabenteuer Dinosaurier. Bilderbuch. Illustrationen: Lena Hesse. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2026. 38 Seiten. 16,00 Euro. Ab 5 Jahren. ISBN: 978-3-407-79071-2)
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    Lola ist gerade erst mit ihrer Mama die Stadt gezogen. Einfach mal rauszugehen um ein anderes Kind von nebenan zu treffen, traut sie sich noch nicht. Da spielt sie lieber mit ihrem Kuscheltier, dem Bären, der zugleich ihr bester Freund ist. Doch als der Bär in der ersten Nacht in ein magisches Mondlicht getaucht wird, verwandelt er sich in einen riesengroßen, sehr lebendigen Bären, mit dem sie sogleich die neue Gegend erkunden kann ...
    In einer Mondnacht ist das erste Bilderbuch bzw. die erste Veröffentlichung überhaupt von Nina Hultsch (Jahrgang 1998) - und sie legt mit diesem Debüt gleich einen sehr gelungenen Einstand hin!
    Kein Wort zu viel, keines zu wenig erzählt der altersgemäße Text von einem Ausflug in die Nacht zu verschiedenen Tieren, bei dem Lola deren Behausungen kennenlernt und mit ihnen spielen kann - und all das eingebettet in wunderbar das Thema farbig widerspiegelnden Illustrationen.
    Kein Wunder, dass Lola, als sie am nächsten Morgen gut gelaunt erwacht, das wenig später im Nachbargarten sitzende Mädchen ganz einfach fragt: "Hey du! Wollen wir zusammen spielen?"
    Für Kinder ab 3 Jahren in ähnlichen Situationen als so schöner wie überzeugender Impulsgeber sehr zu empfehlen. Ulrich Karger
    (Nina Hultsch: In einer Mondnacht. Bilderbuch. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2026. 33 Seiten. 16,00 Euro. Ab 3 Jahre. ISBN: 978-3-407-79017-0)
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    Der Titel Alle Tiere müssen mal, vom Biber bis zum Buckelwal muss nicht weiter erläutert werden, da er bereits das Thema dieses Bilderbuchs für Kinder ab 4 Jahre mehr als deutlich macht.
    Kinderliteratur über die feststofflichen Körperausscheidungen, meist stellvertretend von (Fantasie-)Tieren, wird spätestens seit Furzipups, der Knatterdrache von immer mehr Verlagen angeboten - nun eben auch von Thienemann.
    Bemerkenswert hieran sind zuallererst die wirklich witzigen und durchgehend in sich schlüssigen, vierzeiligen Reime von Jan Kaiser, der neben den Ausscheidungen der im Titel genannten, auch die vieler weiterer Tiere, wie Alpakas, Robben, Otter und Nattern, Mäuse, Igel, Dinosaurier, Kolibris (in Superzeitlupe!), Faultiere, Wombats (in Würfelform!), Orkas, Aale und zuletzt den "Fliegenschiss" erläutert - samt der finalen Erkenntnis:
        "All das", spricht Professor Flo,
        "kommt bei Tieren aus dem Po."
        Und dann geht er selbst aufs Klo.

    Dazu noch die farbigen, nicht minder witzigen Illustrationen von Ina Hattenhauer, die mit ihrem liebevoll Comic-haften Strich alle diesbezüglichen tierischen Eigenarten stets auf den exakten Punkt bringt - so auch zu dieser kleinen Kostprobe:
        "Zum Beispiel hier: Alpakakacka!
        fliegt mit Schmackes übern Acker.
        Und schau, wie das Alpaka lacht,
        das Alpakakacka macht."

    Tja, wer würde da nicht schauen wollen ...? Ulrich Karger
    (Jan Kaiser: Alle Tiere müssen mal, vom Biber bis zum Buckelwal. Bilderbuch. Illustrationen: Ina Hattenhauer. Thienemann Verlag, Stuttgart 2026. 24 Seiten. 15,00 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-522-46046-0)
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    In den Dünen an der Küste gibt es Schafe und Möwen, die jeweils von der anderen Tierart keine gute Meinung haben.
    Doch als sich das kleine Schaf Wölkchen von der Herde verirrt hat, findet es Mio Möwe. Und dann sprechen beide miteinander und lernen sich kennen und schätzen. Schließlich finden sie gemeinsam auch den Weg zurück. Und am Ende sieht es so aus, als wären alle Schafe und Möwen dieses Küstenstreifens ein wenig näher zusammengerückt.
    Daniela Kulot hat mit Wölkchen ist weg mal wieder ein bezauberndes Bilderbuch geschaffen. Sie erzählt darin sehr treffend von Vorurteilen und deren Überwindung und liefert damit altersgerecht einen wichtigen Baustein für Ambiguitätstoleranz.
    Dazu noch ihre charmant anrührenden Illustrationen sollte dieses Bilderbuch in keinem Kinderzimmer fehlen und dürfte sich auch sehr gut als Vorleselektüre für den Kindergarten eignen. Ulrich Karger
    (Daniela Kulot: Wölkchen ist weg. Roman. Thienemann Verlag, Stuttgart 2026. 32 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-522-46286-0)
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    An dem Vogel Marcel und dem Regenwurm Steve soll der Unterschied von groß und klein erläutert werden. Und das klingt dann ähnlich wie eine "Reportage" in der Sesamstraße:
    "Hallo zusammen, ich begrüße euch zu diesem WAHNSINNIG SPANNENDEN Buch zum Thema GRÖSSE.
    Das ist der Vogel Marcel, er ist GROSS.
    Der Wurm Steve ist … Moment, WO IST STEVE?
    MARCEL?! Spuck ihn SOFORT wieder aus!"

    Unter dem völlig am Inhalt vorbeigehenden Titel Ich war's nicht! spult die Autorin Susannah Lloyd in der Übersetzung von Maren Illinger besagte Reportage ab, in der immer wieder Marcel ermahnt werden muss, den kleinen Steve nicht vollends aufzufressen - was er aber zu keinem Zeitpunkt von irgendjemandem je bestritten hat. Auch der englische Originaltiel zielt da mit Who ate Steve? am Inhalt vorbei, denn Marcel hat Steve zwar des Öfteren im Schnabel, aber frisst ihn bis zur letzten Seite nicht auf - im Gegenteil:
    Zuletzt wird nämlich Marcel von der Katze Felicitas gefressen, die sich auch nach einem "OH, SCHÄM DICH, FELICITAS" WIE KONNTEST DU NUR?" zufrieden wie Garfield nach dem Verzehr von Lasagne ihren Bauch streichelt.
    Wie vom Verlag vorgeschlagen für Kinder ab 3 Jahre, ist dieses Bilderbuch trotz (oder auch wegen) der tollen auf den sarkastischen Punkt gebrachten Illustrationen von Kate Hindley wohl eher nicht zu empfehlen.
    Für Erwachsene, die wie der Rezensent durchaus schwarzen Humor zu schätzen wissen und mit diesem Bilderbuch womöglich einem anderen Erwachsenen einen so "zarten" wie subtilen Fingerzeig geben wollen, könnte es hingegen eine passende Botschaft enthalten ... Ulrich Karger
    (Susannah Lloyd: Ich war's nicht! Bilderbuch. Aus dem Englischen von Maren Illinger. Illustrationen: Kate Hindley. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2026. 29 Seiten. 15,00 Euro. Ab ? Jahre. ISBN: 978-3-407-75253-6)
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    Das Igelmädchen Piri liebt es, zu schaukeln, blaue Hüte zu stricken und am allermeisten liebt sie es zu malen! In ihrer Behausung unter der gemütlichen alten Buche lebt sie mit ihrem Opa, der ihr all das und mehr ermöglicht - bis auf eins: Er hat Piri streng verboten, sich seinen knallroten Stift zu nehmen, weil er mit dem all seine Abenteuer aufschreiben möchte. Aber wie das so ist - erst malt Piri mit dem Stift nur ein winzig kleines Bild an die Wand. Doch schon folgt das nächste und übernächste - und schließlich verteilen sich ihre winzig kleinen Bilder über die ganze Wand ...
    Kai Oppermann hat mit Piri und das klitzekleine Geheimnis in Wort und Bild ein liebenswertes Bilderbuch geschaffen, das mit viel Witz das Einhalten von Grenzen der grenzenlosen Freude an der eigenen Kreativität gegenüberstellt. Die beiden in Comic-Manier gestalteten Igel-Helden sind niedlich und das Interieur der Igelhöhle so treffend wie detailliert vorgestellt. Und klar, dass am Ende der Opa, als vom roten Stift nach all der Malerei und deshalb nötigen Anspitzerei fast nichts mehr übrig ist, auch gar nicht schimpft, sondern sich mit Piri freut und zum Glück ja auch noch einen anderen Stift zum Schreiben seiner Geschichte hat ...
    Ein gelungenes Bilderbuch, das wirklich allen Freude macht! Ulrich Karger
    (Kai Oppermann: Piri und das klitzekleine Geheimnis. Bilderbuch. Esslinger Verlag, Stuttgart 2026. 40 Seiten. 16,00 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-480-24184-2)
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    Klingeling!, Schnurr!, Schlürf!, Schmatz! und Klack! - so beginnt der von Stefanie Beck ins Deutsche übersetzte Text von Fred Paronuzzi in dem Bilderbuch Psst, Krach, Bumm - Wie klingt ein Tag?, das Mariana Ruiz Johnson mit auf den Punkt gebrachten, farbenprächtigen Illustrationen im zweidimensionalen Comic-Stil ausgestattet hat.
    Auch wenn nicht immer die Geräusche selbst, sondern meist "nur" wie bei Mickey Maus die Entenhausener Lautierung von Geräuschen ins Deutsche übersetzt wurden, wird diese Bilderbuchkombination ganz gewiss zum Mitmachen und Selber-Geräusche-Nachmachen anregen, wie sie u.a. ab dem Aufstehen, am Frühstückstisch, im Badezimmer, im Kindergarten, im Schwimmbad oder auf der Straße neben einer Baustelle zu hören sind. (Bleibt nur noch die Frage, wie sich eigentlich die Geräusche im italienischen Original des Bilderbuches lesen bzw. anhören ...) Ulrich Karger
    (Fred Paronuzzi: Psst, Krach, Bumm - Wie klingt ein Tag?. Bilderbuch. Illustrationen: Mariana Ruiz Johnson. Aus dem Italienischen von Stefanie Beck. Hanser Verlag, München 2026. 28 Seiten. 16,00 Euro. Ab 3 Jahre. ISBN: 978-3-446-28313-8)
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    Am Abend, nachdem Sally und Nico den ganzen Nachmittag über zusammengespielt haben, ist es Zeit für Nico, nach Hause zu gehen.
    "Ihr könnt morgen weiterspielen", sagt Sallys Mama. Und: "Schön, dass du hier warst, Nico."
    Doch kaum ist Nico aus der Tür, klingelt es schon wieder. Nico hat etwas vergessen ...
    Klara Persson hat für das Bilderbuch Jetzt aber wirklich Tschüss! höchst einfühlsame und auf den Punkt gebrachte Worte gefunden, treffend übersetzt aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger, und die Illustrationen dazu sind von Charlotte Ramel.
    Und so grandios verrückt die Gründe für Nicos ständiges Vergessen bzw. wieder an Sallys Tür klingeln sind - sie bringen exakt die Gefühlslage auf den Punkt, wenn man zuvor so richtig viel Spaß hatte und das gern für immer und ewig verlängern will.
    Ein echtes Vorlesevergnügen. Ulrich Karger
    (Klara Persson: Jetzt aber wirklich Tschüss!. Bilderbuch. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger. Illustrationen: Charlotte Ramel. Hanser Verlag, München 2026. 32 Seiten. 16,00 Euro. Ab 3 Jahre. ISBN: 978-3-446-28575-0)
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    Die Sonne geht auf, der Himmel wird hell.
    Ein neuer Tag beginnt, und wir stehen auf.
    Woher du auch kommst und wohin du auch gehst, ...

    Jede zitierte Zeile erläutert eine der ersten drei Doppelseiten dieses besonderen Bilderbuches von Johanna Schaible.
    Denn Guten Morgen - Gute Nacht ist eine Art Doppelbilderbuch, d.h. man öffnet den Umschlag mit dem Titel "Guten Morgen" und begegnet auf 14 Doppelseiten möglichen Ereignissen eines hellen Tages, was auch jene Tage nicht auslässt, "die dunkler sind als die Nacht", ohne damit Kinder zu überfordern - und auf der letzten Seite klappt man das Buch zu, nur um nun eingeladen zu werden, die Umschlagseite von "Gute Nacht" aufzuklappen.
    Und hier begleitet Johanna Schaible uns nicht weniger treffend und gekonnt in Wort und Bild durch die Geheimnisse der Nacht, bis wir auf der letzten Seite wieder eingeladen werden, die Umschlagseite von "Guten Morgen" aufzuklappen ...
    Dem Verlag kann zu der genialen Ausstattung mit zwei Coverseiten wie auch nicht zuletzt zum Gewinn dieser Autorin und Illustratorin nur gratuliert werden.
    Die bereits mehrfach ausgezeichnete Schweizer Künstlerin kann wohl auch mit diesem Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren auf eine weitere Auszeichnung hoffen. Denn für Vorlesende bilden ihre meditativen Zeilen und ihre farblich wunderbar abgestimmten Bilder auch eine vortreffliche Gelegenheit, mit Kindern ins Gespräch zu kommen und sich über den Lauf der Tage und Nächte ganz allgemein oder/und im Besonderen auszutauschen.
    Und viele Kinder werden anschließend dieses Bilderbuch auch mal gern allein durchblättern, um die Abenteuer von Tag und Nacht wieder zu entdecken oder auch nur, um erneut dem Geheimnis der zwei Coverblätter auf die Spur zu kommen ... Ulrich Karger
    (Johanna Schaible: Guten Morgen - Gute Nacht. Doppelbilderbuch. Hanser Verlag, München 2026. 2 x 28 = 56 Seiten. 22,00 Euro. Ab 4 Jahren. ISBN: 978-3-446-28743-3)
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    Mein Lupen-Wimmelbuch - Wald und Wiese zeigt als großformatiges Pappbilderbuch auf sechs Doppelseiten unterschiedliche Lebensbereiche von Tieren im Wald und auf der Wiese.
    Auf der ersten Doppelseite werden Maulwürfe, Igel, Waldmaus und Regenwurm unter der Erde veranschaulicht, und darüber u.a. Rehe, Kaninchen und Eichhörnchen.
    Auf der zweiten Doppelseite geht es um Tiere neben, auf und unter einem See, auf der dritten insbesondere um Schmetterlinge und Bienen, auf der vierten um Tiere, die nachts wach sind, auf der fünften um allerlei Krabbeltiere und schließlich auf der sechsten Doppelseite um Tiere und deren Spuren im Schnee.
    Den titelgebenden Clou an dem Buch bilden auf drei Seiten jeweils eine auch von Kleinkindern gut zu handhabende "Lupe", die mit viel Bewegungsfreiheit einmal das Innere eines Kobels von Eichhörnchen, dann das Innere einer Bienenwabe und zuletzt das Innere eines Ameisenhügels sichtbar werden lässt.
    Während man sich bald fragt, warum es mit Sibylle Schumann und Sophie Mertes gleich zwei Textautorinnen für die drei kleinen, erläuternden Texte und die einfachen Bildhinweise zu Tieren und Pflanzen bedurfte, sind die nahezu fotorealistisch farbenprächtigen Illustrationen von Annalisa und Marina Durante wirklich bemerkenswert, da allesamt ausgezeichnet ausgeführt. An ihnen werden sich nicht nur 3-jährige, sondern auch etwas ältere Kinder noch lange nicht satt sehen. Ulrich Karger
    (Sibylle Schumann & Sophie Mertes: Mein Lupen-Wimmelbuch - Wald und Wiese. Pappbilderbuch. Illustrationen: Annalisa & Marina Durante. Esslinger Verlag, Stuttgart 2026. 12 Seiten. 16,00 Euro. Ab 3 Jahre. ISBN: 978-3-480-24114-9)
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    Basse hat weißes Fell, eine große Nase und nach oben abstehende Ohren - und er darf als Kuschelfreund als einziger jede Nacht bei Tove im Bett schlafen, denn sie haben sich gegenseitig am liebsten. Und am Samstag gehen sie normalerweise in die Eisdiele, aber heute nicht. Denn Tove hat Besuch von ihrer Cousine, und die will mit ihr ins Schwimmbad. Erstmal ist Basse froh, trotz der Einwände der Cousine von Tove mitgenommen zu werden - doch dann findet er es im Schwimmbad nur noch gefährlich und hat Angst ...
    In Teddy geht schwimmen erzählt die schwedische Autorin Johanna Thydell anhand eines Kuscheltiers als Identifikationsfigur, dass man im Vertrauen auf seine Freunde neue und auch gefährliche Situationen nicht nur gut überstehen, sondern dabei auch über sich selbst hinauswachsen kann. Allerdings gilt das hier nur für ein Kuscheltier, das zudem mit seinen Fähigkeiten, im Wasser Pupse-Luftblasen erzeugen und scheinbar in echt Eis essen zu können, nicht ganz konsequent in seiner Rolle durchgehalten wird.
    So oder so kämen jedenfalls die Abenteuer Basses als Vorbild für Kinder schnell an ihre Grenzen und könnten zu Ende gedacht von Eltern bestenfalls als haarsträubend bewertet werden.
    Trotz der äußerst stimmigen und gut ausgeführten Illustrationen von Sara Gimbergsson kann man hier auch keine drei gerade sein lassen und das Ganze einfach als lustige Bilderbuchgeschichte anerkennen. Dazu ist das Thema einfach zu wichtig und Basse als Identifikationsfigur zu sehr daneben. Ulrich Karger
    (Johanna Thydell: Teddy geht schwimmen. Bilderbuch. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger. Illustrationen: Sara Gimbergsson. Thienemann Verlag, Stuttgart 2026. 27 Seiten. 15,00 Euro. Ab 3 Jahre. ISBN: 978-3-522-46262-4
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    Sachbuch

    Der nunmehr bereits 22. Band aus der Reihe Illustrierte Lieblingsbücher von Kat Menschik mit dem Titel Mehr Essen essen ist ein Buch für nahezu alle Sinne und auf jeden Fall wunderbar zum Anregen der Phantasie kulinarischer Genüsse geeignet.
    Kat Menschik stellt darin Rezepte vor, insbesondere von vielen Suppen und Kuchen, denn sie liebt Rundes, wie auch ihre zuweilen eingerollt irgendwo herumliegenden vier Katzen. Dazu gibt es noch das Rezept für ein einziges Fleischgericht und ein paar Rezepte für Fischgerichte.
    Als Höhepunkt wird ein vegetarisches Festessen angerichtet und zwischendurch ein paar Albernheiten. "Die müssen sein, damit wir nicht vergessen, wie schön das Leben ist."
    Aber auch nachdenklich machende Anmerkungen, ohne dabei verbissen nicht auch mal einen Widerspruch hinzunehmen wie in: "Wir lieben Avocados!!! Dennoch esse ich sie wegen des gigantischen Ressourcenverbrauchs bei ihrer Herstellung fast gar nicht mehr. Gestern kaufte ich nach, ungelogen, zwei Jahren wieder mal eine. Sie rundet folgendes sehr feines Sommerrezept aufs Schönste ab."
    Die mit mir lebende Kochexpertin hat die Rezepte überprüft und allesamt als machbar, in sich schlüssig und nicht zuletzt als sehr anregend bewertet. Dem schließe ich mich als reiner Essexperte vertrauensvoll an. Womöglich sogar auch von einem wie mir nachvollziehbar scheint mir zudem das einfache Studentinnenrezept ihrer Mutter zu sein, das zu einem kleinen Rotkrautsalat "Spiegelei in Stulle" kredenzt. Dafür wird in die jeweils gewünschte Anzahl an Stullen resp. Brotscheiben ein Loch geschnitten, in das nach deren beidseitigem Anbraten je ein Ein geschlagen und es dann bis zum Spiegelei gar gebraten wird ...
    Aber das als Hardcover gebundene Buch bzw. in diesem Fall ansehnliche Büchlein von Kat Menschik lebt ja nicht zuletzt auch von ihrer Ausgestaltung - und das meint diesmal vom Umschlag und den so äußerst farbenprächtigen wie ansprechenden Illustrationen samt fröhlich eigenwilligem Lettering ihrer Texte diesmal alles, bis auf jene wenigen Rezepte, die ihr namentlich genannte Freund:innen anvertraut haben.
    Somit allemal empfehlenswert für alle Liebhaber:innen der Küche ist dieses Buch sogar mit zwei Lesezeichen zum leichteren Auffinden demnächst geplanter Gerichte ausgestattet sowie zu Anfang auf dem 2. Vorsatzblatt mit einem "für: ...", was Platz für den Namen einer/s damit zu Beschenkenden lässt. Ulrich Karger
    (Kat Menschik: Mehr Essen essen. Verlag Galiani Berlin, Köln 2026. 112 Seiten. 23,00 Euro. ISBN: 978-3-86971-339-7)
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