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Brian W. Aldiss:

Helliconia: Frühling - Sommer - Winter

SF-Romane. Bände 50, 51, 52, Heyne Verlag, München 1985, ISBN 3-453-03928-9, >>> Amazon

"Was wäre, wenn..."
Der Heyne Verlag gibt der Literaturgattung, die dieser Fragestellung nachgeht, schon seit 5 Jahren ein gediegenes Gewand. Die 'BIBLIOTHEK DER SCIENCE FICTION LITERATUR' versammelt in sich einen repräsentativen Querschnitt, und mag manchen, der diesem Genre bis dahin skeptisch und spöttisch gegenüberstand, zu einem glühenden Liebhaber utopischer Romane werden lassen. Die Bände 50 bis 52 sind Brian W. Aldiss gewidmet.
Die Trilogie um Helliconia entfaltet auf knapp 2000 Seiten die Saga eines Planeten, der 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Der irdische Mensch ist darin zum Voyeur degradiert. Die Visophone auf der Erde übermitteln Bilder, deren aufgezeichnete Ereignisse für Helliconia längst in der grauen Vergangenheit liegen.
Aber auch die Menschen in dem Forschungssatelliten 'Avernus' können diesen Planeten nicht betreten, obwohl Gravitation und Atmosphäre nahezu erdähnliche Bedingungen aufweisen. Die Entwicklungsgeschichte der Bewohner darf nicht verfremdet werden und ein bestimmter Virus bedeutet den unvermeidlichen Tod.
Die Handlung, das Leben dieses Romans findet auf Helliconia statt, das einem 2596 Jahre währendem Zyklus ausgesetzt ist. Dieser Zyklus, durch ein Doppelgestirn bedingt, ist von Brian W.Aldiss, mit Unterstützung wissenschaftlicher Berater, bis ins Detail sorgfältig und plausibel erdacht worden.
Zwei solcher Zyklen (=2 'große Jahre') muß die Avernus auf Station bleiben, um ihre Forschungen abzuschließen.
16 Jahrhunderte herrscht ein wechselhaftes Klima, in dessen Kernzeit (ca. 500 Jahre lang) eine Eiszeit fast alles Leben zum Erliegen bringt. Dies ist die Zeit der Phagoren, die zwar aufrecht gehen und eine eigene Sprache sprechen, aber ansonsten nur wenig mit den helliconischen Menschen gemein haben. Ihr Äußeres, stiergesichtig wie weiland Minotauros, ihr gelbes Blut, das gerade die Kälte gut verträgt, und ihr gänzlich anderes Zeitverständnis machen sie den Menschen unheimlich. Die leben in Höhlen ihr beschränktes Dasein. Kälte und Phagoren werden gefürchtet und zugleich wie Gottheiten verehrt. Letzteren dienen sie als Sklaven oder als Nahrung. Der Frühling naht, Fauna und Flora blühen zu vielfältigem Leben auf und die Menschen kriechen aus ihren Löchern. Das Rad dreht sich und mit den steigenden Temperaturen gewinnen auch die Menschen an Selbstsicherheit und .. Überheblichkeit.
Jeder Band dieser Trilogie ist mit Charaktären ausgestattet, die beim Leser Anteilnahme, gar Parteilichkeit herausfordern. Aber wir können, wie von der Avernus aus, nur zuschauen; dies allerdings bis in die Schlafzimmer der Protagonisten hinein. Jedes Kapitel ist dicht geschrieben, ohne eine einzige Länge aufzuweisen, und fügt sich nahtlos den nachfolgenden an. Brian W. Aldiss hat vor uns eine Bühne aufgebaut, auf der das Leben selbst spielt. Dieses Spiel mag von manchen Lebewesen kommentiert, aber nie wirklich beeinflußt werden.
Höchste Anerkennungen in Form von Literaturpreisen aus den USA, Großbritannien und der BRD geben diesem spannenden und fesselnden Werk das wohlverdiente Gütesiegel.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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