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Stefan Aust

Mauss - Ein deutscher Agent

Hoffman & Campe Verlag, Hamburg 1988, ISBN: 3-455-08641-1, >>> Amazon

MAUSS-EIN DEUTSCHER AGENT ist Teil Bundesrepublikanischer Wirklichkeit. Dieser Mauss hat offenbar seinen Zwei-Personen-Betrieb von einer kleinen Privatdetektei innerhalb kurzer Zeit zu einer Art Superagentur für Verbrechensbekämpfung und als Libero bei der Terroristenfahndung hochstilisieren können. Auftraggeber waren die Chefetagen aus (Versicherungs-)Wirtschaft und Politik bzw. Beamtenschaft, die ihm einen Freiraum für seine Ermittlungen zustanden, der stark an amerikanische Krimi-soap-operas erinnert und nur noch wenig mit unserem vielgepriesenem Rechtsstaat zu tun hat.
Neben dem Verlassen des Legalitätsprinzips wurden Hrn. Mauss zudem horrende Summen aus Versicherungsbeiträgen und Steuergeldern zugestanden und z.T. die unkontrollierte Unterstützung des gesamten Bundesdeutschen Polizeiapparates inklusive Nachrichtendienst gewährt. Da dieser Teil mit seinen Negativ-Schlagzeilen noch nicht mal unserem streitbaren Fernsehjournalismus entzogen werden konnte, hatte man von einem Buch des STAMMHEIM-Drehbuchautoren Stefan Aust doch einiges an die Problematik vertiefende Hintergrundinformationen erwartet.
Weit gefehlt! Dreihundertzweiundneunzig Seiten lang behandelt Aust diesen sicher extremen einzelnen Fall doch nur wie einen Einzelfall. Und dieser Einzelfall legt dann halt die armen, im Intrigenspiel vertrottelten Politiker und Beamten herein. Erst auf Seite 382 findet der Autor zu dem erkenntnisschwangeren Satz: "Es drängt sich der Verdacht auf, daß Behörden ihn auch deshalb so tatkräftig unterstützt haben, weil sie, selbst an Recht und Gesetz gebunden, einen Mann für 'dirty tricks' brauchten."
Dieses 'Resumee' ist nach Bekanntwerden der Barschel-Pfeiffer-Affäre wohl kaum noch zu unterbieten...
Anstatt dieses Resumee zur Fragestellung zu erheben, zerlegt Aust diese systemimanente Ungeheuerlichkeit in eine chronolgisch nachgezeichnete Liste von Sensationen, die sich letztlich alle an der 'Institution M.' festmachen.
"Quellen und Informanten müssen anonym bleiben", können vom Leser in ihrer Glaubwürdigkeit nicht gedeutet werden, werden aber, um dem Ganzen etwas Pep zu geben, von Aust derart ein- und umgesetzt, als wäre er als direkter Zeuge dabei gewesen.
Fazit: Diese Materialsammlung könnte der Baustein für einen spannenden Roman oder eine aufklärende Dokumentation sein, wenn Herr Aust sich weniger am Trend des easy-money-making orientierte und dafür auch die Hintergründe des Hintergrunds von Mauss nachläse, z.B. in Giordanos DIE ZWEITE SCHULD die Kapitel über den Einsatz der Gestapo, die idealistischen Folgerungen daraus für die Erarbeitung des Grundgesetzes im Nachkriegsdeutschland sowie deren Aushöhlung in diesem, unserem Lande...

Buechernachlese © Ulrich Karger


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