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Reinhard Barth

Das Haus

Roman. Metta Kinau Verlag, Hamburg 1988, 240 S., ISBN: 3-920641-69-8, >>> Amazon

Nach Kalla Wefels Taxiroman hat der Metta Kinau Verlag neben seinen Märchen- und Kinderbüchern nun seinen zweiten Roman ins Programm aufgenommen. Wie der erste spielt auch dieser in Hamburg, und der Handlungsrahmen spannt sich von den Endsechzigern bis in die Gegenwart. Knotenpunkt aller Ereignisse ist aber diesmal ein Haus: Das Eckhaus Haynstraße 1-3/ Hegestraße 41. Für die Hamburger APO- und Hausbesetzerszene ist diese Addresse genauso gut wie für die Berliner eine in Kreuzbergs S036. Der Untertitel "Tagebuchblätter.." und der Vermerk "Sämtliche Namen sind geändert..." weisen schon darauf hin, daß der Autor keine fiktive story aufgebaut, sondern Erinnerungsarbeit geleistet hat. Die alten (Vor-)MieterInnen des Hauses gingen eigentlich davon aus, daß es Ende '70 abgerissen werden sollte. Unter diesen Voraussetzungen durften auch er und seine drei ersten Mitbewohner den Mietvertrag unterschreiben. Eine offiziell legitimierte WG also, die sich der (damalige) Vermieter da in den Bau gesetzt hat...
Reinhard Barth, Jahrgang '43, lebt seit nunmehr 18 Jahren in diesem Haus und weiß 'ne Menge zu erzählen. Seine eigene Geschichte verwebt sich dabei mit denen der Wohngemeinschaften, die ein Sammelsurium politisierter Individuen aushielten, um gegen die wechselnden Hausbesitzer zu streiten. Die Aktionsformen pendelten dabei zwischen Witz, Aberwitz und Selbstzerfleischung...
Aber R.B. findet noch mehr an dem Haus. Mit den Alten 'freundet' er sich an, weil sie für ihn nach damaliger Rechtslage Rückendeckung boten - solange sie im Haus blieben. Dafür nahm er es dann auch auf sich, bei seinen Altersgenossen für mehr Rücksicht gegenüber jenen einzutreten... Später jedoch nimmt er die Geschichten der Alten, die sich z.T. noch vor dem Kriege in der Haynstraße abspielten, als originäre Bestandteile seines Hauses wahr. Als Historiker und Hörspielautor beim Rundfunk hatte R.B. außerdem Zugang zu anderen Informationsquellen, sodaß man als LeserIn am Ende selber glaubt, das Haus in-und auswendig zu kennen ..und zu mögen. Der gesunde Sinn für Situationskomik und die aufrichtige Anteilnahme des Autoren kommen von der ersten bis zur letzten Seite rüber. Nach dem Schlußsatz: "Gutes, dickes, braves Haus, wenn wir dich nicht hätten!" werden sich vielleicht noch mehr in ihren eigenen vier Wänden umschauen...

Buechernachlese © Ulrich Karger


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