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Rolf Beyer

König Salomo

Vom Brudermörder zum Friedensfürsten. Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, 344 S., ISBN: 3-7857-0669-3, >>> Amazon

König Salomo: Nur wenige biblische Gestalten sind derart zum sprichwörtlichen Allgemeingut geworden, wie er. Bis heute werden seine Weisheit, sein Reichtum und seine Bautätigkeit gerühmt. Manch einer weiß auch, daß ihm die schönsten (Liebes-)Gedichte in der Bibel zugeschrieben werden und außergewöhnlich viele Frauen sein Lager geteilt haben.
Aber Salomo war auch der Sohn eines mörderischen Vaters und einer ehebrecherischen Mutter, der seinen Bruder und dessen Gefolgsleute ermorden ließ, um sich die königliche Macht über Israel zu sichern. Wegen dieser oder ähnlicher Bluttaten haben andere Könige vor und nach ihm göttliche Strafen erfahren müssen - nicht so Salomo!
Merkwürdig diffus und inkonsequent scheint das biblische Zeugnis über ihn auszufallen. Wurde hier geglättet und das Leben des letzten Herrschers über Groß-Israel schöngeredet?
In KÖNIG SALOMO - VOM BRUDERMÖRDER ZUM FRIEDENSFÜRSTEN gibt Rolf Beyer eine Antwort darauf, die von bestechender Kompetenz und Plausibilität ist und sich zudem in gut verständlichen Sätzen nachlesen läßt. Daß es sich dabei nicht "nur" um ein popularwissenschaftliches Gemenge aus spektakulären Behauptungen handelt, belegen nicht zuletzt die feinsäuberlich aufgelisteten 396 Buchtitel, aus denen Beyer seine Quellenhinweise zog. Das reicht von alttestamentlichen Exegeten wie Noth und v.Rad über Bücher zu ägyptischen Sagenkreisen bishin zu den Dokumentationen archeologischer Forschungsergebnisse. Wenn Beyer nun den biblischen Redaktoren im babylonischen Exil nicht nur keine Schönfärberei unterstellt, sondern das krasse Gegenteil und selbst den Brudermord zu einer, zumindest im Kontext jener Zeiten und Sitten, verständlichen Handlungsweise Salomos erklären kann, dann nur, weil er seine Thesen auf einem derart weiten Feld abgeklopft hat. Angesichts der gut 3000 Jahre, die es historisch zu überblicken galt, geriet natürlich auch er hier und dort in Beweisnot. Aber die legt er offen, um dann allerdings beharrlich weiterzufragen, bis sich ihm ein neuer Zugang zu einer Antwort eröffnet.
Salomo ist danach seiner Zeit weit voraus, ein wahrhaftiger Friedensfürst, der wußte, daß jeder Krieg verloren wird. Er begriff Frieden eben nicht nur als "Abwesenheit des Krieges", sondern als schöpferisches Lebensprinzip und entwickelte sich so zu einem herausragenden Kulturstifter. Seine Toleranz machte denn auch nicht vor den Religionen halt, sondern er suchte den Austausch und die spirituelle Ergänzung - eine bis dato kaum beachtete Tatsache, was wiederum durchaus in der Absicht jener obenerwähnten Redaktoren gewesen sein mag.
Rolf Beyers Buch kommt keinesfalls zu früh. Es paßt genau in unsere Zeit, in der die Bibel von unentschlossenen Kirchenleitungen zum staubtrockenen Schriftwerk abgewertet wird und unseren angeblich christlichen Politikern offenkundig die Phantasie zum Frieden abhanden gekommen ist.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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