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Büchernachlese-Extra: Mythen, Sagen und Märchen

Birgit Brandau, Hartmut Schickert, Peter Jablonka

Troia - wie es wirklich aussah

Piper Verlag, München 2004. 176 Seiten. 19,90 Euro. ISBN: 3-492-04610-X, >>> Amazon

Gegen jede Rationalität ließ sich Heinrich Schliemann von Homers Ilias leiten, um dank ihr dann tatsächlich Troja zu entdecken - wenn auch nicht das durch die List des Odysseus bezwungene Troja der Ilias, denn das bleibt nach wie vor "nur" ein wunderbares Gebilde der Weltliteratur. Aber aus den mittlerweile getroffenen Zuordnungen der bis zum heutigen Tage andauernden und im wahrsten Sinne des Wortes sehr vielschichtigen Ausgrabungen ist nun immerhin auch jenes Troja abzuleiten, dass Homer als Vorbild seiner Ortsbeschreibungen gedient haben könnte. In "Troia - wie es wirklich aussah" wird es in Bildern von den realen Ruinenfragmenten sowie mit computergenerierten Rekonstruktionen Schicht um Schicht herausgearbeitet. Die Autoren Birgit Brandau, Hartmut Schickert und Peter Jablonka legen in ihrer Einleitung ohne Umschweife offen, dass hierfür auf der Grundlage aller noch so kleinen Spuren der bis dato eingeordneten Überreste nicht zuletzt die Phantasie eine große Rolle spielt. Der zuletzt im Jahre 2001 aufgeflammte Gelehrtenstreit drehte sich demnach von vorneherein um "reine Spekulationen" oder eben plausible, sehr wahrscheinliche Modelle - aber zu keiner Zeit um letzte Gewissheiten. Während Peter Jablonka als Archäologe in Troja vor Ort war und die Projektgruppe "Virtuelle Archäologie" leitete, deren Virtual-Reality-Präsentationssystem bei der Ausstellung "Troia - Traum und Wirklichkeit" in Bonn zum Einsatz kam (siehe dazu im Internet auch www.troia.de), haben Birgit Brandau und Hartmut Schickert die Auseinandersetzungen um die Trojaausgrabungen über 10 Jahre lang als durchaus kritische Publizisten begleitet.
Ihr Buch, das "Troia" in antiker Schreibweise mit einem 'i' im Titel führt, lädt nun zu einer Zeitreise durch das Neben-, Unter- und Übereinander der diversen Schichten Trojas ein, beginnend mit Troja I (3000 - 2600 v.u.Z.) bis hin zu Troja X (1100 - 1306 u.Z.).
Kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch Erdbeben und Völkerwanderungen wie der "Seevölkersturm" haben ihre Spuren hinterlassen. Und wie sich an wunderbaren Fundstücken nachweisen lässt, erlebte Troja auch eine lange Epoche beeindruckender "Hochkultur". Homer hat dann offenbar einen aus all dieser "Vorgeschichte" verdichteten Mythos in das längst nicht mehr so prosperierende "antike" Troja seiner Tage versetzt.
Die erläuternden Texte sind allesamt sehr eingängig und legen jedwede Unwägbarkeit offen. Und im Anhang fehlen natürlich weder ein Register noch die Quellenauflistung genutzter Literaturen. Bei der Lektüre empfiehlt es sich, den in Klammern gesetzten Verweisen zu den Abbildungen sogleich zu folgen, um nach deren kommentierten Ansichten wieder zum Text zurückzukehren. So erweitert sich nach und nach das Verständnis für die Entwicklung dieser bis ins letzte Jahrhundert umkämpften, weil strategisch so günstig gelegenen Region. Die einzige Mäkelei gilt dem preisgünstig kalkulierten Format, das den Bildern der Ruinen und ihren Computerrekonstruktionen nur ein gerade noch annehmbares Minimum an wirkungsvoller Entfaltung lässt. Das ist bedauerlich, muss aber keinen, insbesondere keinen Liebhaber homerischer Mythen vom Erwerb dieses nichtsdestotrotz sehr anschaulichen Buches abhalten.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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