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Horst Brandstätter

Mayer

Theaterstück. edition drumlin, Weingarten 1987, 92 S., ISBN: 3-924027-53-6, >>> Amazon

Robert Mayer lebte als tragische Figur in der Mitte des 19.Jhdts. Seine Erkenntnisse über die Erhaltung der Kraft wurden in den professoralen Kreisen des Biedermeier-Deutschland nicht als wissenschaftlich relevant gewertet, weil Mayer 'nur' ein Doktor der Medizin war. Ignoranz und Intrigantentum lassen ihn schließlich im Irrenhaus enden. Kein außergewöhnliches Schicksal, weder damals noch heute.
Für Horst Brandstätter erfüllen diese von ihm recherchierten Ereignisse den Tatbestand einer 'tatsächlichen Komödie'. Aber dennoch soll dieses Stück nicht als Dokumentartheater, sondern tatsächlich auch als Komödie verstanden werden.
Sicher liegt für Außenstehende oder Überwinder solcher Erfahrungen, wie die des ehrgeizigen Mayer, gerade im Erkennen der ihnen stets auch innewohnenden Situationskomik eine Möglichkeit zur Überlegenheit, aber Komödie heißt nicht nur komische Situationen gleich Anekdoten aneinanderzureihen, sondern eben deren dramatische Ausgestaltung und vor allem ihre Umsetzung in Dramatik. Dann könnte das Publikum Teil der auf der Bühne agierenden Personen werden und nach dem letzten Vorhang auch über sich selbst ein wenig schmunzeln. So aber verliert z.B. auch die an sich gut eingebaute Schlußpointe, nämlich das Setzen eines Denkmals zu Ehren Mayers nach dessem Tod, an Schärfe, wenn sie von dem ehemaligen Irrenwärter Hagenbucher in wirkungslos, belehrender 'Bissigkeit' kommentiert wird.
In seiner Nachbemerkung gibt der Autor auf 3 Seiten historische Hinweise zu den handelnden Personen, behauptet aber auch, sie seien zum Verstehen dieser Komödie nicht nötig, und außerdem sei es ihm völlig gleichgültig, wie bedeutend Robert Mayer war oder ist. Weder Fisch noch Fleisch fehlte ihm aber tatsächlich der Mut zur Zuspitzung und die Überlegenheit sich diese Geschichte in seiner Gesamtheit zueigen zu machen, und von daher neu zu schreiben. Manch derber Schwank einer Bauernbühne transportiert leichtfüßiger und offenbart mehr von der hohlen Titelsucht wissenschaftlicher Kleingeister als dieses altdeutsche Bildungstheater. Drängt sich der Verdacht auf, daß der wissenschaftliche Exitus dieses letztlich doch als historisch vorgeführten Mayer nur deshalb in dramaturgische Szenen gepreßt wurde, um einen im Zwiegespräch zweimal 'Mensch, Mayer' aufsagen lassen zu können.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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