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H. Bründel + K. Hurrelmann

Gewalt macht Schule

Wie gehen wir mit aggressiven Kindern um? Droemer Knaur Verlag, München 1994, 316 S., ISBN: 3-426-26812-4, >>> Amazon

Was hilft gegen flächendeckende Graffiti-Signale und die im Vergleich zur USA (noch) punktuellen Gewaltanschläge Jugendlicher? Sich aufregen? Vereine gründen? Die Polizei? Vor 5, 10 oder gar 15 Jahren wäre die Perspektiven entwickelnde Förderung unserer Kinder und Jugendlichen sicher leichter und billiger zu haben gewesen - aber noch scheint sie immerhin möglich, wie die Psychologin und Gesprächstherapeutin Heidrun Bründel und der Sozial- und Erziehungswissenschaftler Klaus Hurrelmann in ihrem Buch GEWALT MACHT SCHULE darlegen. Ihre wichtigste Erkenntnis:
Schuldzuschreibungen an die "anderen" nützen gar nichts - wir alle tragen einen Teil zur Enttäuschung unserer Kinder bei. Dazu muß man allerdings auch akzeptieren, daß Kinder nicht "an sich" aggressiv oder "böse" sind, sondern daß ihre immer hemmungsloser ausgelebte Gewaltbereitschaft die sie derzeit umgebende Gesellschaft spiegelt. Früher war tatsächlich alles anders:
Vor 20 Jahren gab es z.B. in der alten BRD noch reichlich Auswahl an Lehrstellen und Arbeitsplätzen, dagegen sind in den letzten 10 Jahren 33% mehr zu den Sozialhilfeempfängern "abgestiegen". Heute wird ein Drittel der Gesellschaft von den zwei anderen ausgegrenzt: Selbst schuld, wer keine Arbeit hat oder heutzutage mehr als ein Kind in die Welt setzt! Weil "Stärke" und "Erfolg" aber so wichtig sind, trifft der Eiseshauch dieser Hackordnung "natürlich" auch die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft: Unsere Kinder, die dafür nun den unverantwortlich herbeigeredeten Sündenböcken wie Ausländern und Asylanten nachstellen. Mit dem Schicksal und dem Vorbild ihrer Eltern geschlagen, werfen sie ganz "folgerichtig" unter dem Beifall angeblich Erwachsener Brandsätze gegen angeblich an ihrer Lage Schuldige. Diesem Wirrwarr entgegen zu wirken, könnte das Verdienst dieses Buches sein, ... wenn es gutwillige LeserInnen fände. Auch solche, die schon resigniert meinen, sich keinen Ausweg mehr vorstellen zu können und natürlich auch diejenigen, die bislang blind an der Generation künftiger Rentenzahler vorbeigestolpert sind. Die würden dann auch etwas von "interaktiven" Beziehungsgeflechten erfahren, die man durchaus einzeln analysieren kann, um sie dann im Einzelnen wie in ihrer Gesamtheit anzugehen. Wahllos herausgepickt z.B. ein Lösungsversuch für Kinder, die auf dem Pausenhof "immer" andere verhauen. Als die Grundschullehrerin eines solchen Kindes die Mitschüler bat, ihr doch einmal zu berichten, wenn der "Schläger" etwas Nettes getan hat, führte dies fast augenblicklich zu einer neuen Sicht - des Kindes, der Klasse und der Lehrerin ...
Vieles, was die AutorInnen zusammengetragen haben, ist gar nicht neu, aber es trägt in leicht faßlicher Sprache die meisten zutage tretenden Gewaltformen an und von Kindern in deren unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungsbereichen zusammen. Ein Übersicht verschaffendes Kompendium also, das zudem auf andere Bücher, Therapien etc. verweisen kann und s.o. auch viele eigene, leicht umsetzbare Lösungsmodelle skizziert. Zu den etwas Schwierigeren gehört dabei u.a. das Recht auf doppelte Staatsbürgerschaft. Die beiden AutorInnen benennen damit en passent das bisherige Versagen der Politik. Für sie heißt das ganz "natürlich", demnächst entsprechend zu wählen und das einem selbst Mögliche nicht zu unterlassen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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