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Büchernachlese-Extra: Harald Budde

Harald Budde

Mirabelle

Roman. Weidler Verlag, Berlin 1997, 98 S., ISBN: 3-925191-97-6, >>> Amazon

Daß die Arbeiten des gebürtigen Berliners Harald Budde, Jg. 1934, noch immer lediglich als "Geheimtips" gehandelt werden, ist kaum verzeihlich. Denn in MIRABELLE spielt er einmal mehr virtuos auf der Klaviatur absurd grotesker Begegnungen und Dialoge. 
Vensco war allen Frauen dankbar, aber er vergaß sie, kaum daß sie zu seiner Tür hinaus waren.
"Nur an eine muß ich stets denken, denn sie ist das strahlende Vorbild, an dem ich sie alle messe und vor dem sie alle erbleichen und erröten müssen."
MIRABELLE aber ist eine Lumpenpuppe von exorbitanten Ausmaßen: 35 Zentimeter Kopflänge, 40 Zentimeter Körperlänge und 70 Zentimeter Beinlänge! Eigentlich verständlich, daß es keine Frau neben ihr lange aushalten mag. Andererseits gibt gerade Mirabelle Vensco jene überlebensnotwendige, traumwandlerische Sicherheit, die ihn wiederum neben seiner feinnervigen Sensibilität und unverklemmten Leidenschaftlichkeit für viele Frauen sehr anziehend macht. Unter diesem Zwiespalt leidet Vensco keineswegs, erst als Mirabelle mit über vierzig Jahren unübersehbare Auflösungserscheinungen zeigt, wird Vensco von einer tiefen Unruhe geplagt. Einmal mehr spielt Harald Budde virtuos auf der Klaviatur absurd grotesker Begegnungen und Dialoge.
War es in seinem letzten Roman (Zwischen Bett und Sofa) die Nachkriegszeit, wirft Budde nun Schlaglichter auf die scheinbar entzauberte Gegenwart. Diesmal allerdings in den sich verwebenden und tabuüberschwebenden Traumgesichten Venscos. Und gerade als man sich anfängt Sorgen zu machen, ob der wie der Autor über 60-jährige Protagonist nicht doch noch ins reineweg Anrüchige abstürzen würde, hat er längst Anlauf für eine Volte genommen, die einen nach all dem bizarren Klaumauk in ihrer Zartheit schier überwältigt. Hätte Joseph Beuys Mirabelle gekannt, er hätte die Kunsthallen nicht mit Fettecken strapazieren müssen.

Weitere Besprechungen zu Werken von Harald Budde siehe:
Büchernachlese-Extra: Harald Budde

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