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Thilo Corzilius

Die Lüge von Feuer und Ewigkeit

SF-Roman. Hobbit Presse (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2023. 633 Seiten. 26,00 Euro. ISBN: 978-3-608-98084-4, >>> Amazon

Der Kontinent Amerelle teilt sich in fünf Herrschaftsgebiete auf, die in einem nahezu geschlossenen Kreisbogen durch "Die ewige Straße" miteinander verbunden sind. Am äußersten vom Meer umspülten Zipfel des nicht nur vom Namen her unscheinbaren Reichs "Die Ascheflur" liegt die Tempelstadt Kett mit dem Kloster der Sturmpriester. Kett gilt schon seit jeher als unbedeutend bis auf eine Gabe der Sturmpriester, nämlich äußerst treffsichere Wettervorhersagen leisten zu können. Dem Geheimnis dieser Gabe auf die Spur kommen zu wollen, wird dem Graf von Ebenar jedoch zum Verhängnis - gleich zwei verschiedene Auftraggeber schickten jemand aus, ihn zu beseitigen. Nach seinem Tod stellt seine Witwe Jenna eine Expedition zusammen, um nun erst recht besagtes Geheimnis zu lüften. Auf die Suche begeben sich zusammen mit ihr schließlich Tali Atimba, eine aus den Diensten Ketts unehrenhaft entlassene Tempelwache, Raurianne Bontaire, eine Novizin, die an der letzten Prüfung zur Aufnahme in die Liga der Ritterinnen von Turraix gescheitert ist, Mandris Barjuna, ein Bandu, der als berühmter Magier und Gelehrter aus Skania stammt sowie Infendio Kabast, der Spion und Vertraute von Jenna von Ebenar
Thilo Corzilius (Jahrgang 1986) legt mit "Die Lüge von Feuer und Ewigkeit" bereits seinen zweiten einbändigen High-Fantasy-Roman in der Hobbit Presse vor.
Mit seiner Darstellung der Welt Amerelle, ihren unterschiedlichen Landschaften und Bewohnern samt ihren mehr oder weniger fanatisch ausgelebten Religionen weiß er einen gleich einzufangen. Auch die Tierwelt ist leicht verfremdet, so werden bis auf einen Adler anstelle von Vögeln kleine, zwitschernde Drachen erwähnt. Darüber hinaus gibt es aber auch noch größere und große Drachen, die sprechen und Pläne schmieden können. Einer dieser etwas größeren Drachen namens Glest wird zum hilfreichen Begleiter der Expedition. Doch alle Expeditionsteilnehmer haben Geheimnisse voreinander, u.a. Tali, die eine der beiden ist, die mit dem Mord an Graf von Ebenar beauftragt war - allerdings konnte sie nur noch dem Schatten des kurz vor ihr erfolgreichen Attentäters hinterhersehen. Neben all den spannungsreichen Beziehungsgeflechten birgt Kett das weitaus größte und überraschendste Geheimnis
Aber das Muster, für jedes Kapitel die Erzählperspektive stets in gleicher Folge abwechselnd von einem der vier Begleiter Jennas einnehmen zu lassen, wurde da offenbar zum beengenden Korsett. Und trotz all der Vielfalt an reizvollen Fantasy-Ingredienzien und geheimnisvollen Hintergründen, und wiewohl der Autor in eingängigem Sprachfluss und zuweilen sogar mit Dialogwitz zu erzählen weiß, verliert die Geschichte immer wieder an Sogkraft und entlässt einen am Ende nur bestenfalls mäßig zufriedengestellt.
Denn es sind sehr, sehr viele Ideen in den Ansatz eines womöglich überzeugenden Plots eingeflossen - wären diese Ideen für die Handlung und bei den Handelnden ausreichend plausibel entfaltet wurden. Unter entsprechend dramaturgischen Vorzeichen hätte das Ganze entweder also auf mindestens drei Romanbände verteilt oder inhaltlich weit mehr gekürzt gehört. Am Ende wirkte das Ganze jedenfalls nur noch irgendwie schnell abgespult, wiewohl da buchstäblich - wenn auch selbst nach Fantasy-Maßstäben nur sehr bedingt nachvollziehbar - inzwischen die ganze Welt Amerelle in Bewegung geraten war.
Schade - aber der Autor ist ja noch jung und scheint durchaus das Zeug dazu zu haben, es beim nächsten Roman besser zu machen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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