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Willemijn de Weerd

Wie es Ostern wurde

Pappbilderbuch. Illustrationen: Marieke ten Berge. Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. Gabriel Verlag, Stuttgart 2024. 18 Seiten. 8,99 Euro. Ab 4 Jahre. ISBN: 978-3-522-30648-5, >>> Amazon
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Für die meisten Kinder dürfte an Ostern der Osterhase im Zentrum stehen, der inzwischen nicht nur Ostereier, sondern fast so viele Geschenke wie der Weihnachtsmann versteckt bzw. mitbringt. Doch die Christenheit feiert an Ostern ihren Glauben an die Auferstehung Jesu von den Toten. Sollten Vorschulkinder hierzu nach den genaueren Umständen fragen (und m.E. nur dann!), bietet das Pappbilderbuch "Wie es Ostern wurde" mit dem Text von Willemijn de Weerd und den farbenfroh kindgerechten Illustrationen von Marieke ten Berge eine durchaus hilfreiche, erste Grundlage - allerdings nicht ohne Einschränkungen.
Willemijn de Weerd ist eine niederländische Autorin, die bereits mehrere Bücher zu religiöser Bildungsarbeit veröffentlicht hat. Sie erzählt hier in so einfachen wie eingängigen Sätzen von den Ereignissen in der Passionsgeschichte, derer vom Palmsonntag bis Ostern und darüber hinaus bis Pfingsten gedacht wird (und so lautet der bessere, weil präzisere Originaltitel auch: "Jezus is opgestaan").
In mehrfacher Hinsicht fragwürdig ist allerdings gleich die Eröffnung der dritten Seite mit dem Satz: "Jesus feiert mit seinen Freunden das Passafest", um dann auf die bei Johannes belegte Fußwaschung einzugehen.
Es ist zwar richtig, dass Jesus Jude war und deshalb auch gewiss das Passafest gefeiert hat, aber gerade Johannes hat das letzte Abendmahl Jesu einen Tag vor die Sederfeier und erst die Kreuzigung selbst auf den Vorabend des Passafestes gelegt. Gerade im Hinblick darauf, dass Jesus Jude war, erscheint es (auch in der aktuellen Forschung dazu) umso unglaublicher, dass der Prozess und seine Hinrichtung, wie die drei anderen Evangelisten behaupten, am Passafesttag stattgefunden haben könnte. Von den theologischen Spitzfindigkeiten abgesehen, kann und sollte aber auch aus pädagogisch-didaktischen Gründen die Religionszugehörigkeit Jesu sowieso an anderer Stelle behandelt werden und dies dann an weit ältere Kinder bzw. Jugendliche adressiert sein. Gerade bei den Kleinsten kann es hierbei ja eigentlich nur ums Wesentliche und einige Begriffssetzungen gehen - und für sie wäre an dieser Stelle die Einführung des Begriffs "letztes Abendmahl" weit zielführender.
Eine gute und altersgemäße Entscheidung hingegen ist es, anstatt die Kreuzigung auch nur mit einem Wort zu erwähnen, es einfach zu belassen bei einem: "Mitten am Tag wird es dunkel: Jesus stirbt." Und die Illustration zeigt im Vordergrund traurige Menschen und nur in weiter Ferne sind die drei Kreuze angedeutet.
Ebenso angemessen die sich an den Tod Jesu anschließenden Seiten zum zentralen Thema der Auferstehung, die unspektakulär eröffnet werden mit: "Ein paar Tage später ist der Stein weg. Und das Grab ist leer." Die Autorin verkürzt das Folgende dann auf eine Szene aus Johannes, wonach Maria aus Magdala zum Grab kommt und weint, um schließlich zu erkennen, dass der Mann der sie nach dem Warum ihres Weinens fragt, Jesus ist. Er lebt und ist nicht tot.
Weiter geht es damit, dass Jesus noch weitere Freunde trifft, aber ihnen auch schon sein Nicht-bleiben-können ankündigt und vom Heiligen Geist redet. Und mit dem Erscheinen des Heiligen Geistes (=Pfingsten) wissen die Freunde, was zu tun ist und erzählen nun den Menschen von Gott, von Jesus und vom Heiligen Geist. Somit steht die Auferstehung nicht für sich allein, sondern schlägt den Bogen zum Pfingstfest mit dem inhaltlichen Kern, wonach auch ohne die direkte Anwesenheit Jesu sein Wort weiterhin lebendig sein kann.
Warum an dieser Stelle dann aber als einziger Petrus genannt wird, und nicht (auch) Paulus, von dem es im Gegensatz zu Petrus heißt, dass er konsequent nicht nur anderen Juden, sondern der ganzen Welt von Jesus erzählen wollte, verstehe wer will - noch dazu, da an dieser Stelle bei der seitens des Verlags angedachten Zielgruppe ab sogar nur zwei Jahren die namentliche Nennung eines Apostels auch komplett verzichtbar gewesen wäre.
Dennoch insgesamt ein angesichts der komplexen Thematik empfehlenswertes Bilderbuch - doch wer es Kindern (nicht vor dem 4. Lebensjahr!) vorlesen will, sollte sich insbesondere bei den kritisierten Stellen auch die sowieso stets geltende Freiheit zur Auslassung oder/und Umformulierung nehmen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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