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T. Obinkaram Echewa

Ich sah den Himmel Feuer fangen

Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1995, 485 S., ISBN: 3-608-95996-3, >>> Amazon

"Die Erde bebte, wie sie es nie zuvor getan hatte. Es war Ozurumbas unglückliche Frau, Akpa-Ego, die neben ihrem Kessel voll Palmwein kauerte, als der Zähler mit seinem Notizbuch erschien und sie mit Fragen bombardierte. Und so begann der Krieg."
Ajuziogu, der letzte Mann in seiner familiären Einfriedung, wird sein Dorf, den Kontinent Afrika verlassen, um in den USA ein stipendiertes Studium aufzunehmen. In der Nacht bevor er abreist, erzählt ihm Nne-Nne, seine Großmutter, von ihrer Vergangenheit, die mit der Vergangenheit und der Gegenwart aller Frauen Nigerias korrespondiert. Neben der Klage über die unbekümmerte Ignoranz der Männer feiert Nne-Nne in ihrer Erzählung jedoch vor allem die Zeugnisse weiblichen Selbstbewußtseins und "Ndom", die Solidarität der Frauen. So löst "Ndom" 1929 einen bürgerkriegsähnlichen Aufstand aus, nachdem ihre Männer den traditionsfeindlichen Bestimmungen der englischen Kolonialherren nichts entgegenzusetzen hatten, außer ihren Frust nun verstärkt in Form von Mißhandlungen bei den Frauen abzuladen. Letztlich müssen dann doch die Gesetze, die Verwaltung und auch die ehrverletzende Volkszählung durch die Weißen hingenommen werden, aber die Männer, die eigenen wie die weißen, müssen nachwievor mit "Ndom" rechnen.
Der Autor dieser modernen Variante von Lysistrata, T. Obinkaram Echewa, ist ein gebürtiger Nigerianer, der seit langem in den USA lebt. Er hat mit ICH SAH DEN HIMMEL FEUER FANGEN ein erzählerisches Meisterwerk geschaffen, das die Reibung zwischen den Geschlechtern, dem Aufrechterhalten und dem Verlust von Traditionen und auch die Reibung zwischen den Kontinenten plastisch vor Augen führt. Weder beschönigt noch denunziert er. Das uns unbekannte "Andere" wird nicht einfach übersetzt, sondern bleibt in seiner eigentümlichen Lautmalerei bestehen, hebt sich ab und weist gerade dadurch auf die gemeinsamen Nenner hin. Herausragend insbesondere die Figur der Nne-Nne, der er ohne "Softi-Attitüde" eine leidenschaftliche Stimme zu geben vermochte. Sie bringt nicht nur Ajuziogu zum Schweigen ... und zur Einsicht.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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