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Kilian Eisfeld

Wahnspiel

Kriminalroman. Knaur Verlag, München 2023. 415 Seiten. 14,99 Euro. ISBN: 978-3-426-52497-8, >>> Amazon

Der 19-jährige Lukas Schneider hat seine Gewaltfantasie ausgelebt und den brutalen Mord an einer jungen Frau auch noch von einem Begleiter filmen lassen. Aufgrund seines Alters und anderer Begleitumstände wird er dann bereits nach etwas mehr als 5 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Prompt ruft ein Online-Mob zur Lynchjustiz auf - und wenig später wird eine abgetrennte Hand von Lukas in der Stadtmitte von Heidelberg gefunden.
Das Dezernat für Kapitaldelikte unter der Leitung von Sofija Markovic kann zwar schon bald erste Ermittlungserfolge vorweisen, aber erst als der "Nerd" Alex Schwerdt aus einem anderen Dezernat hinzugezogen wird, findet sich ein richtungsweisender Ansatzpunkt, der schließlich zur Aufklärung beiträgt
Christoph Lode hat als Daniel Wolf bereits erfolgreich einige historische Romane veröffentlicht und legt nun unter dem Pseudonym Kilian Eisfeld auch seinen ersten Kriminalroman vor. Dessen Titel "Wahnspiel" zielt u.a. treffend auf das hier vorgestellte Milieu von sogenannten Incels, die Femizide für verständlich und akzeptabel halten.
Gekonnt spielt der Autor dann auch seinen Sinn für Historisches aus, um dem Finale seines Romanplots eine so fundiert recherchierte wie bizarre Krone aufzusetzen. Abgesehen von einigen wenigen Noch-Inkonsistenzen (u.a. bei der Figur von Sofija Markovic) besticht dieser Eröffnungsband einer in Heidelberg spielenden Krimireihe neben dem Handlungsort vor allem durch ein Ermittlerteam, das nicht nur von dem bereits erwähnten Duo getragen wird, sondern auch noch von allen anderen an einer Ermittlung beteiligten Kolleg:innen. Und diese Ermittler sind zwar sehr unterschiedlich und kommen z.T. auch als nervig, wenn nicht gar überfordert rüber, in der Summe aber beweisen sie zwischenmenschlich überzeugende Teamarbeit und unterlaufen damit erfolgreich das in Krimis sattsam bekannte Stereotyp eines zynischen Einzelkämpfers. Und aus dem ja keineswegs einfachen Thema, das neben Incels und Femizide auch die Beobachtung rechtsradikaler und homophober Personenkreise einschließt, hat der Autor nicht nur einen spannenden, sondern sogar auch im besten Sinne aufklärerischen Handlungsfaden entwickelt, von dem man sich bis zur letzten Seite sehr gut unterhalten fühlt.
Das weckt natürlich schon die Neugier auf den nächsten Roman dieser Reihe

Buechernachlese © Ulrich Karger


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