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Büchernachlese-Extra: Jostein Gaarder

Jostein Gaarder

Maya oder Das Wunder des Lebens

Roman. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Hanser Verlag, München 2000. 432 Seiten. 39,80 DM. ISBN: 3-446-19898-9, >>> Amazon

Seine kleine Tochter gestorben, die Ehe auseinandergebrochen, legt der Biologe Frank Andersen auf dem Rückflug von einer Forschungsreise einen Zwischenstop auf der Fidschi-Insel Teveuni ein. Dort trifft er auf José und Ana. Frank meint Ana irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Wochen später steht er im Prado vor Goyas 'Maya', deren Gesicht mit Anas identisch ist. Eine Laune der Natur? Oder parallel existierende Welten? Von José, den Frank im Prado zufällig wiedersieht, erfährt er dann eine mystische Familienlegende.

Jostein Gaarder versucht in seinem neuestem Werk dem 'Wunder des Lebens' auf die Spur zu kommen. Dazu läßt er die naturwissenschaftliche, die philosophische, die ökologische und auch noch die magische Sicht auf unsere Welt miteinander in Wettstreit treten, um am Ende der Phantasie mit dem 'Joker' Liebe den Vorzug zu geben.

Bislang schätzte ich den norwegischen Autor sehr, doch an diesem Buch bin ich gescheitert. Den ersten Impuls, es entnervt und enttäuscht wegzulegen, hatte ich schon bei Seite 30, vor allem wegen seiner staksig-sprachlichen Verfassung, an der offenbar selbst eine renomierte Übersetzerin wie Gabriele Haefs sich die Zähne ausgebissen hat.

Allein, daß und wie der gebeutelte Frank seiner Exfrau einen 300-Buchseiten-Brief in Form eines Gutmensch-Weltbetrachtungs-Exkurses zuschickt, zeugt von eklatanter Lebensferne. Da nützt auch kein Appell wie das an sie gerichtete 'Setz dich einfach gemütlich hin und lies, lies ganz einfach!' Das wunderbar Geheimnisvolle wird hier nur aufzählend behauptet und nicht entfaltet, und die Protagonisten lassen einen trotz ihrer Schicksalsschläge kalt, kleben lediglich an den abzuarbeitenden Weltsichten.

Abgeschlossen wird die überladene Konstruktion von einem zusammenfassenden Manifest, das uns analog zu einem 52-blättrigem Kartenspiel einmal mehr die aphorismushaftigen Weltbetrachtungen des Haupttextes einhämmert. (Sie erinnern fatal an jene Poesie-Album-Texte aus den 80ern von Kristiane Allert-Wybranietz, die man sich schon damals wahrhaftig schenken konnte.) Immerhin schreckte der Verlag diesmal davor zurück, dem Buch ein bestimmtes Lesealter zuzuordnen - weder Fisch noch Fleisch dürfte es für alle Alterstufen gleichermaßen unerfreulich und schlicht langweilig sein.

Weitere Besprechungen zu Werken von Jostein Gardner und Sekundärliteratur dazu siehe:
Büchernachlese-Extra: Jostein Gardner

Buechernachlese © Ulrich Karger


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