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Büchernachlese-Extras: Jostein Gaarder | Weihnachtsgeschichten

Jostein Gaarder

Das Weihnachtsgeheimnis

Roman. Rosemary Wells (Illus.), Carl Hanser Verlag, München 1998, 272 S., ISBN: 3-446-17709-4, >>> Amazon

Joachim und sein Vater sind auf der Suche nach einem Adventskalender. Am Vorabend des 1. Dezember sind jedoch fast alle ausverkauft. Nur in einem kleinen Buchladen gibt es noch zwei Sorten, die Joachim aber nicht so recht gefallen. Da entdeckt er hinten in einem Buchregal noch ein Einzelexemplar ohne Schokolade und ohne Plastikpüppchen. Es sieht wie handgemacht aus und scheint so alt wie Joachims Vater zu sein. Auf der Rückseite steht: "MAGISCHER ADVENTSKALENDER. PREIS: 75 Öre". Der Buchhändler vermutet, daß ihn "ein komischer Vogel", namens Johannes dort abgestellt hat. Als er jedoch Joachims Begeisterung bemerkt, schenkt er ihm den Kalender.
Beim Öffnen der Fenster beweist der Adventskalender dann tatsächlich eine Magie, die bald sogar die Eltern Joachims in ihren Bann zieht. Jedesmal fällt ein kleiner Zettel heraus, auf dem in Fortsetzungen die Geschichte einer Raum und Zeit überwindenden Pilgerreise bis nach Bethlehem zur Geburt Jesu nachzulesen ist. Und jedesmal entdeckt Joachim dann eine neue Figur auf dem Kalender, die er zuvor übersehen haben muß. Zudem scheint es sich bei einem kleinen Mädchen der Pilgergruppe um eine reale Person zu handeln, die tatsächlich vor vierzig Jahren aus einem norwegischen Kaufhaus verschwunden ist ...
Es gilt einmal mehr vor Jostein Gaarder den Hut zu ziehen:
Wer sein Kind (und womöglich auch sich selber) auf das Eigentliche von Weihnachten einstimmen will, wird an Gaarders "Weihnachtsgeheimnis" seine helle Vorfreude haben.
Kenntnisreich und ohne Berührungsängste verwebt er darin Kirchengeschichtliches, Biblisches und Legendenhaftes mit einer spannenden Rahmengeschichte, die selbst erwachsene Skeptiker gefangen nehmen dürfte. Folgt die kleine Elisabeth in der Zettelgeschichte erst einem Spielzeuglamm nach, das den "weihnachtlichen" Kaufhauslärm nicht mehr erträgt, sind es mit ihr am Ende sieben Schafe, fünf Engel, die Heiligen Drei Könige, Kaiser Augustus und der Landpfleger von Syrien, die sich auf die Reise begeben haben. Aber diese Schar kommt keineswegs zuckrig-beschaulich daher, sondern durchaus glaubwürdig. Elisabeths im besten Sinne weltbewegende Fragen finden angemessene, zuweilen auch offengelassene Antworten, die mit einem feinen Sinn für Situationskomik angereichert sind - ja sogar für Existenzphilosophie, wenn König Balthasar in Anwesenheit der Engel meint: "Alle Erzählungen über Engel könnten Märchen sein."
Spitzfindigkeiten, Gedankenspiele und kritische Anmerkungen zur Kirchengeschichte stellt Gaarder stets an den auch Kindern einleuchtenden Grundaussagen Jesu zum Liebesgebot gegenüber, und gerade weil er sich hierbei kenntlich auf das Neue Testament beruft, wird dieses Buch auch für Menschen anderer oder keiner Bekenntnisse von Interesse sein. Zusammen mit Joachim fiebert man dem Öffnen der allesamt bezaubernd von Rosemary Wells illustrierten Fenster entgegen und kommt dem Weihnachtsgeheimnis gleich mehrgleisig auf die Spur. Im Orginal bereits 1992 erschienen, stimmen übrigens dieses Jahr auch wieder die Wochentage mit denen der Geschichte überein ...

Weitere Besprechungen zu Werken von Jostein Gardner und Sekundärliteratur dazu siehe:
Büchernachlese-Extra: Jostein Gardner

Buechernachlese © Ulrich Karger


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