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Büchernachlese-Extra: Mythen, Sagen und Märchen

Michael Görden (Hg.)

Lexikon der afrikanischen Mythologie

Jan Knappert (Text), Elisabeth Knappert (Illus.). Heyne Verlag, München 1995, 368 S., ISBN: 3-453-08150-1, >>> Amazon

Der Kontinent Afrika ist für viele ein weißer Fleck in der Kartographie ihrer Wahrnehmung. Die meisten begnügen sich mit vereinfachenden Vorurteilen, und damit hat's sich dann. Dabei ist die "Wiege der Menschheit" reich. Nicht ökonomisch, aber an Kultur. Allein in dem Land Zaire werden 326 Sprachen gesprochen, in Nigeria, Kamerun und im Sudan jeweils ungefähr 200. Und in jeder dieser Sprachen wurden eigene Sagen, Lieder, Sprichwörter und Rätsel entwickelt. Und Schöpfungsmythen. Diese Mythen sind zum Teil von hoher Komplexität. Einige erfassen Zusammenhänge, die laut Fridjof Capra in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen der modernen Physik sind, andere weisen erstaunliche Parallelen zu den Schriftreligionen auf. Und letzteres ist nicht nur mit dem Eifer missionarischer Christen oder Moslems abzutun.
Das preiswerte "Lexikon der afrikanischen Mythologie" regt dazu an, in diese Sagenwelt einzutauchen. Obwohl gewiß kein schmales Bändchen, weiß der Autor jedoch, daß er mit seinen alphabetisch geordneten Artikeln und Nacherzählungen bestenfalls an der Oberfläche zu gründeln vermag. Es ist einfach zuviel. Jede der vielen hundert Sprachkulturen könnte ein Lexikon dieser Größenordnung füllen. Für Studenten entsprechender Fakultäten mag es dennoch ein nützliches Nachschlagewerk sein, das einen ersten Überblick verschaffen hilft. Ansonsten sei empfohlen, es wie ein normales Buch von "Acholi" bis "Zwillinge" durchzublättern und sich insbesondere von den Geschichten z.B. vom Löwenmenschen oder vom Geschenk des Tabaks einfangen zu lassen. Die Einführung und am Schluß die umfangreiche Bibliographie geben zudem wertvolle Hinweise. Sehr anschaulich auch die zahlreichen schwarz-weißen Illustrationen. Alles in allem sehr passabel übersetzt, fällt nur das von Christa Zettl in erbärmlich akademischem "Pidgin" verfaßte Vorwort ab. Von diesem kleinen Makel abgesehen bietet dieses Buch eine gute Gelegenheit, wenigstens einige weiße Flecken zu füllen und Vorurteile über sogenannte "primitive" Kulturen zu revidieren.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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