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Büchernachlese-Extras: John Grisham

John Grisham

Das Bekenntnis

Roman. Aus dem Amerikanischen von Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter und ImkeWalsh-Araya. Heyne Verlag, München 2019. 591 Seiten. 24,00 Euro. ISBN: 978-3-453-27213-2, >>> Amazon

Pete Banning aus Clanton im US-Staat Mississippi nimmt im Oktober 1946 ein leichtes Frühstück zu sich, fährt kurz zur Kirche seiner dörflichen Heimatgemeinde hinüber, und erschießt den Pfarrer. Auf die Frage "Warum?" gibt Banning lediglich eine einzige Antwort: "Ich habe nichts zu sagen." Und das hält er auch vor Gericht bis zum Ende des Prozesses durch, wiewohl dem hochdekorierten Kriegsveteranen und Oberhaupt einer seit Generationen in Clanton ansässigen Familie der Tod durch den elektrischen Stuhl droht. Währenddessen leiden nicht nur die Hinterbliebenen des Pfarrers, sondern auch Bannings Familie
"Das Bekenntnis" von John Grisham enthält zwar viele Gerichtsszenen, ist aber dennoch keiner jener Gerichtsthriller, wie sie früher von Grisham zu erwarten waren. Vielmehr ist es ein Südstaatendrama, in dem die Folgen eines archaisch anmutenden Ehrverständnisses durchdekliniert werden. Die Rassentrennung ist noch gang und gäbe und die Hierarchien innerhalb einer Dorfgemeinschaft klar definiert. Das schildert Grisham aus seiner durchgehend auktorialen Erzählperspektive mit gut gesetzten Details und subtiler Ironie.
Interessant hätte auch der eigenwillige Aufbau des Romans sein können, der mit der Tat Bannings und dem Prozess in der Mitte beginnt, im zweiten Teil zurückspringt auf das Geschehen, das Banning während des zweiten Weltkriegs zahlreiche Tapferkeitsorden erlangen lässt, um dann im dritten Teil an das Ende des Prozesses samt Gerichtsurteil anzuknüpfen und vom weiteren Schicksal der Familie Banning zu erzählen, bis zuletzt mit einer kleinen Volte auch endlich das "Warum" des Mordes beantwortet wird.
Doch der zweite Teil ist mit 180 Seiten viel zu lang und hinsichtlich des Kriegsgeschehens zu stereotyp geraten. Das darin geschilderte überaus große Leiden Bannings und seine Tapferkeit erklären den Mord nur sehr mittelbar, wird doch die psychologische Ebene einer posttraumatischen Belastungsstörung nur am Rande thematisiert und stand offenbar nicht im Fokus des Autors - und dafür hätten auch 30 über den ersten Teil verteilte Seiten gereicht. Denn in der Hauptsache zu "verstehen" ist in diesem Roman die Absurdität des Mordes allein über den kruden Ehrbegriff im Umfeld Petes zu jener Zeit.
Der geschilderte Alltag einer Farmerfamilie wie auch die Prozessführung eines von vorneherein nicht zu gewinnenden Falls im damaligen Südstaaten-Milieu lohnen immerhin die Lektüre dieses Romans.

Weitere Besprechungen zu Werken von John Grisham siehe:
Büchernachlese-Extra: John Grisham

Buechernachlese © Ulrich Karger


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