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Büchernachlese-Extras: Batya Gur | Die besten Bestseller-Kriminalautoren

Batya Gur

Am Anfang war das Wort

Roman. Goldmann Verlag, München 1995, 472 S., ISBN: 3-442-30468-7, >>> Amazon

Der Tauchunfall eines jungen Literaturdozenten ist in Wirklichkeit Mord. Auch der eingeschlagene Schädel Professor Scha'ul Tiroschs ist kein Unfall. Aber wer hatte ein Interesse, Israels berühmtesten Dichter und Leiter des Instituts für Hebräische Literatur zu ermorden? Ein Fall für Oberinspektor Michael Ochajon, der von seinem Vorgesetzten wegen seiner einst genossenen Universitätsausbildung sowieso schon immer aufgezogen wurde. Und tatsächlich wäre ohne Ochajons Einfühlungsvermögen in die akademischen Gepflogenheiten dieser Fall wohl auch nie gelöst worden. So hatte der als Frauenheld berüchtigte Dichter zwar mit der Frau des jungen Dozenten geflirtet, aber dessen Ermordung war zwei Tage vorher, und von Amts wegen gehörte sie nicht einmal in den Zuständigkeitsbereich Jerusalems. Daß die beiden Fälle jedoch eng miteinander verknüpft waren, darin bestand für Ochajon überhaupt kein Zweifel ...
Nach "Am Sabbat sollst du ruhen", ausgezeichnet mit dem "Deutschen Krimipreis", liegt endlich die hervorragende Übersetzung des zweiten Falls von Ochajon vor, für die Mirjam Pressler verantwortlich zeichnet. Obwohl man bereits nach der Hälfte des Romans ahnt, wer und was die Beweggründe für die Morde sind, läßt doch die Spannung bis zum Ende nicht nach. Das liegt nicht zuletzt an dem Sinn der Autorin Batya Gur für das Ausgestalten der Psyche ihrer Hauptpersonen. Angefangen beim Oberinspektor, der nun einige Jahre älter zwar willens, aber immer noch nicht in der Lage ist, eine verbindliche Beziehung einzugehen, werden insbesondere die Hoffnungen, Eitelkeiten, aber auch die tief-ernsten Beweggründe für ein Leben mit und für die Literatur vorgeführt. Letzteres meint nicht weniger als ein Streben nach Weisheit und Wahrheit und dies wiederum auf der Grundlage der (Er-)Kenntnisse über die Herkunft, die, was Israel betrifft, nicht zuletzt in den biblischen Geschichten dokumentiert wurde. Die Handlung spielt in der "Vorwendezeit". Noch 1985 pflegte die Sowjet-Union äußerst brutal mit regimekritischen Autoren umzugehen, und jüdische Autoren waren von dieser Behandlung keinesfalls ausgenommen. Einer von ihnen ist wie viele andere schon vor Jahrzehnten in der Gefangenschaft umgekommen, aber Scha'ul Tirosch hatte seine Texte retten können - allerdings nicht aus Selbstlosigkeit ...
Neben der Spannung und dem abgelegten Zeugnis eines selbstbewußten Israel ist dieses Buch gerade wegen der Dichte und Tiefe seiner Charakterstudien von hoher Überzeugungskraft.

Weitere Besprechungen zu Werken von Batya Gur siehe:
Büchernachlese-Extra: Batya Gur

Buechernachlese © Ulrich Karger


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