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Büchernachlese-Extra: Peter Härtling

Peter Härtling (Hg.)

Ich bin so guter Dinge

Goethe für Kinder. Hans Traxler (Illus.). Insel Verlag, Frankfurt a.M. 1998, 95 S., ISBN: 3-458-16915-6, >>> Amazon

"Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los"; "Halb zog sie ihn, halb sank er hin"; "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein"; "Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" - alles geflügelte Worte von Johann Wolfgang Goethe, die nun samt den dazugehörigen Gedichten in einer handlichen Auswahl von Peter Härtling nachzulesen sind. Wunderhübsch ausgestattet mit den augenzwinkernden Illustrationen von Hans Traxler können sich jetzt auch jene wieder an sie heranwagen, denen einst die Liebe zu Gedichten im Allgemeinen und von Goethe im Besonderen durch stures Einpaukenmüssen ausgetrieben wurde. Sie werden selbst den vier Prosastücken großes Interesse abgewinnen. "Der Hirschgraben" erzählt zwei Episoden aus Goethes Kindheit und "Der Löwe" in ellenlang bildreichen Sätzen ein gar beschauliches Märchen über eine gewaltlose Zähmung durch ein Kind mit Flöte. Dann der in seiner oberlehrerhaften Haltung skurrile Brief des 16-jährigen Wolfgangs an seine kleine Schwester Cornelia und fast ganz am Schluß das kleine Stück über Marienverehrung in "Der Harfner und seine Tochter".
Aber auch wenn der Rezensent den eigenen Totschlag fürchtet, wird an dieser Stelle eine heftige Warnung ausgesprochen.
Peter Härtling, der sich bislang in seinen Kinder- und Jugendbüchern durch eine subtile, äußerst einfühlsame Didaktik auszeichnete, ist mit dem Anspruch seiner Auswahl schlicht gescheitert. Eine Altersangabe hat sich der Verlag zwar wohlweislich verkniffen, aber Härtling spricht in seinem Vorwort vom neunjährigen Goethe und hat wohl auch in etwa diese Altersgruppe gemeint, wenn er unter dem Titel "Ich bin so guter Dinge" einen "Goethe für Kinder" zusammenstellen wollte.
Gewiß, da sind einige Kurzgedichte, die in ihrem Wortwitz sogar jüngeren Kinder gefallen könnten - sofern sie ihnen wohldosiert und mit viel Spaß an der Freude von Erwachsenen vorgelesen werden. Die kürzlich als Einzelbilderbücher erschienenen Gedichte "Der Zauberlehrling" und das hier seltsamerweise fehlende "Hexeneinmaleins" fänden jedoch vermutlich noch größeren Anklang.
Ältere könnten den "Erlkönig" wiederentdecken, aber die Anspielungen im "Osterspaziergang" aus dem Faust und die vertrackten Satzungetüme der obengenannten Prosastücke werden sich auch ihnen nicht erschließen.
Sind die ausführlichen Quellenangaben im Anhang noch zu loben, hätte es zudem mehr als zweier "Übersetzungsfußnoten" bedurft, um besagte Zielgruppe an diese Werke heranzuführen. Und ist es überbordende "Political Correctness", wenn beim "Löwen" eine Kommentierung zu "Türkenkopf" und "Mohrenhaupt" schmerzlich vermißt wird und man sich gewünscht hätte, daß das fürchterliche Gedicht "Die wandelnde Glocke" am besten erst gar nicht aufgenommen worden wäre?
Nein, diese altväterlich demütige Verbeugung vor dem Sockel unseres Meisterdichters hat mit kinderfreundlicher Aufklärung nichts zu tun und ist somit eine falsch deklarierte Mogelpackung zum verlegerischen Halali eines 250. Geburtstages im nächsten Jahr.

Weitere Besprechungen zu Werken von und über Peter Härtling siehe:
Büchernachlese-Extra: Peter Härtling

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