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Thich Nhat Hanh

Lebendiger Buddha, lebendiger Christus

Verbindende Elemente der christlichen und buddhistischen Lehren.
Goldmann Verlag, München 1996, 222 S., ISBN: 3-442-30674-4, >>> Amazon

Ich muß zugeben: Vor der Lektüre dieses Buches wußte ich nichts über den seit 1973 in Frankreich lebenden buddhistischen Lehrer und Zen-Meister Thich Nhat Hanh. Allein der Titel LEBENDIGER BUDDHA, LEBENDIGER CHRISTUS hat mich einigermaßen neugierig gemacht. Die enge Verwandtschaft zwischen den Schriftreligionen Judentum, Islam und Christentum ist ja allgemein bekannt, aber kann es auch eine vergleichbare Annäherung zwischen Buddhismus und Christentum geben? Thich Nhat Hanh jedenfalls gelingt sie mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, ja, er vermag über das Instrument des "echten Dialoges" sogar viele essentielle Gemeinsamkeiten darzulegen. Damit ein Dialog allerdings "echt" und fruchtbar sein kann, "muß man zutiefst in seiner eigenen Tradition leben und zugleich anderen intensiv zuhören. Wenn man sich darin übt, intensiv hinzusehen und intensiv zuzuhören, wird man frei und kann die Schönheit und den Wert der eigenen Tradition wie auch anderer Traditionen erkennen." Für Thich Nhat Hanh ist "religiöses Leben Leben", und Leben meint den Alltag, der sich durch praktiziertes Mitgefühl respektive durch "Achtsamkeit" auszeichnet. Diese Achtsamkeit erreicht man weniger durch wortreiche Debatten, denn durch Mediationsübungen. Von daher sieht er sich auch weniger den Theologen, als den Mystikern verwandt. "Über Gott zu diskutieren ist nicht die beste Art, seine Energie zu nutzen. Wenn man den heiligen Geist berührt, berührt man Gott nicht als Begriff, sondern als lebendige Wirklichkeit."
Thich Nhat Hanh nutzt in seiner Schrift ganz selbstverständlich christliche Termini für seine Darlegungen. Man hat dabei aber keinen Moment das Gefühl, er würde sie argumentativ unredlich vereinnahmen. Vielmehr scheint er sie tatsächlich trotz seiner anderen Tradition transzendiert, d.h. wirklich durchdrungen zu haben - vielleicht hat er sogar mehr von ihrer eigentlichen Bedeutung erfaßt, als so mancher "Sonntagsredner" unseres Kulturkreises. Umgekehrt vermag er über diese Verständnisbrücken z.B. auch einen Begriff wie "Nirvana" näherzubringen, indem er ihm das Gebot gegenüberstellt, wonach wir uns kein Bild von Gott machen sollen.
Thich Nhat Hanh besticht in seiner Spiegelung der eigenen und der anderen Religion durch eine bündige und unverstellte Klarheit, die einen in vieler Hinsicht wieder Glauben fassen läßt.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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