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Büchernachlese-Extra: Außergewöhnliche Morduntersuchungen

Sam Hawken

Die toten Frauen von Juárez

Kriminalroman. Aus dem Englischen von Joachim Körber. Tropen (Klett-Cott) Verlag, Stuttgart 2012. 317 Seiten. 19,95 Euro. ISBN: 978-3-608-50212-1, >>> Amazon

Kelly Courter musste aus den USA nach Mexiko flüchten und schlägt sich nun in Ciudad Juárez mit kaum noch regelgerecht zu nennenden Boxkämpfen und dem Verkauf von Drogen durch. Immer wieder sucht er seiner eigenen Drogenabhängigkeit Herr zu werden und findet dafür zuletzt in Paloma eine selbstbewusste Stütze. Sie arbeitet für die Gruppe "Mujeres Sin Voces", die so hartnäckig wie chancenlos immer wieder den hunderten aus Ciudad Juárez verschwundenen Frauen nachspürt - nur eine Handvoll von ihnen wurde bislang wieder aufgefunden, dann jedoch tot und vergewaltigt.
Der kurz vor der Rente stehende Polizist Rafael Sevilla spricht als Angehöriger des Drogendezernats Kelly regelmäßig erfolglos darauf an, ihm seine Hintermänner zu nennen, so dass sich zwischen beiden eine Art ritualisiertes Gegeneinander entwickelt hat. Doch als Paloma "verschwunden" ist, wird er zu Kellys einzigem Verbündeten ...
Mit "Die toten Frauen von Juárez" legt Sam Hawken einen Kriminalroman vor, der seine Spannung weniger daraus bezieht, dass in ihm zumindest bis zu einem gewissen Grad auch Verbrechen aufgeklärt werden, als vielmehr aus der atmosphärisch dichten Beschreibung eines nahezu vollkommen rechtlosen Raums, der von brutaler Gewalt und Korruption gezeichnet ist. Sich hier nicht wegzuducken, sondern auf sein Anliegen zu beharren ist dementsprechend lebensgefährlich. Weit erschreckender jedoch, dass diese Beschreibungen nicht auf reiner Fiktion, sondern auf tatsächlichen Begebenheiten im mexikanischen Ciudad Juárez beruhen. Dort werden seit 1993 tatsächlich über vierhundert Frauen vermisst ...
Die Übertragung des einstigen Stephen-King-Übersetzers Joachim Körber vermittelt sehr anschaulich die Gefühlslagen der Protagonisten, die sich durch spontane Lebensfreude, resignative Melancholie, eiskalte Gerissenheit und stumpfes Handlangertum auszeichnen.
Ein spannungsgeladener Blick über den Tellerrand, der neugierig auf weitere Werke dieses Autors macht.

Buechernachlese © Ulrich Karger



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