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Steven Herrick

Wir beide wussten, es war was passiert

Poetische Geschichte. Aus dem australischen Englisch von Uwe-Michael Gutzschhahn. Thienemann Verlag, Stuttgart 2016. 206 Seiten. 14,99 EUR. Ab 13 Jahren. ISBN: 978-3-522-20219-0, >>> Amazon

Billy packt in seine Schultasche die restlichen Bierflaschen und Zigaretten seines Vaters - und geht weg. Ohne Mutter aufgewachsen, der Vater meist betrunken und auch sonst ohne Verständnis für ihn, gibt es nur wenig, das Billy bis dahin noch gehalten hatte: Sein Hund Bunkbrain, den er nun zurücklassen muss, und am Westfield Creek das Lesen geklauter Bücher, deren Lektüre ihn in der Schule immerhin als einziges das Fach Englisch bestehen ließ. Doch aus dem Kaff wegzukommen ist gar nicht so einfach
"Wir wussten beide, es war was passiert" von Steven Herrick ist im Original 2000 erschienen und wird nun in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn als "poetische Geschichte vom und zum Verlieben" präsentiert. So trifft Billy einige Zugstunden von seinem Heimatort entfernt auf Caitlin, die in einem McDonald's aushilfsweise putzt. Zwischen beiden funkt es sehr schnell, wiewohl oder gerade weil ihre Herkunft sehr unterschiedlich ist. Caitlins Eltern sind vermögend und haben ein großes Haus, aber wenig Zeit. Billy dagegen haust jetzt in einem alten Waggon und hat im Waggon daneben den zufällig namensgleichen Old Bill zum Nachbarn, der Alkoholiker und schon seit fünf Jahren obdachlos ist. Doch Billy wird auch für Old Bill zum Katalysator für eine grundlegende Veränderung.
Das "Poetische" dieser kleinen Geschichte um die drei genannten Handlungsträger macht sich an ihren jeweils aus der Ich-Perspektive sprachlich verdichteten Innenansichten mit den Reaktionen aufeinander fest. Ihre jeweiligen Vorgeschichten und Hintergründe werden von ihnen selbst nur knapp angedeutet. Für etwas Spannung sorgt paradoxerweise, dass in dieser Konstellation erwartbare Brüche und Enttäuschungen ausbleiben. Stattdessen lässt der Autor die drei immer im richtigen Moment das Richtige sagen, denken und verstehen. Derart durchdekliniert, räumt ein "Positiv-Denken" alle im Widerspruch dazu stehenden Vorgaben einfach (mal) beiseite. Das Ende ist denn auch von einer Einvernehmlichkeit, ähnlich jenen Märchen, die mit der Hochzeit eines Prinzenpaares enden. Aber warum nicht? "Poetische" Kost dieser Art mag als eine Art Tagträumerei Jugendlichen Mut für eine stets aufs Neue von schlimmen Nachrichten aufgeheizte Realität geben. Und wer verliebt ist, hat sowieso einen anderen Blick auf die Welt.
Jedoch dem "Poetischen" des eingängigen Textes auch das Äußere eines mehrteiligen Langgedichtes zu geben, scheint dann doch übertrieben - die Zeilenumbrüche wirken meist willkürlich und lassen weder Reim noch rhythmisches Versmaß erkennen. Somit wäre der Seitenumfang vielleicht doch besser zu halbieren und der Verkaufspreis entsprechend zu reduzieren gewesen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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