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Heinrich Hoffmann

Die Geschichte vom schwarzen Buben

Eine Struwwelpeter-Geschichte. Illustrationen: Karsten Teich. Ab ? Jahren. Hinstorff Verlag, Rostock 2013. 24 Seiten. 14,99 EUR. ISBN: 978-3-356-01575-1, >>> Amazon >>> Lehmanns Media


Ihr Kinder, hört mir zu
und lasst den Mohren hübsch in Ruh!
Was kann denn dieser Mohr dafür,
dass er so weiß nicht ist wie ihr?


Leider, leider ein klarer Fall von "gut gemeint" im krassen Gegensatz zu "gut gemacht"! Und dabei bewirbt der Verlag die neu illustrierte "Geschichte vom schwarzen Buben" aus dem 1845 erschienenen "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann sogar als Beitrag zum "hochaktuellen Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit". Da nützt das unbestreitbare Zeichentalent von Karsten Teich genauso wenig wie dessen Volte ohne Worte auf der letzten Seite, als der bis zuletzt einzig namenlos bleibende "Mohr" und die durch Tinte zur Strafe (!) noch schwärzer gewordenen bösen "Buben" plötzlich einem Kind in gelber Hautfarbe gegenüberstehen.
Bis auf wenige Ausnahmen, unterliegt jedwede Literatur einer "Halbwertzeit", weil sie früher oder später aus diversen Gründen nicht mehr "funktioniert". Nachträgliche Veränderungen eines Textes, wie zum Beispiel jüngst in "Pippi Langstrumpf" der "Aufstieg" ihres Vaters vom "Negerkönig" zum "Südseekönig", sind schlicht eine weder dem Werk noch der Autorin Astrid Lindgren gerecht werdende Verfälschung. Einziges Gegenmittel hierfür wären Fußnoten oder/und Sekundarliteratur, die unter anderem Bedingungsgefüge und Zeitgeist einer Geschichte zu erläutern hätten. Und wenn Fußnoten und Sekundarliteratur (derzeit) in kein Verhältnis zum Ursprungstext zu bringen sind, dann ist er eben bestenfalls nur noch im historischen Zusammenhang von Interesse. Angesichts der Zielgruppe des angesprochenen Bilderbuches wäre eine Diskussion um Fußnoten und Sekundarliteratur müßig.
Aber keine "Verfälschung" ist gewiss keine Entschuldigung für den Verlag, sich mit der Herausgabe dieses Bilderbuches als völlig unbedarft in Sachen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gezeigt zu haben.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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