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Büchernachlese-Extra: Mythen, Sagen und Märchen

Shane Jones

Thaddeus und der Februar

Roman. Aus dem Englischen von Chris Hirte. Illustrationen: Ria Brodell. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2010. 176 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-8218-6107-4, >>> Amazon

Der Februar, ein trauriger junger Mann, hat die Jahreszeiten außer Kraft gesetzt und beherrscht seit vielen hundert Tagen die Stadt. Erst darf nichts darf mehr fliegen, weder Vögel noch Papierdrachen, dann verschwinden auch noch die Kinder. Schließlich ziehen Thaddeus, der Ballonfahrer, und einige andere wie die Gruppe Zylinder tragender Männer, die sich "Der Ausweg" nennen, in den Krieg gegen den Februar ...
Wer geglaubt hat, "Neue Märchen" hätten sich nach ihrem Hoch in den 1980ern überlebt, wird nun auf einmal mit Shane Jones und seinem "Thaddeus und der Februar" konfrontiert.
Zuerst 2009 in einem US-amerikanischen Kleinstverlag vorgelegt, vermochte der Autor die Filmrechte noch im selben Jahr an Spike Jonze ("Wo die wilden Kerle wohnen") zu verkaufen. Zudem wurde 2010 der Titel von Penguin Books neu herausgegeben - und zeitgleich liegt nun bereits eine deutsche Übersetzung vor.
Dabei entzieht sich "Thaddeus und der Februar" allein schon einer eindeutigen Gattungszuordnung. Angesichts des luftigen Satzspiegels der 176 Seiten im sehr beschnittenen Din-A-5-Format trifft die des Verlages mit "Roman" jedenfalls nicht zu. Die sehr verdichtete, poetische und offenbar gekonnt ins Deutsche übertragene Sprachregelung verweist hier eher auf eine "Novelle", wiewohl sich die Geschichte wegen ihrer lyrisch aufgeladenen Form jeder Linearität entzieht. Es ist gleichsam so, als würden aus den zerfließenden Taschenuhren Salvador Dalís Worte aufsteigen, derart surreal reiben sich hier Traumwelten und Archetypisches wie der Bau einer Arche, um den variierenden Antagonismen von Kälte und Sehnsucht nach Wärme am Ende ein "und doch" entgegenzusetzen.
Eskapismus? Nein, auch wenn das Ende hoffnungsvoll ist, müssen sich die Leser hierfür erst durch die Spiegelung zahlreicher Schrecken kämpfen, die wie bei Lewis Carroll oder den ungekürzten Gebrüdern Grimm nichts beschönigen und einen oft genug auf eigene Empfindungen zurückwerfen. Wer das scheinbar sattsam Bekannte im ganz Anderen sucht, sollte sich also dieses Leseerlebnis nicht entgehen lassen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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