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Maria Kolenda

Vom Liebesleben der Stechpalme

Roman. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2012. 281 Seiten. 9,90 Euro. ISBN: 978-3-8392-1293-6, >>> Amazon

Groß, sportlich, gut aussehend, doch leider bereits Anfang 40, geschieden und nicht nur deshalb deprimiert, sucht Valeska Lem ihrem Abwärtstrend etwas entgegenzusetzen. Ihr Übersetzungsbüro in Berlin läuft zwar schlecht, aber immerhin hat sie jetzt einen anderweitigen Auftrag erhalten, sogar inklusive Vorschusshonorar. Sie soll über außergewöhnliche Liebesgeschichten in ihrer Heimat schreiben und hat so auch die Möglichkeit ihre alte Jugendliebe mit Jan aufzufrischen. Doch kaum in Polen angekommen und wiewohl charmant wie eh und je, stellt sich dann doch wieder eine neue Hürde auf - die Polizei beschuldigt Jan der Unfallflucht, bei dem ein Konkurrent von ihm ums Leben kam. Selbstverständlich sucht Valeska ihre alte Liebe zu entlasten, wie und wo sie kann. Nur gut, dass sie ein Auto zur Verfügung bekommen hat, wenn auch nur mitsamt seinem in der Nachbarschaft lebenden Besitzer, der sich als frisch gebackener Detektiv nur allzu gern zu beweisen sucht ...
Maria Kolenda, geboren in Weißrussland und in Polen aufgewachsen, lebt seit 1981 in Berlin und gibt in "Vom Liebesleben der Stechpalme" dem Affen reichlich Zucker, ohne dass man Ende davon zuviel oder gar genug hätte.
Aus der Perspektive ihrer Heldin Valeska Lem werden die Leser nicht nur nach Polen entführt, sondern auch mit zahlreichen, nicht selten ziemlich exzentrischen Personen konfrontiert, von denen kaum eine ohne doppelten Boden ist - selbst Valeskas Bulldogge Ben ist davon nicht ausgenommen.
Der sprunghafte Dialogwitz in diesem Roman erinnert an Tucholskys "Rheinsberg" oder "Schloß Gripsholm" und spitzt aus legitimer Innensicht heutige und vom einst "realen Sozialismus" geprägte Klischees ebenso gekonnt zu wie er nonchalant das Leiden am Altern und an den Konkurrenzen zwischen und unter den Geschlechtern einbindet. Das Alles mit einer virtuosen Leichtigkeit, die auch auf dünnem Seil die nur allzu anziehenden Abgründe platten Klamauks sicheren Fußes überwindet. Immer dann, wenn man meint, jetzt droht die Überdehnung einer Pointe, setzt Kolenda noch eine drauf, und wenn das nicht reicht, wie etwa vor dem letzten Drittel, da eröffnet sich auch gleich ein neuer Strang, der die Zugkraft eines spannenden Krimis entwickelt.
Ein wunderbarer Unterhaltungsroman also, der mit intelligenten Witz nie mehr will als das eine - uns Leser blendend zu unterhalten.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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