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Norbert und Stephan Lebert

Denn Du trägst meinen Namen

Das schwere Erbe der prominenten Nazi-Kinder. Karl Blessing Verlag, München 2000. 223 Seiten. 42,- DM. ISBN: 3-89667-105-7, >>> Amazon

Die Geschichte läßt sich nicht abschütteln. Noch immer muß man sich in Deutschland schämen. Nicht nur für den virulenten Rechtsextremismus bei Alt und Jung, sondern eben auch für das ihm zugrundeliegende mangelnde Mit- und Verantwortungsgefühl gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus. Neue Opfer werden zu Boden getreten, und was die Wirtschaft nach wie vor den noch lebenden Zwangsarbeitern verweigert oder was manch populistischer Politiker sich schon wieder zu sagen wagt, spottet schlechterdings jeder Beschreibung.

Und darauf ein Buch über die Kinder prominenter Nazis? Ja, auch wenn es doch nur wieder von denen gelesen werden wird, die sich sowieso schon mit unserer Geschichte auseinandersetzen. Die Kinder von Heß, Bormann, Himmler, Göring, von Schirach und Frank sind heute zwischen 60 und 70 Jahre alt. 1959 wurden sie von Norbert Lebert für die 'Weltbild' interviewt. Diesen Interviews stellt sein Sohn Stephan Lebert nun neue Interviews gegenüber und kommentiert sie aus der Sicht eines Mannes, dessen Vater froh war, bei Kriegsende erst 15 Jahre alt gewesen zu sein. Norbert Lebert war nämlich begeisterter Angehöriger der HJ und sah sich im Nachhinein nur allzu bereitwillig in der Nazi-Hierarchie aufsteigen. Dieses aufgeklärte Vater-Sohn-Verhältnis korrespondiert mit den nach wie vor verbohrten Weltsichten solcher Kinder wie die von Heß und Himmler und den an der Last ihrer Vergangenheit beinahe zerbrechenden Lebensläufen von Niklas Frank oder Klaus von Schirach. Das zerreibt sich nicht in wissenschaftlicher Pedanterie, sondern eröffnet gerade im Stil eines sauber recherchierten, eingängig zu lesenden Feuilletons jene Nähe, die auch den Leser zur Anteil- und zur Stellungnahme ermutigt. Wogegen sich das Buch richtet, ist völlig unzweideutig. Gerade aber auch das Mitgefühl für diese Kinder, selbst für die verbohrten, läßt einen sich selbst in seiner womöglich leichtfertigen Selbstgerechtigkeit hinterfragen und aufs Neue Antworten suchen - nicht zuletzt für die weitere Zukunft unserer Gesellschaft, die nur mit einem klaren Blick auf die Vergangenheit über sich selbst hinauswachsen und endlich ihre Verantwortung übernehmen könnte.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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