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George Ella Lyon

Lawandas Leben

Roman. Aus dem Amerikanischen von Monika Osberghaus. Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim 2000. 275 Seiten. 24,80 DM. Ab 16 Jahren. ISBN: 3-407-80869-0, >>> Amazon

Lawanda ist kurz vor dem Absprung. Mit ihren 15 Jahren hat sie genug von der Enge daheim. Um jedoch als erste in ihrer Familie das College besuchen zu können, muß sie Geld verdienen. Gar nicht so einfach in einer kleinen Stadt. Bleibt nur, von Tür zu Tür Zeitschriftenabonnements anzubieten. Zu dem alten Garland traut sich kaum noch einer hin, aber Lawanda versucht auch bei ihm ihr Glück. Er ist freundlicher als erwartet und bestellt zwei Zeitschriften. Außerdem ist der alte Kriegsveteran in seiner widerspenstigen Art ein durchaus horizonterweiternder Gesprächspartner, den sie von jetzt an öfter besucht. Doch dann versuchen einige Kinder Garlands Wohnwagen in Brand zu setzen, und bei der anschließenden Untersuchung des Vorgangs gerät dem Sheriff das Tagebuch von Garland in die Hände. Einige Zeilen darin reichen dem Sheriff, Garland auf der Stelle zu verhaften. Als Lawandas Vater erfährt, daß Garland sich womöglich an seiner Tochter vergriffen hat, gerät er völlig außer sich.

Der deutsche Titel 'Lawandas Leben' ist irreführend. Lawanda wird zwar zum Auslöser einer tragischen Kette von Ereignissen, und sie ist von George Ella Lyon gewiß auch als Identifikationsfigur in Szene gesetzt worden, aber die Autorin fordert hier weit mehr, als die übliche Anteilnahme für eine Heldin. So erzählt sie nicht einfach aus einer Perspektive, sondern schreibt die Handlung jeweils aus der Sicht der beteiligten Akteure fort. Neben Lawanda und dem zutiefst verletzten Garland sind das die Eltern June und Howard, die Großmutter Marma, die über geheimnisvolle Heilkräfte verfügt, aber auch Nebenfiguren wie der Sheriff und Howard's Boss bestimmen die Tonlage ganzer Kapitel. Allen gemeinsam ist eine unverschnörkelte Sprache, die mit klar strukturierten Hauptsätzen auskommt. Authentisch, kraftvoll, und mit einer immer wieder aufscheinenden Poesie, die so manchem Blues oder Rap alle Ehre machen würde. Im Original ist das Buch denn auch weit treffender mit 'With a Hammer for my Heart' überschrieben. Alle Protagonisten, selbst der in seiner vorurteilsbeladenen Dummheit Lawandas Leben gefährdende Vater haben Herz und meinen es auf ihre Weise wirklich gut. Sich dieser Sichtweise zu stellen, ist nicht nur für jugendliche Leser eine verstörende wie gewinnbringende Zumutung. Ein mitreißendes, im besten Sinn generationenübergreifendes Stück Literatur, das unverstellt Leben spiegelt.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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