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Jenn Lyons

Der Untergang der Könige - Drachengesänge 1

Fantasy-Roman. Aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter und Michael Pfingstl. Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019. 863 Seiten. 25,00 Euro. ISBN: 978-3-608-96341-0, >>> Amazon

Khirin sitzt im Kerker und wird von Klaue, einem sehr wandlungsfähigen Ungeheuer, in der Gestalt einer hübschen jungen Frau bewacht. Sie hat Khirin einen unscheinbaren Stein durch die Gitterstäbe zugeschoben mit der Aufforderung, ihr seine Geschichte zu erzählen und dabei den Stein in der Hand zu halten. Der Stein ist magisch und vermag das Gehörte in sich zu bewahren. Da Khirin in der Zelle auf sein schreckliches Ende durch einen Dämon wartet, will er sich dem Wunsch erst verweigern, aber Klaue droht sehr glaubhaft, dann eben seine Eltern zu besuchen, sie buchstäblich aufzufressen und ihm immer und immer wieder vorzuspielen, wie sie gestorben sind. Und so beginnt Khirin zu erzählen - und zwar im Wechsel mit Klaue, die dank der zahlreichen einverleibten Freunde und Feinde Khirins seine Geschichte weit früher zu beginnen und aus deren Perspektive zu erzählen vermag
Jenn Lyons legt mit "Der Untergang der Könige - Drachengesänge 1" den ersten dickleibigen Band eines High-Fantasy-Epos vor, in dem durchweg überzeugende Charaktere ihren Auftritt haben und der nicht nur bekannte Fantasy-Themen wie das einer Heldenreise und deren Voraussetzung neu zu variieren vermag, sondern auch mit einigen Überraschungen aufwartet.
So durchläuft Khirin in den asynchronen Erzählungen von und über sich selbst eine genretypische Entwicklungsgeschichte, beginnend als Dieb bzw. potentielle Diebstahlsopfer ausspähende "Krähe" und laut Klaue als Sklave, die zuletzt jedoch auch noch weit vor seiner Geburt ansetzt - denn der Tod ist nicht unbedingt das Ende bzw. in den Königreichen gibt es weit Schlimmeres als den Tod zu fürchten. Alle anderen Protagonisten verändern ebenfalls ihre anfänglichen Rollen, wenn nicht sogar ihre Gestalt. Treue und Verlässlichkeit sind da ein rares Gut. Die zahllosen Konflikte zwischen Adelshäusern, Zauberern und Dämonen münden schließlich in eine Schicksalsfrage, die alle Königreiche der "bekannten Welt" erschüttern wird.
Die Erzählungen von Khirin und Klaue werden übrigens zuweilen noch von einem anderen kommentiert, der später auch selbst in Erscheinung tritt und sich zum Ende des Buches als Berichterstatter einer Kaiserin zu erkennen gibt. Neben so mancher geschilderten Grausamkeit bilden auch diese Kommentare zu den Geschehnissen in einer opulent ausgestalteten Fantasywelt ein zuweilen schwarzhumoriges Gegengewicht.
Das alles liest sich sehr flüssig und ist hoch spannend bis zur letzten Seite. Wer immer noch auf den 3. Band von Patrick Rothfuss wartet oder auch einen Kevin Hearne zu schätzen weiß, der wird nach der Lektüre dieses Bandes sehnlichst auf den zweiten Band der Drachengesänge von Jenn Lyons warten - im englischen Original liegt er unter dem Titel "The Name of All Things" bereits vor

Buechernachlese © Ulrich Karger


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