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Michael Marrak

Lord Gamma

SF-Roman. Bastei Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2002. 558 Seiten. 7,90 Euro. ISBN: 3-404-24301-3, >>> Amazon

Deutsche Science Fiction Autoren, die auf Augenhöhe mit den marktbeherrschenden angelsächsischen Vorbildern in Wettstreit treten können, schienen bislang dünn gesät. Oft nur gut gemeint, gemahnten einen die Tolkien oder Terry Pratchett Parodien eher an das Genre des unfreiwilligen Horrors.
Erstaunlicherweise ist es nun nicht der um die SF verdiente Heyne Verlag, sondern Bastei Lübbe, der gleich zwei Autoren deutscher Zunge herausbringt, die aufhorchen lassen. Zum einen Andreas Eschbach, der nach "Das Jesus Video" und "Eine Billion Dollar" (seit November 2003 auch als Taschenbuch erhältlich!) dieses Jahr gewiss auch mit "Der letzte seiner Art" Furore machen wird, und daneben Michael Marrak, dessen "Lord Gamma" bereits letztes Jahr bei Lübbe als TB erschienen ist (im Original bereits 2000 im Berliner Shayol Verlag) und seit diesem Jahr auch in französischer Übersetzung vorliegt.
Da Andreas Eschbach kaum noch einem vorgestellt werden muss, sei hier nun spät, aber hoffentlich nicht zu spät Michael Marrak die Ehre gegeben, dem der ältere Kollege auf dem Cover bescheinigen lässt: "Michael Marrak hat das Zeug, der deutsche Iain Banks zu werden!"
"Lord Gamma" ist für Stan Ternasky zuerst lediglich eine immer wieder nervende Stimme aus dem Radio seines uralten Pontiac, der ohne Motor eine schnurgerade Straße mit 4 bis 5 prozentigem Gefälle abrollt. Scheinbar für ewig. Stan hat bereits gut 6000 km hinter sich gebracht, alle 160 km unterteilt von unsichtbaren Barrieren, die nun schon den fünfzehnten Klon seiner Lebensgefährtin Prill in Nichts haben aufgehen lassen. In der Mitte jeder 160-km-Zone sind unterirdische Kolonien, in denen Stan jenen Klon finden muss, der dieser Barriere einmal widersteht und ihm dann zum Prill-Original verhilft - und im Idealfall auch wieder zur Rückkehr auf die Erde in den normalen Alltag des Jahres 2017...
Vom Fokus eines Alptraums weitet sich dieser von drei Erzählfäden durchwebte Roman zu einem kosmischen Finale, das vor allem durch die vierte Dimension der Zeit bestimmt wird. Hierfür findet Marrack genau die richtige Mischung in Stans schnoddrigem Antiheldentum und den en passent eingearbeiteten, durchaus eingängigen spekulativen Theorien, die von der "Wirklichkeit" immer noch eins draufgesetzt bekommen. Die Steigerung von Klon ist dann z.B. die geistige Quintessenz einer gesamten Menschheit in BRAS, einem überdimensionalen Hochleistungscomputer auf dem Mond.
Höchst unterhaltsam und auch über die zuletzt gelesene Seite hinaus beeindruckend wird in "Lord Gamma" das Beste eines jeden SF-Romans durchdekliniert: Horizonterweiterung über unseren Planeten hinaus - in aller Ehren werter Konkurrenz nicht nur zu Iain Banks, ausgezeichnet im Jahr 2000 mit dem Kurd Laßwitz Preis.

[Wer mehr von und über Michael Marrak nachlesen will, dem sei seine Homepage unter www.michaelmarrak.de empfohlen. Hier finden sich auch Infos zu aktuellen und ebenfalls bereits mehrfach ausgezeichneten Produktionen sowie die Namen der Originalverlage, in denen Marraks Bücher erschienen sind. Da wird schnell deutlich, dass es neben den SF-Taschenbuchgrößen offenbar auch eine Vielzahl kleiner Verlage gibt, die sich um die SF bemüht ]

Buechernachlese © Ulrich Karger


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