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Ragnar Ohlsson

Der Sinn des Lebens

Roman. Carl Hanser Verlag, München 1999. 101 Seiten. 19,80 DM. Ab 15 Jahre., >>> Amazon

In Häggvik, einem Vorort Stockholms, soll ein Haus abgerissen werden. Es steht einer geplanten Umgehungstraße im Weg. 23 jugendliche Mitglieder der Umweltgruppe 'Die Masken' besetzen das Haus, und es gelingt ihnen fürs Erste den Abriß zu verhindern. Inwieweit diese Besetzung nachhaltigen Erfolg haben wird, bleibt jedoch bis zuletzt offen.
Für den schwedischen Autor und Philosophiedozenten Ragnar Ohlsson bildet diese Szenerie lediglich den Ausgangspunkt für weit folgenreichere Fragen. So überlegt der achtzehnjährige Arvid während seiner ersten Nachtwache, wie es mit seinem Leben nun weitergehen soll. Soll er sich eine Frist setzen oder für diese Aktion notfalls auch ganz vom Gymnasium abgehen? Im Gespräch mit den anderen erörtert er dann, ob sie alle nun eigentlich einem freien Willen folgen oder lediglich die Rolle in einem vorherbestimmtem Schicksal spielen.

'Der Sinn des Lebens' - nicht mehr und nicht weniger steht in den weiteren Dialogen zur Debatte. Insbesondere Arvid drängt es in den neun Kapiteln dieses Buches immer mehr nach genauen Antworten. Er nimmt deshalb auch bald die Einladung Haralds an, bei ihm in der Bibliothek vorbeizuschauen. Der Bibliothekar hatte in den 60ern Philosophie studiert und kann ihm zwar keine erschöpfenden Antworten geben, Arvids Überlegungen aber die Kernsätze philosophischer Vordenker wie Aristoteles, Berkeley, Kant und vieler anderer gegenüberstellen. Daß die Rahmenhandlung nur Mittel zum Zweck ist und selbst einen 'bekifften' Hausbesetzer noch druckreif reden läßt, stört hierbei kaum. Sie gewährt nämlich immerhin soviel Bodenhaftung, daß der Kitzel philosophischer Erörterung wirksam wird und einen gefangen hält.

Neben der Frage nach der Handlungsfreiheit ergeben sich für die Jugendlichen Fragen zu Egoismus, Tod, Identität, ziviler Ungehorsam, Staatsführung durch die 'Besten' und wegen einer ungeplanten Schwangerschaft auch die nach dem Beginn menschlichen Lebens. Die gelungene Kombination aus konkret entfalteten Bezügen und einer eingängigen Sprachregelung entfacht dann bei der angedachten Zielgruppe sicherlich die Lust auf mehr solch 'sokratischer Gespräche'.
Im Anhang werden denn auch weiterführende Literatur vorgestellt und zu den Kapiteln Tips für eine jeweilige Erstbegegnung gegeben.
Als durchaus ansprechender wie anspruchsvoller Appetithappen philosophischer Weltsichten ist dieses Buch jugendlichen Heranwachsenden sehr zu empfehlen, insbesondere auch als anregende Lektüre innerhalb eines Klassenverbandes.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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