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Phillip P. Peterson

Vakuum

Roman. Tor Verlag, Frankfurt a. M. 2020. 494 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-596-70074-5, >>> Amazon

Colin Curtis hat sich lange darauf vorbereitet - nun ist es endlich soweit und er soll als Astronaut auf dem Mond landen. Doch kurz vor dem Count-down wird das Landemanöver abgebrochen und er muss zurück in das Mutterschiff. Die Astronomin seiner Crew hat ein außerirdisches Raumschiff entdeckt, das sich erst mit großer Geschwindigkeit unserem Sonnensystem nähert und dabei eine ausschließlich physikalische Formeln umfassende Funkbotschaft sendet, um dann wie auf der Flucht davonzurasen. Nahezu zeitgleich empfängt das von der Physikerin Susan Boyle betreute Neutrino-Teleskop in der Arktis ungewöhnlich starke Signale, die dem vergleichsweise nahen Hyaden-Sternhaufen zu entstammen scheinen - aus dem nach und nach die Sterne verschwinden. Und von dort breitet sich immer weiter eine sternlose Schwärze Richtung Erde aus
Mit "Vakuum" legt Phillip P. Peterson (eigentlich Peter Bourauel) einen dystopischen Science-Fiction-Roman mit dem derzeit wohl ultimativ düstersten Plot vor. Denn in ihm droht nicht nur der Menschheit, sondern gleich dem ganzen Sonnensystem das endgültige Aus. Selbst im besten Falle können in dem errechneten Zeitraum von zwei Jahren bis zum "Vakuumzerfall" der Erde nur etwa zweitausend Menschen einen Überlebens- bzw. Fluchtversuch in einem ein Kilometer langen Raumschiff unternehmen.
Für das Wahrscheinliche oder (Un-)Mögliche eine solchen Szenarios, allein was den "Vakuumzerfall" und das Technische zum Erreichen von nahezu Lichtgeschwindigkeit eines Raumschiffs mit 2000 Menschen betrifft, nennt der Autor im Nachwort einige Belege, wonach die grundlegenden Ideen dafür schon (z.T. sehr viel!) älteren Datums sind, aber auf seriöser Basis fußen. Unkundige bzw. nicht ausreichend mit spezialisierten Kenntnissen ausgestattete Leser lassen sich aber auch ohne diese Belege dank der durchaus flüssigen Sprachregelung zumindest für den Moment der Lektüre schon davon überzeugen, dass die Voraussetzungen für all das in sich plausibel sein könnten.
Und natürlich will man wissen, wie sich die Erkenntnis über das zeitnah unumstößliche Ende unter den Menschen Bahn bricht und welche verzweifelten Lösungsversuche dieser Erkenntnis folgen. Aber spätestens nach Zuklappen der letzten Seite scheint einem doch so Manches fraglich an diesem Roman. Gerade weil dieser Autor deutscher Herkunft lt. Wikipedia promoviert wurde und u.a. als Ingenieur für zwei Jahre beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt angestellt war, bevor er sich gänzlich der Schreiberei zu widmen begann.
Denn seine Zentrierung auf die USA als alleinig fähige Staatsmacht zur Findung der Lösung samt Netflix typischer Heldengenetik einzelner Protagonisten ist schon arg opportunistisch nach der Speckseite eines erhofften Absatzmarktes für diesen Titel geworfen. Einzig China und Russland werden immerhin noch sehr kurz am Rande als Staaten abgehandelt, die ähnliche Rettungsprojekte wie die USA versuchen, von Europa aber ist gar nicht erst die Rede. Auch das Timing, wie lange das Alltagsleben relativ ungestört seinen Fortgang nimmt und sich erst kurz vor dem Start der Rakete die Bandbreite von selbstzerstörerischer Apathie bis zur mörderischen Plünderung bemerkbar macht, ist nicht ausreichend begründet und scheint mehr als unglaubwürdig - denn so sehr lenken die Baumaßnahmen der Rakete die Leser nicht von den Gedanken um den "Rest der Welt" ab.
Schade, aber an dem eingangs erwähnten starken Plot hat sich der Autor offenkundig verhoben

Buechernachlese © Ulrich Karger


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