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Joseph Kardinal Ratzinger

Salz der Erde

Im Gespräch mit P. Seewald.
Christentum und kath. Kirche an der Jahrtausendwende
Stuttgart, DVA Verlag, 1996, 302 S., ISBN: 3-421-05046-5, >>> Amazon

Zugegeben: Beim Bestellen eines Buches mit und über Joseph Kardinal Ratzinger ging es mir zuallererst um das Bestätigen von Vorurteilen. Ratzinger ist immerhin Präfekt der Glaubenskongration, jene zentrale Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholisch kirchlichen Lehre, deren Vorläufer-Organisation die Inquistion war.
Das ausführliche Gespräch mit dem aus der Kirche ausgetretenen Journalisten Peter Seewald wurde SALZ DER ERDE überschrieben. Wenn der Kardinal auf Fragen nach dem Zölibat antwortet oder sich zur grundsätzlichen Rolle der katholischen Kirche innerhalb von Unterdrückungssystemen und ihr nahestehender Organisationen wie der italienischen Partei Democrazia Cristiana äußert, bestätigt er das bereits Gehörte: Holprige und blindfleckenreiche Analysen, die verweihräucherte Schlußfolgerungen im Gefolge haben. Da helfen dann auch keine hartnäckigen Nachfragen.
Dennoch ist mehr als die Hälfte des Buches für Überraschungen und Bedenkenswertes gut. Ratzingers Betrachtungen über Fraktionierungen und Sektenbildungen innerhalb der Kirchen, das Verhältnis zu anderen Religionen oder das Akzeptieren künftiger Beschränkungen im Status der (Volks-)Kirchen beweisen hohe Achtsamkeit und sensible Argumentationslinien. Auch was gerade das Verhältnis zum Judentum und die Verantwortung von Christen am Holocaust angeht, findet er deutliche Worte, auf die man bei katholischen Würdenträgern lange warten mußte. Dieses Buch ist mithin wirklich ein Novum.
In den drei Kapiteln "Zur Person", "Probleme der katholischen Kirche" und "An der Schwelle der neuen Zeit" bezieht ein hohes Mitglied der Kurie Stellung, dessen Positionen zwar kaum alle nachzuvollziehen, jedoch wegen ihrer glaubhaften Authenzität und dem angenehmen Mangel an Selbstgefälligkeit zumindest zu respektieren sind. Das hohe Niveau dieses Buches ist aber nicht zuletzt auch Peter Seewalds Verdienst, der, offenkundig sehr gut vorbereitet, keine noch so brisante Frage ausgelassen hat, dabei aber nicht der Verführung polemischer Vorkommentierung erlegen ist.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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