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Dagmar Rohnstock

Zeit- und Selbstmanagement für Lehrende

Cornelsen SCRIPTOR Verlag, Berlin 2007. 160 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978-3-589-22454-8, >>> Amazon

Gegen Klischees anzugehen, wie das von den "faulen Säcken", macht wenig Sinn, fallen sie doch letztlich sowieso auf ihre(n) dummdreisten Verkünder zurück - aber dennoch schmerzen sie und tragen nicht wenig dazu bei, den Lehrkräften an unseren Schulen im wahrsten Sinn des Wortes den letzten Nerv zu rauben. Der Widerspruch aus gewachsenem und in politischen Sonntagsreden immer aufs Neue postulierten Anspruch bei gleichzeitig sich eminent verschlechternden Arbeitsbedingungen - und damit sind keineswegs nur die für Gehaltsempfänger mittlerweile allgemein üblichen Verschlechterungen gemeint - führt die Menschen dieses Berufsstandes nicht selten in die Krise und zu solchen Krankheitsbildern wie dem des Burn-Out-Syndroms.
Gegen diesen Reflex, im Bildungsbereich Einsparungen und steigende Anforderungen ans Personal in einem Atemzug zu verhandeln, kämpfen u.a. die Gewerkschaften bislang mit wenig Erfolg an - also bleibt nur noch die Resignation?
Dr. Dagmar Rohnstock sagt "Nein" dazu und zeigt in "Zeit- und Selbstmanagement für Lehrende" Wege auf, wie dem Lehrberuf trotz aller Widrigkeiten wieder mehr Freude abgewonnen werden kann.
Nach knapp 30-jähriger Schulpraxis als Lehrerin und anschließender Weiterbildung zur Mediatorin und Trainerin für Zeit- und Stressmanagement arbeitet die Autorin inzwischen u.a. als Mediationsbeauftragte der Schulstiftung der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und als bundesweit gefragte Trainerin in der Lehrerfortbildung.
Sie leitet ihr Buch mit der Erkenntnis ein, dass Lehrkräften derzeit nichts anderes übrig bleibt, als "vorrangig nach individuellen und kollegialen Chancen im System zu suchen und dabei die eigene Gesundheit eben nicht aufs Spiel zu setzen, auch zum Wohl der Schule".
In neun Kapiteln erörtert sie dann sehr überzeugend, wie die eigenen Ressourcen zu einem Mehr an Lebensqualität und Zufriedenheit im Beruf genutzt werden können. Dafür spricht sie ihre Zielgruppe direkt an und ermuntert von vorneherein zu einem emanzipierten Umgang mit ihren Ausführungen. Grob zusammengefasst geht es Rohnstock um eine Schulung der Selbstwahrnehmung, auf deren Grundlage eine Neustrukturierung und sinnvolle Rhythmisierung der inner- wie außerschulischen Arbeitsfelder mit dem privaten Leben in ein gesundes Gleichgewicht gebracht werden können.
Jedes Kapitel wiederum in vier bis acht Unterpunkte gegliedert, bildet jeweils eine unter '0' kurz entfaltete "Lebensbaum"-Metapher den Auftakt - hierzu merkt Rohnstock an: "Wenn Sie dieses Bild eher stört oder wenn Sie es persönlich nicht nachvollziehen können, dann überspringen Sie am besten jeweils den mit 0 bezeichneten Kapitelteil und stützen sich auf die sachlichen Ausführungen."
Spätestens diese "sachlichen Ausführungen" im Anschluss dürften dann aber auch wirklich alle Angesprochenen "ins Boot holen". Fallbeispiele aus der Praxis, prägnant auf den Punkt gebrachte Zitate aus spezifisch wissenschaftlichen Studien zur angesprochenen Thematik bilden stets den Ausgangspunkt für anschauliche Hinweise und konkrete Übungen, wie der und die Einzelne sich neu wahrnehmen und ggf. auch neu organisieren können. Und tatsächlich erteilt die Autorin an keiner Stelle Rat-Schläge, sondern ermutigt vielmehr immer wieder dazu, für sich selber einen gängigen Weg zu finden.
Auf den letzten Seiten mit einem umfänglichen Literaturverzeichnis und einem hilfreichen Stichwortregister versehen, trifft dieses Buch nicht nur für bereits von Krankheit bedrohte oder gar betroffene Lehrer den richtigen Ton, sondern dürfte insbesondere auch für Berufsanfänger ein willkommen instruktives Vademekum sein, um weder in eigen- noch fremdbestimmte Stressfallen zu geraten.
Ausdrücklich empfohlen als ein insgesamt höchst kompetent und eingängig verfasstes Buch, kann gerade deshalb am Ende nicht von einer Mäkelei abgesehen werden, die den z.T. etwas an Ali Mitgutschs Wimmelbilderbücher gemahnenden Illustrationen geschuldet ist - denen wünscht man für die gewiss bald anstehenden Neuauflagen noch dringlich eine analog zum Text zielführendere Überarbeitung.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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