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Tommy Schmidt

Heaven's Gate

Roman. CulturBooks Verlag, Hamburg 2017. 357 Seiten. 15,00 Euro. ISBN: 978-3-95988-021-3, >>> Amazon

Der erfolgreiche Eventunternehmer Lasse Wiesenthal ist Ende fünfzig, da wird bei ihm eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, die den allmählichen, aber unaufhaltsamen Verfall körperlicher Funktionen bedeutet. Statt sich einem womöglich sogar jahrzehntelang währenden Leidensweg zu ergeben, will er sein vorzeitiges Ableben dank professioneller Hilfe zu einem Abschiedsfest machen. Ja mehr noch: Sein persönliches Schicksal führt zur Umsetzung seiner letzten Geschäftsidee, die das Sterben zum "ultimativen Event" in einem eigens errichteten Gebäudekomplex namens "Heaven's Gate" werden lassen soll. Wiesenthal findet dafür weltweit große Zustimmung und alsbald auch zahlungskräftige Investoren. Doch dann wirkt Murphys Gesetz, und alles geht schief, was schief gehen kann: Bürokratie, Proteste, Naturschutz, Pfusch, Schwarzarbeiter, Mafia, Bombenblindgänger und Betrug verzögern den Bau um Jahre, während Wiesenthals Ende immer näher rückt
Tommy Schmidt legt mit "Heaven's Gate" eine vielschichtig treffende Satire zur scheinbar völlig unpassenden Kombination "Sterbehilfe als Eventkultur" vor. Doch was heißt hier unpassend? Beerdigungen sind immerhin schon seit Jahrtausenden auf vielfältige Weise ritualisierte "Events", warum dann nicht auch das eigene freiwillige Sterben davor zum Event machen? Dazu bedarf es allerdings wie in dem Roman einer "nicht allzu fernen Zukunft", die aktive Sterbehilfe wie auch Organhandel gesetzlich liberalisiert hat. Und mit dieser Vorgabe zündet der Autor ein Feuerwerk an Szenen ab, die keineswegs nur das Zwerchfell strapazieren.
Die Sprachregelung eingängig und unprätentiös, ergibt scheinbar wie von selbst eine hohe Schlagzahl an Pointen, die bitterbösen Zynismus genauso auf den Punkt bringen wie einfach nur Situationskomisches und Anrührendes. Denn neben Allem, was mit der Geschäftsidee und ihrer Umsetzung zu tun hat, tickt ja auch noch die Uhr des sich als längst abgeklärt und mit allen Wassern gewaschen verstehenden Wiesenthal. So erfährt sein allmählich dann doch aufkommendes Selbstmitleid über die erst nur altersüblichen dann krankheitsbedingten Unzulänglichkeiten eine überzeugende Wandlung, die auch beim Leser eine ernsthafte Betrachtung von Leben, Tod (freiwillig oder unfreiwillig) und die eigene Nachwirkung herausfordert.
Gewiss provokativ, aber ebenso gewiss sehr unterhaltsam, gibt der einstige Medien- und Aktionskünstler und seit 2000 u.a. für eine Werbeagentur tätige Autor offenbar mit einiger Insiderkenntnis seinem Affen Zucker.
Für Freunde des schwarzen Humors ein Muss!

Buechernachlese © Ulrich Karger


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