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Stefan Schütz

Schmitters Mall

Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1994, 154 S., ISBN: 3-518-40642-6, >>> Amazon

In einer näheren Zukunft gehen wir nicht mehr in die Kaufhäuser, sondern wir wohnen gleich in ihnen. Diese Getthos heißen dann "Malls" und ersetzen die Außenwelt. Logisch, daß eine Mall auch einer Submall bedarf, um alles am Funktionieren zu halten. Logisch, daß die lobotomisierten Sklaven der Submall plötzlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen durchdrehen und die Herrschaft an sich reißen wollen. Zwei Detektive, eine Frau, ein Mann, sollen einem Serienvergewaltiger auf die Spur kommen, der sie sozusagen mit dem Komparativ von Gewalt in die Submall lockt. Logisch, daß nicht nur die beiden lediglich in einem amerikanisierten, rein funktionalen Pidgin-Kauderwelsch von sich Reden machen, das paradoxerweise aber noch immer von humanistischen Bildungszitaten beleckt ist. Logisch, daß ein zynischer Waffenhändler als einziger wieder einmal davonkommt ...
Der Plot von SCHNITTERS MALL hätte immerhin eine Vorlage für eine gelungene Horrorstory sein können, aber Stefan Schütz wollte mehr, wollte "Literatur" schaffen. So verschroben dieses Sprachungetüm aber auch daher gründelt - Avantgarde ist es nicht. Etwas ähnliches gab es schon in den frühen 60iger Jahren und zwar von Anthony Burgess (Clockwork Orange) und wesentlich besser. Schütz zieht zwar den richtigen Schluß, daß ein Ort die Sprache verändert, aber er verallgemeinert zu schnell und behauptet ohne weitere Erklärung den Verlust soziologischer Unterschiede bzw. den Verlust von Normen - warum sollte dann aber ein Waffenhändler, der nach heutiger Lesart nur schizophren sein kann, noch Waffenhändler sein? Der "Gott Bruno" mit seinem am Hundehalsband geführten Indianersklaven ist dann auch noch nicht einmal in seinem Zynismus stimmig. Noch fataler ist die ebensowenig bedachte Behauptung des Autoren, seine vergewaltigte Heldin wäre vor allem dadurch gedemütigt worden, weil sie die Vergewaltigung im tiefsten Innern angeblich doch ein wenig genossen hätte. Auch der nicht zuletzt mit dem Indianersklaven in Szene gesetzte Rassismus ist derart "kunstvoll" verworren eingebracht, daß sich so manch geschichtsloser Gesell in seiner Stumpfheit bestätigt sehen könnte. Fazit: Eine nicht fruchtbar provozierende, sondern nur unausgegorene Fingerübung, die lediglich vom dreisten Verkaufspreis überboten wird.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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