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Büchernachlese-Extra: Geschichten über Gott und die Welt

Christine Schulz-Reiss

Was glaubt die Welt?

Die fünf großen Religionen. Illustrationen: Werner Tiki Küstenmacher. Loewe Verlag, Bindlach 2004. 153 Seiten. 12,90 Euro. Ab 10 Jahren. ISBN: 3-7855-5211-4, >>> Amazon

Nun hat also auch der Loewe-Verlag ein religionskundliches Buch über die fünf Weltreligionen herausgebracht. "Was glaubt die Welt?" hätte sogar allen anderen den Rang abkaufen können, wenn nicht
Aber eins nach dem Anderen: Beginnend mit der ältesten asiatischen Religion des Hinduismus und dem sich davon abhebenden Buddhismus, setzt die Autorin Christine Schulze-Reiss die Reihenfolge chronologisch mit den drei Schriftreligionen Judentum, Christentum und Islam fort.
Sie stellt in ansprechend flüssiger Sprachregelung die jeweiligen Ursprungsgeschichten, heilige Orte, Glaubensregeln, Feiertage und Gebräuche vor und erläutert zum Ende hin sehr kindgerecht geschichtliche oder/und politische Zusammenhänge (z.B. Judenverfolgung oder 11. September 2001). Zwischen diese Realien hat sie zudem immer wieder kleine Einsprengsel aus der Erlebniswelt des Kinderalltags eingestreut, um nicht zu vermeidende Fachbegriffe gekonnt und mit viel Humor einzuführen.
Die zahlreichen Illustrationen von Werner Tiki Küstenmacher mit seinen knubbelnasigen Figuren unterstreichen diese Mischung aus seriöser Information und erhellendem Witz durchaus treffsicher. Doch leider scheint Küstenmacher die Texte nicht eingehend genug gegengelesen zu haben, denn als einstiger Pfarrer hätten ihm so manche der zwar nicht weltbewegenden, aber dennoch ärgerlichen wie unnötigen Ungenauigkeiten auffallen müssen.
So heißt es bei der Geschichte von Abraham und Isaak, dass die Menschen damals Tieropfer dargebracht hätten - sie haben aber damals eben vermutlich auch noch Menschenopfer dargebracht, dem nun mit dieser Geschichte ein Ende gesetzt werden sollte. Und Ostern kommt nicht von Osten, sondern von dem Fest zu Ehren der Frühlingsgottheit Eostrae, aus der die angelsächsisch-irischen Missionare 'Eastern' und wir dann 'Ostern' gemacht haben. Und Luther hat bei aller Wertschätzung nicht die erste Bibelübersetzung ins Deutsche, sondern die dank der sich gerade durchsetzenden Buchdruckerkunst die sich zuerst verbreitende (und dazumal auch beste) Bibelübersetzung ins Deutsche geleistet.
Kein Fehler aber eine verpasste Gelegenheit ist die lapidare Bemerkung, dass die Tora heute nicht wie ein uns bekanntes Buch aussieht, sondern eine Schriftrolle ist - warum hier kein kurzer Hinweis, dass die Schriftrolle die Urform des Buches war und alle Bücher damals so aussahen? Oder bei der Erläuterung zum Ruhetag, als "Gott vielleicht nur feiern wollte" - warum hier nicht der deutlichere Hinweis auf das Gebot, dass Gott den Menschen hier ein Vorbild ist und dieser besondere Tag der Rückbesinnung dienen soll, die während der Arbeit eben nur schwerlich zu leisten ist?
Wie gesagt, nicht weltbewegend, aber halt doch augenfällige Schludrigkeiten, die den oberflächlich guten Gesamteindruck dieses Buches nicht uneingeschränkt gelten lassen. Schade. Eine Nachbearbeitung für die zweite Auflage würde sich jedenfalls lohnen!

Buechernachlese © Ulrich Karger


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