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Büchernachlese-Extra: Biblische Geschichten für Kinder und Jugendliche

Peter Spangenberg

Die KleineUndGroßeLeuteBibel

Illustrationen: Fariba Gholizadeh. Schwabenverlag, Ostfildern 2010. 264 Seiten. 24,90 Euro. ISBN: 978-3-7966-1489-7, >>> Amazon

Peter Spangenberg, seines Zeichens Jahrgang 1934 und evangelischer Pfarrer im Ruhestand, hat mit "Die KleineUndGroßeLeuteBibel" ein Opus magnum vorgelegt, das leider nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann.
Das Erscheinungsbild dieses großformatigen Buches ist sehr einnehmend, nicht zuletzt auch dank der kindgemäß so anschaulichen wie fröhlichen aber keineswegs kitschigen Illustrationen von Fariba Gholizadeh. Nett auch die Idee, gleich zu Anfang auf das kleine Schaf "Sammy" hinzuweisen, das Kinder beim Vor- oder Selberlesen allerdings dann nur in einigen Bildern wiederentdecken können.
Die Geschichten aus dem Alten Testament nehmen bei Spangenberg mit knapp 110 Seiten etwas weniger Raum ein als das Neue Testament mit gut 130 Seiten. Zu jedem Text werden jeweils die bibelübliche Quellenbezeichnung und Kapitelnummer angegeben. Den Anhang bilden ein Nachwort des Autors sowie zwei Stichwortregister.
Im Vorwort stellt der Autor klar, dass die Bibel wichtig, aber eben kein Kinderbuch ist, und er sie deshalb "in eine neue Sprache" für Kinder zu bringen suchte. Und was seine Sprachfertigkeit angeht, muss man Peter Spangenberg ein großes Kompliment machen! Er hat einen suggestiven Erzählton, der augenblicklich zum Zuhören oder Weiterlesen verführt. Ohne jeden Pathos, zuweilen sogar auch Zweifel bekennend, bleibt dieser Erzähler stets spürbar und will verständlich machen, was und warum ihm gerade diese ausgewählten Texte wichtig sind. Neben dem Einweben hierfür nicht selten notwendiger Realienkenntnisse zum Verständnis der jeweiligen Geschichte sucht er zuweilen auch eine Verbindung zu den Erkenntnissen der Neuzeit herzustellen. So verdeutlicht er schon zu Beginn mit der Schöpfungsgeschichte, dass neueste naturwissenschaftliche Theorien nicht im Widerspruch zu dieser mehr als 2500 Jahre alten Geschichte stehen, da es in ihr allein um die Frage nach dem "Naturgesetzgeber" geht.
Doch genau die Stärke dieser so authentischen wie versöhnlichen Erzählweise ist zugleich auch, wenn schon nicht ihre Schwäche, dann doch auch eine interpretierende Verengung, die hier nicht unkommentiert bleiben kann.
Denn eine Vielzahl der biblischen Texte wurden dadurch auf "Spangenberg-Geschichten nach biblischer Vorlage" reduziert. Exemplarisch sei hier seine Geschichte des Propheten Jona angeführt. Während die dazugehörenden Illustrationen auf den bereits unter Wasser getauchten Jona einen Wal (sic!) zuschwimmen lassen, wird im Text nicht analog zur Bibel von Gott ein "Fisch" geschickt, vielmehr heißt es bei Spangenberg hierzu lediglich am Ende des 2. Jona-Kapitels:
"In dem Augenblick wurde Jona an Land geworfen, und es war ihm, als habe ihn ein großer Fisch auf Gottes Befehl aus dem Maul gespuckt."
Hier beweist der Autor zuwenig Vertrauen in die Struktur und Aussagekraft der Originaltexte - wie u.a. auch bei seinen vier ins "Kindgemäße" übertragenen bzw. abgeschwächten Psalmen. Hingegen überhaupt die Apostelbriefe in eine Kinderbibel einzuführen, mögen manche als gewünschte Festigungshilfe des Glaubens andere als unverhohlene, Kinder überrollende Missionierung ansehen.
Noch fataler sind Spangenbergs "gutgemeinte", in der Sache aber falsche Aussagen, wie z.B. in der Einführung zu "Vom Turmbau zu Babel", wo er schreibt:
"Es muss einmal eine Zeit gegeben haben, da sprachen die Menschen nur eine Sprache, das heißt, man verstand sich. So wie man sich heute vielleicht sogar wortlos versteht, wenn man sich lieb hat oder Musik macht oder ganz einfach glücklich ist. Solche Zeit hat es sicher einmal in der Welt gegeben."
Spätestens hier wäre ein Lektorat zum Widerspruch aufgefordert gewesen!
Zusammen ergibt das eine eigenartige Melange aus weltoffener Frömmigkeit, die eben auch zuweilen sehr eigene Wege in Sachen Exegese und Literarkritik der Bibel geht.
Wer jedoch per se Spangenbergs Auslegung und seine Geschichten nach der Bibel liebt, wird auch dieses Buch lieben. Auch Religionslehrkräfte können (nach eigener zuvor geleisteter Exegese und Literarkritik!) aus der Erzählweise Spangenbergs gewiss eine Menge Gewinn ziehen - selbst ex negativo.
Wer jedoch eine KinderBIBEL sucht, die kindgemäß aber dennoch auf die Kraft des Originals vertrauend so wort- und textgetreu wie möglich ist, für den bleibt Regine Schindler und ihr "Mit Gott unterwegs: Die Bibel für Kinder und Erwachsene neu erzählt" nach wie vor das Maß aller Dinge.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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