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Büchernachlese-Extra: Jens Sparschuh

Jens Sparschuh

Ich dachte, sie finden uns nicht

Zerstreute Prosa. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1997, 175 S., ISBN: 3-462-02657-7, >>> Amazon

Spätestens mit "Der Zimmerspringbrunnen" hat Jens Sparschuh im Osten wie im Westen Deutschlands anerkennende Aufmerksamkeit errungen - immer noch zu wenig, wie ich meine. Wo andere erigierte Riesenpenisse einsetzen, reichen ihm weit subtilere Mittel, die Mauer in unseren Köpfen zu durchlöchern. Gerade auch in seinem jüngst erschienenen Buch führt er vor, daß zwischen Hammer und Stichel eine breite Auswahl an gestalterischen Mitteln zur Verfügung stehen, wem sie denn zur Verfügung stehen.
ICH DACHTE, SIE FINDEN UNS NICHT ist die Titelgeschichte einer Auswahl von essayistischen Prosatexten, die u.a. bereits in der 'Zeit' oder im Hörfunk veröffentlicht wurden. Am Ende besagter Titelgeschichte steht er "zwischen Wahrheit und Wahrheit", was soviel meint, daß er die Ansprüche beider Seiten (es sind stets mindestens zwei Seiten) für irgendetwas (hier: Eigentum/Nichteigentum) als zwei Thesen verstehen kann, die mehr brauchen als nur Zeit, um zur Synthese zu finden. Bestes Feuilleton ist auch "Transitraum Berliner Zimmer" oder "Bahnhof Friedrichstraße", wo das Finale eines Absatzes lautet: "Der internationale Knotenpunkt im Schienennetz verwandelte sich in einen nationalen Knoten ... Punkt."
Egal, ob beim Entlarven Becher'scher Lyrik oder beim Aufsuchen von Jagdgründen der Kindheit - stets überlappen sich Betrachtungen äußerer Befindlichkeiten mit ureigenen Erfahrungen und Verhaltensmustern und umgekehrt. Sein Ausloten der Wortbedeutung durch Akzentverschiebung oder einfache Verdrehung überzeugt, da es eine Geisteshaltung unterstreicht, die offen ist, ohne dabei den Ausgangspunkt ihrer Analysen zu verleugnen. Und er hat Witz! Einen Witz der sich weit über regionale Larmoyanzen erhebt und gerade deshalb das Verständnis für die Unterschiede im Kleinen weckt. Bemerkenswert auch die drei Arbeiten, die vor dem 3.10.1990 veröffentlicht wurden. Sie zeugen bereits von einer feinsinnigen Widerspenstigkeit, als Maulkörbe noch zubeißen konnten. Der alte Jacobson jedenfalls hätte ihm in seiner WELTBÜHNE gewiß einige Spalten freigehalten ...

Weitere Besprechungen zu Werken von Jens Sparschuh siehe:
Büchernachlese-Extra: Jens Sparschuh

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