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Pavel rut

Die Sockenfresser

Roman. Aus dem Tschechischen von Alexander Kratochvil und Andreas Tretner. Illustrationen: Galina Miklínová. KJB Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2018. 303 Seiten. 14,99 EUR. Ab 8 Jahren. ISBN: 978-3-7373-4116-5, >>> Amazon

Ein Geheimnis wird gelüftet: Nicht die Waschmaschine lässt Socken verschwinden, sondern es sind Sockenfresser, die sich aufgrund des obersten Sockenfressergesetzes immer nur eine Socke eines Sockenpaares einverleiben. Die Folgen sind weitreichend: Vom die Ehe bedrohenden Streit bis zur Resignation des alleinstehenden Herrn Lorbeer, der seine Füße nur noch mit verschieden farbigen Socken zu kleiden vermochte. Alleinstehend? In Wirklichkeit beherbergten die Zwischenwände von Herrn Lorbeers Wohnung noch Kicher und seinen Großvater. Sie verzehrten regelmäßig Herrn Lorbeers Socken, die dieser immer wieder neu im Laden des Herrn Cha-Li erstand. Eines Tages hatte Kicher ungewollten Besuch von seinen Cousin-Zwillingen Ramses und Tulamor junior, die sich nur allzu gern über Kichers Namen lustig machten. Sie schlichen in Herrn Lorbeers Wohnung, um dort Unheil anzurichten, und Kicher, der das Schlimmste verhindern wollte, geriet am Ende in eine Mausefalle. Während die Cousins sich sofort verdünnisierten, geschah Kicher das, was einem Sockenfresser eigentlich nie passieren durfte: er wurde für einen Menschen sichtbar, in diesem Fall für seinen "Gastgeber" Herrn Lorbeer
Das bereits im Original seit 2008 vorliegende und 2009 mit dem bedeutendsten tschechischen Buchpreis "Magnesia Litera" ausgezeichnete Kinderbuch "Die Sockenfresser" von Pavel rut liegt nun auch in einer hinreißenden Übersetzung von Alexander Kratochvil und Andreas Tretner auf deutsch vor. So gelang es den Übersetzern vorzüglich, dem sehr eigenen tschechischen Humor Ausdruck zu verleihen, der hier zwischen beinharter Lakonie und geradezu poetisch magischen Momenten zu schillern weiß.
Neben Herrn Lorbeer ist unter anderem noch der lange Zeit unterschätzte Sockenfresserforscher Professor Krausekopf als Vertreter der Menschen zu erwähnen, der am Ende von einer Bedrohung zu einem echten Freund der Sockenfresser wird. Doch die Hauptrolle spielen natürlich die Sockenfresser selbst. Sie können durch kleinste Spalten schlüpfen und darüber hinaus sich gleich Chamäleons ihrer Umwelt anpassen und so für Menschen unsichtbar werden.
Während Kicher und sein Großvater jedoch sehr friedliebend sind, und Kicher vor allem seine in Afrika für notleidende Sockenfresser tätigen Eltern vermisst, war der Vater seiner Cousins früher ein Mafia-Boss, der sich im Alter auf einem Berg von Socken zurückgezogen hat. Eine nachgewachsene Generation von Sockenfresser-Gangstern will ihm nun allerdings diesen Sockenberg streitig machen und bringt dabei einmal mehr den schüchternen Kicher in höchste Bedrängnis.
Bis zum Happy End wartet die Geschichte mit turbulenten Abenteuern und sehr viel Situationskomik auf, was nicht nur Kinder spannend und zum Lachen finden werden. Und dass zudem alle Helden dieser Geschichte ihre Sicht auf sich und andere mehr oder weniger freiwillig ändern müssen, sorgt für nicht wenige Überraschungen. Last, but not least kommen hier auch Herzensangelegenheiten nicht zu kurz, die nahezu alle Beziehungsstadien von der Freundschaft bis zur Liebe betreffen.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen zudem die auf den Punkt gebrachten Illustrationen von Galina Miklínová, die mit viel Witz die Helden der Geschichte in Aktion zeigen.
Kurzum ein Buch, dass keinem Kind, das Socken trägt, vorenthalten werden sollte.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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