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Meike Stoverock

Das Strahlen des Herrn Helios

Ein Fall für Skarabäus Lampe. Hobbit Presse (Klett-Cotta Verlag), Stuttgart 2022. 258 Seiten. 22,00 Euro. ISBN: 978-3-608-98666-2, >>> Amazon

Der Hase Skarabäus Lampe mischt sich mal wieder in die Polizeiarbeit ein. Diesmal geht es um den Mord an dem Löwen Helios, der vor seinem Ableben Direktor eines kleinen Wanderzirkus war. Die städtische, zumeist mit Hunden besetzte Polizei ist den Kriminalfall mangels ordentlicher Ausstattung und fehlender Weitsicht offenkundig gleich mit ihren ersten Maßnahmen falsch angegangen. Skarabäus Lampe hingegen war schnell klar, dass hinter dem Mord weit mehr als die drohende Auflösung des Zirkus und die damit verbundenen Entlassungen der Mitarbeiter stecken würden
Meike Stoverock (bis 2020 Meike Lobo) legt nach ihrer Dissertation als Biologin und einem Sachbuch über "Femal Choice" mit "Das Strahlen des Herrn Helios - ein Fall für Skarabäus Lampe" ihren ersten Roman vor.
Ein solches Debüt wegen seiner fehlenden Qualitäten zu verreißen, wäre eigentlich verzichtbar - dieses aber ist in der für ausgezeichnete Science Fiction bzw. Fantasy (u.a. von J.R.R. Tolkien) bekannten Hobbit Presse erschienen.
So verspricht der Klappentext zwar eine "Welt voller ungewöhnlicher Phänomene", doch das meint allein aufrecht in Schuhen gehende und Kleider tragende Tiere, die mit ihren Händen z.B. wie der Hase nach einer Zigarette greifen können - nur das gab und gibt es halt schon seit Jahrzehnten in den Micky-Maus-Heften. Die Einführung von Skarabäus Lampe in der Rolle als "genialer Detektiv, analytischer Kopf und ganz nebenbei auch noch Hobby-Entomologe" bzw. Insektenkundler erfährt keine überzeugende oder gar Spannung erzeugende Entfaltung, auch wenn die Kleiderordnung samt Eisenbahnen als schnellstes Fortbewegungsmittel wie bei Sherlock Holmes an das Ende des 19. oder den Anfang des 20. Jahrhunderts gemahnen.
Anstelle eines Watson steht Skarabäus Lampe ein kindlicher Straßenkater namens Teddy an seiner Seite sowie mit dem Huhn Helene Pick sein ehemaliges Kindermädchen. Und am Ende wird dieser Fall mit Lampes bereits allseits bekannter "Marotte" abgeschlossen, alle potentiellen Verdächtigen zu versammeln und unter ihnen den Schuldigen zu präsentieren.
Davor ist so Manches eher unfreiwillig Komisches zu überblättern oder auch ärgerlich Klischeebeladenes, das dank einer sehr bieder patriarchalen und ironiefreien Verteilung der Geschlechterrollen (insbesondere bei den Hauptfiguren) und dem Umgang untereinander mit den 1950ern bei den Menschen wetteifert. Relevante Akteure auf der Untersuchungsseite sind bis auf eine männlich, und besagte weibliche Polizistin fällt dann auch noch als einzige dem gesuchten Mörder zum Opfer.
Da nützt auch keine als weibliche Killerin eingeführte Echse, für die höchst eigenartiger- und unerklärterweise Meister Lampe auch noch erotische Gefühle zu entwickeln vermag. Erotik oder gar Liebesgefühle über die Grenzen von Tierarten hinweg? Wird in dem Roman trotz ihres Biologiestudiums von der Autorin nirgends näher begründet oder erläutert.
Originelle Ansätze gibt es genau zwei: Der eine ist ein ebenfalls aufrecht gehender Fisch als Anwalt, der mit einem "Brieser" als für Kiemen passgerechter und in sich abgeschlossener Behälter mit Wasser und Sauerstoff ausgestattet ist. Dumm nur bei dieser Vorgabe ohne jedes Augenzwinkern zu behaupten, es gäbe unter derart ausgerüsteten Fischen auch Zigarettenraucher.
Des Weiteren werden von Skarabäus Lampe neben den besagten Eisenbahnen sowie noch langsamer-altvorderen "Automobilen" als Taxis auch noch äußerst preiswerte Dreischneck-Kutschen genutzt. Wie schon dem Namen der Zugtiere zu entnehmen, ein Gefährt, das halbe oder ganze Tage für eine sonst nur halbe oder ganze Stunden dauernde Fahrverbindung benötigt. Mit dieser Absurdität hätte man dem Affen (sic!) Zucker geben können (z.B. wenn diese Schnecken immerhin groß genug wären, um schwere Lasten zu ziehen) - aber die Autorin belässt das lediglich bei ein, zwei Nebenbemerkungen, wonach Lampe hier die Ruhe zum Nachdenken hätte.
Insgesamt alles sehr unausgegoren, weil nicht durchdacht und damit nicht in sich konsistent genug. Die Selbstbeweihräucherungsplattitüden des Meisterdetektivs kommen zu oft, und werden weder durch Witz oder gar Selbstironie entschärft, wie auch die einzigen vom Hasen "gefürchteten" Widerworte seines ehemaligen Kinderhuhnmädchens Helene Pick so vorhersehbar sind, wie das "Gute Nacht, John Boy" bei den Waltons.
Fazit: Weder kommt einem auch nur eine der Figuren nahe (auch und gerade nicht Herr Skarabäus Lampe!), noch wurde ersichtlich, warum hier vermenschlichte Tiere und nicht gleich Menschen die Handlungsträger waren, noch wurde es an irgendeiner Stelle zu irgendeinem Zeitpunkt hinsichtlich der Auflösung dieses Falls spannend oder im Sinne der Fantasy phantasievoll. Diesem Fall des Skarabäus Lampe muss also wahrlich kein weiterer folgen

Buechernachlese © Ulrich Karger


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