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E. U. v. Weizsäcker, A.B. und L.H. Lovins

Faktor Vier

Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch
Droemer Knaur Verlag, München 1995, 352 S., ISBN: 3-426-26877-9, >>> Amazon

Wissenschaftler haben errechnet, daß wir Menschen ab jetzt noch knapp 50 Jahre Zeit haben, Hebel in Bewegung zu setzen, um eine globale Katastrophe zu verhindern. Angesichts der Vielfalt und Beharrlichkeit menschlichen Zerstörungspotentials sind 50 Jahre nicht gerade viel. Tatsächlich scheint es aber einen gangbaren und zugleich visionären Ausweg zu geben, der uns allen noch eine Chance läßt. Nachzulesen ist er in dem neuen Bericht an den Club of Rome. Der Neffe des einstigen Bundespräsidenten Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Koautor dieses Berichtes und hat ihn nicht nur ins Deutsche übertragen, sondern auch, wo nötig, den spezifisch deutschen Verhältnissen angepaßt. Er stellt darin die in ihrer genialen Einfachheit überzeugenden Ansätze des Alternativen Nobelpreisträgers Amory Lovins vor: Ihr Kerngedanke ist die Effizienzsteigerung. Jeder weiß, daß die Ressourcen wertvoller Energieträger nicht unendlich reichen und zudem ihre Emissionen die Umwelt nachhaltig schädigen. Zugleich wissen wir aber auch von der Trägheit unserer Gattung, einen einmal erworbenen Lebensstandard nicht so schnell aufgeben "wollen zu können". Der Bericht trägt beiden Gesichtspunkten Rechnung, indem er auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beider "Weltanschauungen" abzielt: Danach dürfen z.B. Energieeinsparungen künftig nicht nur den Moralisten Befriedigung verschaffen, sondern auch der aufs Renditebewußtsein beschränkten Geschäftswelt. Um nun die richtigen Lösungen zu finden, müssen erst einmal die richtigen Fragen gestellt werden. So will ein Strom-, Gas- oder Benzinkunde ja weniger den Energieträger als vielmehr den Effekt der damit angetriebenen Geräte wie Kühlschrank oder Auto. Ein FAKTOR VIER, d.h. doppelter Wohlstand bei halbiertem Naturverbrauch würde nun erreicht, wenn ein Kunde ein stromsparendes Gerät für etwas mehr Geld kaufen kann, dieses Gerät die Mehrkosten aber schon nach kurzer Zeit amortisiert und sich zugleich auf den Energie- und Kostenverbrauch anderer Geräte auswirkt (Stichwort: Synergie), so daß der Kunde am Ende sogar noch Geld übrig hat, um auch andere Energiefresser zu ersetzen oder gar ganz auf sie verzichten zu können. Der Faktor Vier ließe sich dann sogar bis auf einen Faktor hundert und darüber steigern ...
Für den Praktiker werden im ersten Kapitel 50 Beispiele vorgestellt, wie und wo bereits der Faktor Vier seine Anwendung findet und finden kann. Das fängt beim hyperleichten Auto mit 0,8 Liter Benzinverbrauch an, verweist auf effizienten Haus- und Wohnungsbau und endet schließlich in (nahezu) autofreien Wohnsiedlungen. Im zweiten Kapitel wird Wirtschaftskräften erläutert, daß Effizienzsteigerung ein für alle Seiten, also auch für sie gewinnträchtiges Geschäft sein kann. Es soll ja Parteien geben, die nicht wissen, wie sie sich mit welchen modernen, zukunftsträchtigen Reformen profilieren könnten - dieses Kapitel steckt voller Winke mit dicksten Zaunpfählen! (Auch unsere Kirche könnte noch weit mehr von diesen Erkenntnissen in die Wirklichkeit umsetzen helfen - auch zu ihrem eigenen Nutzen und Frommen.) Schließlich erklärt bereits die nächste Kapitelüberschrift: "Die Umweltkrise zwingt zum Handeln". Das vierte und letzte Kapitel wiederum hinterfragt, was eigentlich Zivilisationsfortschritte auszeichnet. "Die immateriellen Befriedigungen haben es schwer, sich gegen die materiellen Befriedigungen durchzusetzen - nicht weil die immateriellen als weniger wichtig empfunden würden, sondern weil die materiellen schneller und leichter zu haben sind."
Die allerletzte Überschrift dieses Kapitels lautet denn auch folgerichtig: "Der ökonomische Fundamentalismus: ein schlechter Ersatz für Moral, Religion und Kultur".
Seriös belegt und doch eingängig und verständlich in seiner Sprachregelung sei dieses Buch allen Menschen mit Interesse an unserer Zukunft herzlich anempfohlen!

Buechernachlese © Ulrich Karger


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