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Büchernachlese-Extra: Mythen, Sagen und Märchen

Joan D. Vinge

Die Sommerkönigin Bd.1+2

SF-Roman. Heyne, München 1993, 749 + 634 S., ISBN: 3-453-07237-5, >>> Amazon, 3-453-07238-3, >>> Amazon

Die Anfang der 80iger Jahre von Joan D. Vinge verfaßte Science-Fiction-Saga DIE SCHNEEKÖNIGIN spielt innerhalb eines fremden Weltensystems, um auf der Grundlage von Andersens gleichnamigen Märchen eine uralte Geschichte ganz neu zu erzählen. Der Planet Tiamat ist nur alle 150 Jahre von den anderen Planeten der Hegemonie aus zu erreichen. Solange die Hegemonie nicht präsent ist, verfallen alle technischen Errungenschaften, werden die Tiamataner wieder zu einem "rückständigen" Naturvolk, in dem die "Sommerleute" das Sagen haben. Ist die "Schwarze Pforte" aber geöffnet, regiert die Schneekönigin, allerdings nur insoweit als sie die Hegemonie mit dem "Wasser des Lebens" zu beliefern hat. Dieses Wasser verlängert das Leben und erhält das jugendliche Aussehen. Es wird von robbenähnlichen Wesen gewonnen, die dazu hundertfach hingemetzelt werden. Dieser scheinbar in sich abgeschlossene Roman über Macht und Machtmißbrauch, Tradition und Vorurteile, Berechnung und großer Liebe wurde (völlig zurecht) mit dem HUGO AWARD ausgezeichnet, einem der höchsten Preise dieses Genres. Mit DIE SOMMERKÖNIGIN findet dieses Werk nun seine zweibändige und zweieinhalb mal so umfangreiche Fortsetzung und setzt genau da an, wo Mond Dawntreader die Macht der SCHNEEKÖNIGIN bricht. Gab es im ersten Roman nur sehr seltene Ausflüge in den Orbit, erlaubt die Fortsetzung durch die im Wechsel erzählten Ereignisse auf Tiamat und den hochtechnisierten Planeten der Hegemonie eine neue Dramaturgie. Wenn auch das Wasser des Lebens noch immer nicht synthetisch hergestellt werden kann, so wurde nun eine Energiequelle des "Alten Imperiums" wiederentdeckt, mit deren Hilfe man ohne Zeitverschiebung zwischen den Welten reisen kann - somit kann auch Tiamat noch weit vor Ablauf der sonst üblichen 150 Jahre wieder besucht und die Jagd auf die "Mers" wieder aufgenommen werden. Neben dem Aspekt, den alle Tierschützer nachvollziehen können, übersehen die Hegemonialmächte allerdings, daß diese Mers Teil eines hochkomplexen Datensystems sind, auf dem insbesondere ihre eigenen technischen Möglichkeiten beruhen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit ...
Mit diesen Romanen gelingt es Joan D. Vinge hochkomplexe Beziehungsgeflechte zwischen den (bis ins Detail ausgemalten) Welten und ihren Bewohnern kenntlich zu machen. Ihre Helden reifen, werden älter, durchleben Veränderungen und gewinnen so auch neue Einschätzungen vom jeweiligen Gegenüber. Die "Zufälle" erweisen sich als Teil eines in sich schlüssigen Konzepts, das dem Hier und Heute näher ist, als manchem lieb sein mag - ein unterhaltsames Romanwerk also, das wahrhaftig über den irdischen Tellerrand zu schauen vermag.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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