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Joseph von Westphalen

So sind wir nicht

Elf deutsche Eiertänze
Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 2000. 175 Seiten. 29,80 DM. ISBN: 3-8218-0573-0, >>> Amazon

Nachdem ich alle seine Duckwitz-Romane verpaßt hatte, wollte ich mir endlich mal ein Werk dieses Joseph von Westphalen zu Gemüte führen - ihn nun konsequenterweise nicht gänzlich zu ignorieren, birgt zwar die Gefahr unfreiwilliger Werbung, aber hier sind wir ja unter mündigen Lesern, nicht wahr?

Gleich den Brandstiftern von Max Frisch warnte mich der Autor schon in seiner 5(!)-seitigen 'kleinen Pressemitteilung' vor. Für seine 'Elf deutschen Eiertänze' wäre u.a. die Briefform notwendig gewesen, weil er sich sonst 'nicht so schön neonazimenschenverachtend (hätte) ausdrücken können'. In sein verquast politisch-korrekt-unkorrektes Buchdeutsch umgesetzt heißt es dann auch prompt, er erbäte sich von einer Fee 'ein Massensterben der Neonazis', für das er dann gern auch die 'Choreographie' eines 'spektakulären Verröchelns' übernehmen wollte. Hinterfotzig kalkuliert in das Benehmen der Leser gestellt, korrespondieren solch pubertär vereinfachenden Phantasien, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu können, auch noch mit nicht verzeihlichen Ungenauigkeiten. So vermag er z.B. an entscheidender Stelle noch immer nicht zwischen Israelis, Menschen jüdischer Herkunft und gläubigen Juden zu unterscheiden! Und so klein sich der alles verschleifende Stammtisch-Ungeist hier erweist, so findet das Ganze auch seine dementsprechende Form. Ungares Wortgeklingel füllt halt weder eine brillante Polemik und schon gar kein aberwitziges Essay aus. Über diese angestrengt kalauernden, sich oftmals wiederholenden, letztlich aber nichtssagenden Brieflein sollte man also ganz schnell den Mantel des barmherzigen Vergessens decken.
Aber halt! Eine Pointe ist wirklich erfolgreich gesetzt, weil glaubhaft und kongenial das Motiv der Brandstifter s.o. aufnehmend: Der Autor wird, wie im Buch nachzulesen, gewiß auch an diesem Geschreibsel zwischen 40000 und 200000 DM verdienen - das hat Witz, das hält den Lesern wahrhaft den Spiegel vor und könnte sie womöglich zum Nachdenken anregen ...

Buechernachlese © Ulrich Karger


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