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Benito Wogatzki

Das Narrenfell

Roman. Maro Verlag, Augsburg 1986, 300 S., ISBN: 3-87512-074-4, >>> Amazon

Das Gegenteil von re-signieren ist, ein Signal geben, aufzeigen, daß mensch da ist und, im Falle von Ulli Wuttke, seines Zeichens Betriebsschlosser in der Nachkriegszeit des 'anderen Deutschland', reibende Leere im Magen spürt. Wenn sich aber das schlichte Bedürfnis nach regelmäßiger und, wenn möglich, schmackhafter Nahrung politischen Erkenntnissen zum Wohle der ideologischen Allgemeinheit unterordnen soll, hat dieses Aufzeigen Folgen. Einfach zu sagen, ich habe Hunger, entbehrte der politischen Relevanz, wäre in dem Schilda des praktisch mißverstandenen Sozialismus nicht vertrackt genug. Da gilt es, Rücksichten zu nehmen und vorsichtige Findigkeit zu entwickeln.
"Der sowjetische Direktor und oberste Kommandant Genosse Jefremow hatte uns Spieler zusammen rufen lassen, dann redete er uns ins Gewissen. Er sagte: 'Mannschaft heißen ROTER STERN - warum verlieren? Noch einmal verlieren - Schluß!'"
Ein arbeitsfreier Nachmittag in jeder Woche für das Training, fünf Paar Fußballschuhe und die zusätzliche Fleischmarke für die Spieler waren damit auch verloren, obwohl Ulli Wuttke die gegnerische Mannschaft mit 160 Zentner Deputatskohle zur 'Solidarität' aufgerufen hatte. Ulli Wuttke's Kritik an der Kritik seines Engagements für den Fußball machte den Parteisekretär aufmerksam, und als der 'erkannte', welch 'politische Wendigkeit' Ulli Wuttke innewohnte, war Ulli Wuttke 'vonne Landesregierung aufs Land delegiert'.
Im Gegensatz zu Till Eulenspiegel ließ Ulli Wuttke sein Gegenüber nie mit voller Absicht glauben, er wäre für dieses oder jenes Amt geeignet, sondern das Gegenüber ließ Ulli Wuttke gar nicht erst zu Wort kommen, um dessen Fähigkeit in Frage zu stellen. Andererseits hatte Ulli Wuttke Hunger ...
Mit den zwerchfellzwickenden Situationsbeschreibungen im real-aufzubauenden Sozialismus von damals, hält der Ost-Berliner Benito Wogatzki parteilich-liebevoll vor Augen, wie bürokratisch verwaltete Ideen im Alltag real-satirische B1üten treiben.
Wer sich nun an der Schadenfreude über die 'Zustände in der DDR' berauschen will, dem sei hier zur Ernüchterung die unregelmäßig ausgestrahlte Unterhaltungssendung 'BUNDESTAGSDEBATTE' empfohlen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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