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Büchernachlese-Extra: Jesus Christus (Romane, Sachbücher)

Holger Wolandt (Hg.)

Jesus

Ein kritisches Lesebuch
Knaur Tb, München 1993, 414 S., ISBN: 3-426-77088-1, >>> Amazon

Endlich! Nachdem in mehr und insbesondere weniger seriösen Publikationen lang Vermutetes zur "sensationell" bewiesenen Erkenntnis aufgebauscht worden war, legt der Knaur Verlag nun ein kritisches Lesebuch vor, das JESUS von seiner wahrhaft (be-)deutungsvollen Seite zeigt. Ca. 50 AutorInnen - und die wenigsten davon TheologInnen wie Dorothee Sölle oder Eugen Drewermann - zeigen in Erzählungen, Romanauszügen, Gedichten und Essays, daß und wie sehr sie sich an Jesus bzw. an seiner Interpretation durch Kirchen und Gesellschaft gerieben haben. Abgesehen von Arno Schmidt ("Atheist? : Allerdings!") scheint kaum ein ernstzunehmender Chronist unseres Kulturraumes um diese (notwendige!) Reibung herumzukommen. Selbst und gerade auch ein Karlheinz Deschner, der nun schon seit Jahrzehnten zum x-ten Mal die Verbrechen der Kirchen en detail nachweist (diesmal stellt er einen Bezug zwischen Kannibalismus und Abendmahl heraus), kommt immer noch nicht drumherum. Leider bleibt er auch immer noch in der reinen Negation stecken, weil er die mißbrauchte und sogar im Wort vergewaltigte Botschaft Jesu nicht von den mißbrauchenden Kirchen und den sie korrumpierenden Staatsmächten unterscheiden will.
Alle anderen jedoch, ob Heinrich Heine oder Fjodor Dostojeskij, Rudolf Augstein oder Wolf Biermann, Anthony Burgess oder Robert Gernhardt und, nicht zu vergessen, Bert Brecht erkennen bzw. erkannten in Jesus sehr wohl eine Essenz an, die es vor Fehlinterpretationen zu schützen gilt. So würde Jesus heute die Hände über den Kopf zusammenschlagen, wüßte er u.a. von den sich über die "geringsten seiner Brüder" erhebenden Würden und Ämter gewisser Nachfolger und was seine Kreuzigung angeht - die an die Juden gerichtete kollektive Schuldzuweisung hätte er für einen schlechten Treppenwitz gehalten. Hinreißend sind denn auch die Essays von David Flusser, Schalom Ben-Chorin und Johannes Lehmann. Letzterer legt brillant den Finger auf die Wunde eines Kirchentums, das seit Konstantin den Versuchungen des Machtgewinns nicht widerstehen kann.
Dieses Lesebuch sollte nicht das letzte seiner Art bleiben! Gerade die Kirchen müßten ein vehementes Interesse an den nicht kanonisierten, neuesten Zeugnissen zu Glaubensfragen haben - wenn sie denn tatsächlich noch auf Jesus hören und das Eigentliche seiner Botschaft aufnehmen wollen.

Buechernachlese © Ulrich Karger


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