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Michail Bulgakow

Die verfluchten Eier

Roman. Aus dem Russischen von Alexander Nitzberg. Galiani Berlin Verlag, Köln 2014. 141 Seiten. 16,99 Euro. ISBN: 978-3-86971-092-1, >>> Amazon

Pfirsichow, höchst anerkannter Professor für Zoologie an der Moskauer Universität, entdeckt während seiner Forschungen zufällig einen roten Strahl, der das Wachstum von Eizellen enorm beschleunigt. Nachdem bereits riesige Frösche sein Labor bevölkert haben, werden Pfirsichows Gerätschaften ihm von Staatswegen abgenommen und der Strahl prompt ohne weitere behutsame Erprobung eingesetzt. Anstelle von Hühnereiern, die vergrößert den Hunger der Moskauer Bevölkerung stillen sollten, lässt ein ahnungsloser Funktionär große Mengen Reptilieneier bestrahlen
Nach "Meister und Margarita" und "Das hündische Herz" hat Alexander Nitzberg nun auch "Die verfluchten Eier" von Michail Bulgakow in einer gelungenen Neuübersetzung vorgelegt.
1925 von Bulgakow während der Stalinära geschrieben, hat sich der Autor nicht zuletzt auch von H.G. Wells und sein "The Food of the Gods" (1904, deutsch: "Die Riesen kommen!") inspirieren lassen und darin eine im Jahr 1928 angesiedelte Zukunftsvision entworfen, in der schicksalhafte, scheinbar unausweichliche Dummheit am Ende die Metropole Moskau von einer Armee riesenhaft mutierter Schlangen und Echsen bedroht sein lässt.
In seinem Nachwort sieht Nitzberg in diesem Werk einen direkten Vorläufer zu "Meister und Margarita" und erkennt neben H.G. Wells auch noch eine Nähe zu Werken des magischen Realismus von Franz Kafka oder Leo Perutz, während die darin angesprochenen metaphyischen Konstellationen auf Bulgakows großes Vorbild Nikolai Gogol verweisen.
Insgesamt ein so komplexes wie sprachlich ausgeklügeltes Werk, das sich dank dieser kongenialen Übersetzung flüssig lesen und die leider immer noch virulenten aktuellen Bezüge alsbald erkennen lässt. Dennoch sind für ein differenziertes Verständnis die so ausführlichen wie hilfreichen Anmerkungen des Übersetzers im Anhang zwingend notwendig - was dem Lesevergnügen angesichts des hier Schlag auf Schlag ausgeschütteten schwarz-galligen Humors aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

Weitere Besprechungen zu Werken von Michail Bulgakow siehe:
Michail Bulgakow: Das hündische Herz (Üeb. 2013)
Michail Bulgakow: Die verfluchten Eier (Üeb. 2014)

Buechernachlese © Ulrich Karger



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