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Tim Wynne-Jones

Dieb im Haus der Erinnerung

Roman. Aus dem kanadischen Englisch von Brigitte Jakobeit. Hanser Verlag, München 2007. 205 Seiten. 14,90 EUR. Ab 14 Jahren. ISBN: 978-3-446-20865-0, >>> Amazon

Dec Steeple war noch keine elf, als er und seine erst einige Monate alte Schwester von ihrer Mutter Lindy verlassen wurden. Doch erst fünf Jahre später drängen sich ihm Fragen nach dem Warum ihres Verschwindens auf. Der Fahrer eines Wassertransporters hat ihn beim Trampen bis vor die Haustür mitgenommen und ist dabei auch an dem seit Lindys Verschwinden leerstehenden alten Familiensitz vorbeigekommen. Am nächsten Tag findet Dec den Fahrer tot unter einem schweren Bücherschrank von Steeple Hall begraben. Und als er daraufhin ins neue Wohnhaus laufen will, meint Dec für einen kurzen Augenblick seine Mutter gesehen zu haben ...
Der preisgekrönte kanadische Schriftsteller Tim Wynne-Jones hat nach Brandspuren erneut einen psychologisch dichten Thriller geschrieben, der zugleich eine wichtige Lebensphase eines Jugendlichen markiert. Wenn sonst alles stimmt - der Vater vermögend ist und nur wenige Grenzen setzt, die einstige Freundin der Mutter schon vor ihrem Status als neue Lebensgefährtin des Vaters von den Kindern gemocht wurde - dann bedarf es schon eines brutalen Ereignisses, um die von Kindern und Jugendlichen nicht selten gepflegte Kunst der Verdrängung außer Kraft zu setzen. Dem Autor gelingt es hierbei so mitreißend wie geschickt, die Innensicht Decs zur Erzählperspektive werden zu lassen. Die immer stärker und öfter "sichtbar" werdende Gegenwart der Mutter reibt sich an Decs Intelligenz und seiner Empathie für die kleine Schwester, die sich an ihre Mutter überhaupt nicht zu erinnern vermag. Und daneben gilt es noch den baldigen Wegzug des besten Freundes und die Annäherungen eines "seltsamen" Mädchens aus der Schule zu verarbeiten. Der alterstypische Sinn für Ironie und Dramatik halten sich da spannungsgeladen die Waage und macht gewiss auch bei Jugendlichen Lust auf mehr von diesem Lesestoff. Auch und gerade wenn die Auflösung am Ende hart ist und an dem realitätsfernen Tabu kratzt, wonach die Liebe der Mütter zu ihren Kindern stets ungebrochen sei.

Weitere Besprechungen zu Werken von Tim Wynne-Jones siehe:
Tim Wynne-Jones: Brandspuren (2001)
Tim Wynne-Jones: Dieb im Haus der Erinnerung (2007)

Buechernachlese © Ulrich Karger


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