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Büchernachlese-Extra: Günter Grass

Arno Barnert (Hrsg.)

Uwe Johnson - Anna Grass - Günter Grass

Der Briefwechsel. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2007. 232 Seiten. 22,80 Euro. ISBN: 978-3-518-41935-9, >>> Amazon

Zwischen 1961 bis 1984 hat es zwischen Uwe Johnson, Anna Grass und Günter Grass einen erst relativ regen, ab 1971 bis zum Tode Johnsons jedoch nur noch sporadischen Briefwechsel gegeben.
Arno Barnert, Jahrgang 1973 und seines Zeichens Literaturwissenschaftler und Bibliotheksreferendar, hat diesen Briefwechsel nun auf derart anschauliche Weise herausgegeben, dass auch jüngere Leser ihm mit großem Gewinn nachspüren können. Nicht von ungefähr machen die Briefe selbst inklusive der sie darunter gleich erläuternden Fußnoten kaum 150 Seiten aus. Als direkte Nachbarn und auch in frühen Jahren bereits mit Telefon ausgestattet, bildeten eigentlich nur die allerdings nicht wenigen Auslandsreisen aller drei Beteiligter Anlass für das Briefeschreiben.
Bis Anfang der 70er einander sehr herzlich zugetan, unterscheidet sich der Ton zwischen Uwe Johnson und Günter Grass sowie der zwischen Uwe Johnson und Anna Grass von Anfang erheblich. Während sich die beiden Schriftsteller in der Hauptsache über gemeinsame oder eigene Projekte verständigten, hatten die meist ausführlicheren Schreiben zwischen der ersten Frau von Günter Grass, die als Tänzerin durchaus eigenes künstlerisches Gewicht hatte, und Uwe Johnson eine Leichtigkeit, die ein wenig an Tucholskys "Schloss Gripsholm" gemahnt - wortspielerisch und metaphernreich dokumentieren sie einen Austausch eigenen Erlebens vom Kleinen im Großen mit dem Humor verwandter Seelen. (Gibt es eigentlich auch Buch gewordene Prosa von Anna Grass nachzulesen? Das Talent dazu hatte sie allemal ...)
Umso mehr im Widerspruch dazu dann der auch später des Öfteren von Günter Grass kommentierte "Bruch" zwischen ihm und Uwe Johnson. Danach wären es neben den immer akuter werdenden Alkoholproblemen von Johnson insbesondere seine Erbsen zählenden Verdächtigungen gewesen, die zum Ende dieses intensiven Austauschs geführt hätten - nichtsdestotrotz kam es aber immer wieder zu gemeinsamen Auftritten und Projekten, erwies sich Günter Grass offenbar auch im Hintergrund und Geheimen als fürsorglich bleibender Freund.
Einiges zur Erhellung trägt auch der von Arno Barnert zusammengestellte Anhang bei: In den "Materialien" sind Artikel, Briefe und Interviews nachzulesen, auf die sich in den Briefen bezogen wird. Die "Zeittafel 1959 bis 1984" reiht, beginnend mit den zeitgleich großen Erfolgen der beiden Schriftsteller ("Blechtrommel" und "Mutmaßungen über Jakob"), weitere Veröffentlichungen, Projekte, Reisen und u.a. auch die Verwüstung der Wohnung Johnsons durch die Mitglieder der Kommune I und deren Rausschmiss durch Günter Grass. Daran schließen sich ein instruktives Nachwort sowie eine "Editorische Notiz" des Herausgebers an. Zuletzt dann natürlich auch noch Literaturhinweise, ein Personenregister sowie die Bildnachweise für den 16 Seiten umfassenden Bildteil mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos.

Weitere Besprechungen zu Werken von Günter Grass und Sekundärliteratur dazu siehe:
Büchernachlese-Extra: Günter Grass

Weitere Besprechungen zu Werken von Uwe Johnson siehe:
Uwe Johnson - Anna Grass - Günter Grass: Der Briefwechsel (2007)
Uwe Johnson - Hans Magnus Enzensberger: "fuer Zwecke der brutalen Verständigung" - Der Briefwechsel (2009)
Uwe Johnson - Philipp Otto Runge: Von dem Fischer und seiner Frau (2011

Buechernachlese © Ulrich Karger


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